Sogenannte Weißhelme bringen in Aleppo einen verletzten Mann in Sicherheit.Foto:  Syria Civil Defence/dpa

Deutschland nimmt syrische Weißhelme als „Flüchtlinge“ auf

Epoch Times23. Juli 2018 Aktualisiert: 23. Juli 2018 9:02
Nach der Evakuierung etlicher Mitglieder einer Organisation Weißhelme nimmt Deutschland acht Mitarbeiter und deren Familien als "Flüchtlinge" auf.

In einer ungewöhnlichen Aktion hat Israel hunderte Weißhelme und ihre Familien vor den heranrückenden syrischen Regierungstruppen im Süden des Landes in Sicherheit gebracht.

Wie die jordanische Regierung am Sonntag mitteilte, wurden 422 Mitglieder der umstrittenen Hilfsorganisation und ihre Angehörigen nach Israel geholt und dann nach Jordanien gebracht. Kanada sagte die Aufnahme von bis zu 50 Aktivisten zu – Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) will acht aufnehmen.

Die Weißhelme seien durch das Vorrücken der Truppen von Staatschef Baschar al-Assad im Süden Syriens „bedroht“ gewesen, berichtete der israelische Armeerundfunk. Ihre „Rettung“ sei eine „Ausnahme“ gewesen.

Weißhelme nach Jordanien gebracht

Der Sprecher des jordanischen Außenministeriums, Mohammed al-Kajed, erklärte, Deutschland, Großbritannien und Kanada hätten ursprünglich zugesagt, 827 Weißhelme und deren Angehörige aufzunehmen. Letztlich seien aber nur 422 Weißhelme und ihre Familien über Israel nach Jordanien gebracht worden. Hier dürften sie höchsten drei Monate lang bleiben.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu erklärte, US-Präsident Donald Trump und der kanadische Premierminister Justin Trudeau hätten ihn vor ein paar Tagen um die Evakuierungsaktion gebeten. Die Weißhelme seien „Menschen, die Leben retten und sich nun selbst in tödlicher Gefahr befinden“, deshalb habe er dem Ansinnen entsprochen.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) bestätigte die geplante Aufnahme von Weißhelmen. „Es ist ein Gebot der Menschlichkeit, dass viele dieser mutigen Ersthelfer nun Schutz und Zuflucht finden, einige davon auch in Deutschland“, sagte Maas der „Bild“-Zeitung. Deutschland hat die Weißhelme seit 2016 mit zwölf Millionen Euro unterstützt.

Seehofer sagte der „Bild“, er habe entschieden, dass Deutschland acht Weißhelme und ihre Familien aufnehmen werde. „Ihnen Schutz zu gewähren ist für mich eine humanitäre Verpflichtung und Ausdruck meiner Politik, für Humanität und Ordnung in der Migrationspolitik zu sorgen“, sagte der CSU-Chef.

Kanadas Außenministerin Chrystia Freeland erklärte, mit der Aufnahme von Weißhelmen wolle ihr Land diesen „Helden“ helfen. Eine Außenamtssprecherin bestätigte die Aufnahme von bis zu 50 Weißhelmen und deren Familien, also etwa 250 Menschen insgesamt.

Der Leiter der Weißhelme, Raed Saleh, sagte, seine Mitarbeiter seien wegen der „wiederholten Drohungen Russlands und des Regimes“ in Gefahr gewesen. Teils seien sie an den Golan-Höhen von der Armee umzingelt gewesen. Die syrischen Regierungstruppen hatten in den vergangenen Wochen große Teile der an Jordanien und die israelisch besetzten Golan-Höhen grenzenden Provinzen Daraa und Kuneitra erobert.

Die Weißhelme sind umstritten

Die Weißhelme wurden 2011 von einem ehemaligen britischen Offizier gegründet. Offizieller Zweck der Organisation ist die humanitäre Hilfe für zivile Opfer der Kriegshandlungen in Syrien.

Die Organisation ist kein Mitglied der Internationalen Zivilschutzorganisation. Sie operiert ausschließlich in den syrischen Gebieten, die von Gegnern der syrischen Regierung gehalten werden, einschließlich der vom sogenannten Islamischen Staat (IS) besetzten Gebiete.

Finanziert wird die Organisation hauptsächlich von Staaten, die auch für die Absetzung des syrischen Staatschefs Baschar al Assad eintreten, als da wären Großbritannien, Frankreich, Deutschland, die Türkei und den USA. Den größten Teil der Anschubfinanzierung und der Schulung der Mitarbeiter leistete seinerzeit Großbritannien.

Die syrische Regierung und Russland werfen den Weißhelmen vor, die Islamisten zu unterstützen. Die Organisation betont dagegen ihre Neutralität.

Im Westen wurden die Weißhelme für ihre Arbeit vor zwei Jahren mit dem alternativen Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Die israelische Armee betonte, der Hilfseinsatz bedeute keine Änderung der Politik Israels, keine syrischen Flüchtlinge aufzunehmen. Israel behalte seine „Politik der Nichteinmischung“ bei. (afp/so)


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