Coaching für Migranten: Advocates Abroad soll Asylanten beim Austricksen von „dämlichen“ Behörden helfen

Von 14. November 2018 Aktualisiert: 15. November 2018 11:36
Bloggerin Lauren Southern und ihr Team haben am Montag auf YouTube mit versteckter Kamera gefilmte Aufnahmen veröffentlicht. Diese sollen die Leiterin der NGO „Advocates Abroad“, Ariel Ricker, zeigen, wie diese über Strategien spricht, die sie Asylbewerbern beibringe, um Behörden auszutricksen.

Einen potenziellen Skandal rund um Nichtregierungsorganisationen im Bereich der Flüchtlingshilfe hat das Team der kanadischen YouTuberin Lauren Southern aufgedeckt. Mit versteckter Kamera ist es ihrem Team gelungen, Aufnahmen anzufertigen, die Ariel Ricker, die Vorstandschefin der NGO „Advocates Abroad“, zeigen sollen.

Diese spricht in dem Videomaterial über ihre Vorgehensweise, wenn es darum geht, Asylsuchende auf ihre Befragungen durch das Europäischen Unterstützungsbüro für Asylfragen (EASO) vorzubereiten. Dabei soll sie regelrechte Choreografien für Befragungen entwickelt haben. Das Video wurde am Montag auf YouTube veröffentlicht.

Ricker soll einem Mitglied von Southerns Crew gesagt haben, es gäbe bestimmte Vorstellungen über Charakteristika, die das EASO von traumatisierten Flüchtlingen hätten, und deshalb würde man die Migranten darauf trainieren, exakt diese Charakteristika zu zeigen. In diesem Zusammenhang soll sich die NGO-Leiterin auch despektierlich über die Mitarbeiter das EASO geäußert haben:

Wir bringen ihnen bei […], ihr privates Trauma zu verinnerlichen, denn all ihr Handeln sei ein Schild. Ich erkläre ihnen, dies sei Schauspielerei, all das sei Schauspielerei, es gehe darum, wie in einem Theater aufzutreten. Um durchzukommen, müssen sie in dem Theater ihre Rolle spielen, und das ist der traumatisierte Flüchtling, denn diese EASO-Beamten sind dermaßen *** dämlich, dass alles, was sie wissen, auf Papier geschrieben steht.“

Advocates Abroad hat Social-Media-Accounts gelöscht

Das EASO hat die Aufgabe, auf der griechischen Insel Lesbos die Asylanträge von Neuankömmlingen aufzunehmen und deren Angaben nachzugehen. In der Zwischenzeit werden die Betreffenden im Anhaltezentrum Moria untergebracht. Berichten zufolge herrschen dort katastrophale Zustände. „Ärzte ohne Grenzen“ zufolge befinden sich zurzeit 8000 Personen in der auf eine maximale Belegung mit 3000 Menschen ausgerichteten Einrichtung.

Weitere 1500 Neuankömmlinge leben außerhalb Morias in einer weiteren Unterkunft. Es gäbe nicht ausreichend Toiletten und sanitäre Einrichtungen, Frauen und Mädchen seien regelmäßig sexuellen Übergriffen ausgesetzt, häufig käme es zu gewalttätigen Zusammenstößen und Revolten.

Die Anwälte von Advocates Abroad sind seit Februar 2016 im Norden Griechenlands tätig. Nach eigenen Angaben führen sie bislang 480 Einsätze in vier Staaten durch und haben bereits 15 000 Personen Rechtsbeistand geleistet. Die Akquise unter Flüchtlingen und Asylbewerbern gehe über Facebook oder E-Mail-Kontakt vonstatten, zudem gebe es Teams vor Ort.

Nach der nunmehrigen Enthüllung hat sich Ricker erst in einer Erklärung zu Wort gemeldet, später hat die Organisation ihre Accounts auf Twitter und Facebook gelöscht. Die Vorstandschefin erklärte in ihrer Stellungnahme, die Aufnahme von ihr sei ohne ihre Zustimmung angefertigt, nicht autorisiert, stark bearbeitet und aus dem Zusammenhang gerissen worden.

