Ministerin: Vorwürfe „äußerst schwerwiegend“
BBC-Chef tritt nach Kritik an Bearbeitung von Trump-Aussagen zurück
Nach Kritik an der irreführenden Bearbeitung einer Rede von US-Präsident Donald Trump für eine Fernsehdokumentation ist der Chef der britischen Rundfunkanstalt BBC zurückgetreten. Kulturministerin Lisa Nandy hatte die Vorwürfe rund um die Fernsehdokumentation zuvor als „äußerst schwerwiegend“ bezeichnet.

Blick auf das BBC-Gebäude in London (Archivbild).
Foto: James Manning/PA Wire/dpa
BBC-Präsident Samir Shah hat sich für eine umstrittene Dokumentation über US-Präsident Donald Trump entschuldigt und eine „Fehleinschätzung“ des britischen Senders eingeräumt. Ausschnitte einer Rede Trumps seien so zusammengeschnitten worden, dass der Eindruck eines „direkten Aufrufs“ zu Gewalt durch Trump entstanden sei, erklärte Shah am Montag in einem Schreiben an einen Parlamentsausschuss. „Die BBC möchte sich für diese Fehleinschätzung entschuldigen“, fügte er hinzu.
Nach Kritik an der irreführenden Bearbeitung von Trumps Rede ist der Chef der britischen Rundfunkanstalt BBC zurückgetreten.
BBC-Generaldirektor Tim Davie verkündete am Sonntagabend seinen Rücktritt, nachdem die Kritik immer lauter geworden war. Auch Nachrichtenchefin Deborah Turness nimmt ihren Hut, wie der Sender mitteilte.
Die BBC müsse „immer offen, transparent und rechenschaftspflichtig sein“, erklärte Davie. Er übernehme die „endgültige Verantwortung“ für den Fehler.
Am Montag verteidigte Turness den Sender jedoch gegen Kritik. „BBC News ist nicht institutionell voreingenommen“, sagte die bisherige Leiterin von BBC News vor dem Hauptsitz des Senders in London. „Deshalb ist es der vertrauenswürdigste Nachrichtenanbieter der Welt.“
Die britische Kulturministerin Lisa Nandy hatte die Vorwürfe rund um die Fernseh-Doku zuvor als „äußerst schwerwiegend“ bezeichnet. Premierminister Keir Starmer bekundete am Montag Unterstützung für eine „starke und unabhängige BBC“. Im „Zeitalter der Desinformation“ sei ein zuverlässiges und unparteiisches britisches Nachrichtenangebot wichtiger denn je, sagte der Sprecher des Regierungschefs. Um das Vertrauen in die BBC zu erhalten, sei es wichtig, Fehler „schnell“ zu korrigieren.
Trumps Rede wurde montiert
Mehrere Medien rechneten mit einer Entschuldigung. Die Zeitung „The Daily Telegraph“ hatte am Dienstag berichtet, dass die BCC in ihrem Nachrichtenformat „Panorama“ Teile der von Trump am 6. Januar 2021 vor der Erstürmung des Kapitols in Washington gehaltenen Rede montiert habe.
In der nach seiner Niederlage bei der Wahl gegen Ex-Präsident Joe Biden gehaltenen Rede behauptete Trump, um den Wahlsieg betrogen worden zu sein, daher sollten seine Anhänger „kämpfen wie der Teufel“. Am selben Tag stürmten Tausende seiner Anhänger das Kapitol in Washington.
In der unbearbeiteten Aufnahme der Rede sagt Trump an einer Stelle: „Wir werden zum Kapitol marschieren und unsere tapferen Senatoren und Abgeordneten im Kongress anfeuern.“
In einem deutlich späteren Abschnitt der Rede erklärte Trump dann mit Blick auf das Wahlergebnis, es sei etwas schiefgelaufen, das könne nicht sein, „und wir kämpfen, kämpfen wie der Teufel“.
In der BBC-Dokumentation hingegen wurden die beiden Sätze direkt aneinander gefügt, sodass der Eindruck verstärkt wird, Trump habe seine Anhänger direkt zum Sturm auf den Sitz des US-Kongresses aufgerufen.
Wegen seiner Rolle bei der Erstürmung des Kapitols wurde Trump im Jahr 2023 unter anderem wegen Verschwörung zur Behinderung einer offiziellen Amtshandlung sowie zum Betrug an den Vereinigten Staaten angeklagt. Aber nach Trumps Wahlsieg am 5. November 2024 sah sich der Sonderermittler Jack Smith gezwungen, das Strafverfahren gegen Trump einzustellen.
Die Dokumentation mit dem Titel „Trump: A Second Chance?“ (Trump: Eine zweite Chance?) war eine Woche vor der US-Präsidentenwahl am 5. November ausgestrahlt worden.
Ein BBC-Sprecher sagte, Shah werde am Montag dem Ausschuss für Kultur und Medien des Parlaments eine „ausführliche Antwort“ geben. Ministerin Nandy zeigte sich „zuversichtlich“, dass die Leitung des Senders „die Angelegenheit mit der nötigen Ernsthaftigkeit behandle“.
Es gehe nicht nur um die Sendung „Panorama“, sondern „um eine Reihe sehr schwerwiegender Vorwürfe, von denen der schwerwiegendste lautet, dass es bei der Berichterstattung über schwierige Themen bei der BBC eine systemische Voreingenommenheit gibt“, erklärte die Ministerin für Kultur, Medien und Sport weiter.(afp/red)
Kommentare
Noch keine Kommentare – schreiben Sie den ersten Kommentar zu diesem Artikel.
0
Kommentare
Noch keine Kommentare – schreiben Sie den ersten Kommentar zu diesem Artikel.