Southern erwägt weitere Veröffentlichungen

Lauren Southern bestreitet dies auf Anfrage mehrerer Medien: „Es ist Rohmaterial. Wir haben an der Aufnahme überhaupt nichts verändert.“ Sie habe natürlich Vorbehalte gegen die Veröffentlichung heimlich aufgenommener Aussagen der NGO-Betreiberin gehabt. Das öffentliche Interesse an deren Inhalt habe diese jedoch überwogen. Es gäbe noch mehr an Material über Ricker, über dessen Veröffentlichung und deren allfälligen Zeitpunkt man noch eingehend innerhalb ihres Teams sprechen wolle.

Den Behörden in Griechenland habe man das Material nicht zur Verfügung gestellt. Diese müssten „selbst entscheiden, welche Konsequenzen sie daraus ziehen wollen“, zitieren Medien die Bloggerin Lauren Southern. Sie und ihr Team hatten sich seit Beginn der Flüchtlingskrise bereits mehrfach mit kritischen Beiträgen über sogenannte Seenotretter und andere NGOs aus dem Bereich der Flüchtlingshilfe zu Wort gemeldet.

Die nun veröffentlichten Aufnahmen legen nahe, dass Mitarbeiter der NGO Advocates Abroad Asylsuchende auf ihre Gespräche mit dem europäischen Asylservice gleichsam wie auf eine Schulprüfung oder ein Assessment Center vorbereiten.

„In Izmir beim Verlassen der Kirche angegriffen“

In dem Video erklärt Ricker über die „Erfolgsformel“, die sie gefunden hätte:

„Worauf es ankommt, ist, alle Fragen auf dieselbe Weise zu beantworten: ‚Im Dezember 2017 wurde ich in Izmir in der Türkei bedroht, weil ich Christ bin, nachdem mir mein Chef und meine Freunde begegnet waren, als ich gerade aus der Kirche kam. Das ist die Bibel, die sie zu zerreißen versuchten, das ist das Kruzifix, das sie mir abzureißen versuchten, und das führte dazu, dass ich mich als Christ in der Türkei nicht sicher fühle … Ka-wumm!‘. […] Schlüssigkeit ist das Wichtigste. Selbst in einer Position, in der man lügen muss, weil man sich plötzlich etwas anderes gemerkt hat, ist es am besten, bei der ersten Geschichte zu bleiben.“

Neben der – wenig glaubhaften – Geschichte von der Christenverfolgung im säkularen und areligiösen Izmir hatte Ricker noch weitere Ratschläge parat. Bereits im Juni des Jahres hatte sie eine schriftliche Instruktion für Asylbewerber veröffentlicht, in der es unter anderem hieß, diese sollten so sie religiöse Verfolgung geltend machen wollten, „auf Google oder anderswo nachsehen, um sicherzustellen, dass die eigenen Antworten tatsächlich zum eigenen Glauben passen“.

Auf die Frage, welches die eigene Lieblingsstelle in einem der religiösen Bücher wäre, könne man beispielsweise antworten: „Die, wo Jesus weinte. Es ist nicht schwer, sich das zu merken und in vielerlei Hinsicht für viele Individuen relevant für die momentane Krise.“ Statt auf die Frage nach dem liebsten Feiertag lediglich mit „Weihnachten“ zu antworten, sei es erfolgversprechender, zu sagen: „Der 25. Dezember, das ist Weihnachten, der Geburtstag unseres Herrn und Erlösers.“

Der europäischen Statistikbehörde Eurostat zufolge waren im Vorjahr 650 000 Personen in EU-Staaten eingereist, um Erstanträge auf Asyl zu stellen. Davon sei 538 000 einstweiliger Schutz gewährt worden. Insgesamt sei 46 Prozent der in der EU abgegebenen Asylanträge in erster Instanz positiv beschieden worden.


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