Am 8. November 2010 halten die Preisträgerinnen Dr. Amina Mohamed, Dr. Hawa Abdi und Dr. Mohamed Deqo eine Rede während der Gala Women of the Year, die die Zeitschrift Glamour in der Carnegie Hall in New York City veranstaltet.Foto: Larry Busacca/Getty Images für Glamour Magazine

Eine mutige Frau in einem verwüsteten Land

Von 7. Mai 2011 Aktualisiert: 7. Mai 2011 16:11

Somalia gehört zu den Ländern mit den meisten Problemen in der Welt. Es wird oft als „gescheiterter Staat“ angesehen, der von Gewalt und Instabilität heimgesucht wird. Aber an einem solch ungünstigen Ort sorgte eine tapfere Frau leise für die Entstehung von Würde und Hoffnung. Dr. Hawa Abdi Dhiblawe kümmert sich seit Jahren um Tausende Somalier und ist eine Stimme des Friedens in dem vom Krieg zerrütteten Land.

Die in der Ukraine ausgebildete Ärztin, die 63-jährige Dr. Abdi, kehrte im Jahr 1983 nach Somalia zurück und eröffnete ihre eigene Ein-Zimmer-Klinik am Stadtrand von Mogadischu, einer Stadt, in der es an staatlichen Gesundheitseinrichtungen fehlt. Inzwischen entwickelte sich dieses Zimmer zu einem riesigen 400-Betten-Krankenhaus, das von 1.300 Hektar Ackerland umgeben ist, auf dem sich jetzt 90.000 Menschen ein Zuhause aufbauen.

In Somalia prägten die Kämpfe zwischen rivalisierenden Kriegsherren und eine unzureichende Antwort auf Hunger und Krankheit das Leben dieses Volkes und führten in den letzten Jahrzehnten zum Tod von bis zu einer Million Menschen. Derzeit ist fast ein Drittel der Bevölkerung von Nahrungsmittelhilfe abhängig und es gab seit 1991 keine effektive Regierung.

Das in Clan-Machtbereiche aufgeteilte Land braucht dringend eine funktionierende Regierung und Rechtsstaatlichkeit. Im Januar 2009 wurde ein gemäßigter Islamist und ehemaliger Rebell, Sheikh Sharif Sheikh Ahmed, zum Präsidenten einer Übergangsregierung gewählt. Seine Regierung kontrolliert jedoch nur ein paar Blocks der Hauptstadt mit der Unterstützung von Truppen der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union.

Der Großteil des Landes wird von aufständischen Gruppen, insbesondere von der Al-Shabab, kontrolliert, was auf Arabisch „Jugend“ bedeutet. Sie will in ganz Somalia eine strenge Ausrichtung des Islam einführen. Herr Ahmed wurde vom somalischen Parlament gewählt, das seinen Sitz im benachbarten Dschibuti hatte, um vor der Gewalt zu Hause sicher zu sein.

Dr. Hawa Abdi und ihre beiden Töchter sorgen für die medizinische Versorgung von Zehntausenden von Menschen, die in diesem Land vertrieben wurden.

Somalia exportiert nur sehr wenig und seine Menschen leben hauptsächlich von Überweisungen von im Ausland lebenden Somalis (sie schickten schätzungsweise 20 Millionen US-Dollar im Monat allein nach Mogadischu). Darüber hinaus gibt es in diesem Land ein Klima der Gesetzlosigkeit. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die Piraterie in Somalia zu einer ernsthaften Bedrohung für die internationale Schifffahrt wurde.

In der Zwischenzeit erlebt das Land mit schätzungsweise 1,2 Millionen Vertriebenen in Süd-Zentral Mogadischu laut UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) eine der schlimmsten humanitären Krisen der Welt.

Neben diesen gravierenden sozialen Herausforderungen haben die Somalis auch keinen Zugang zu einer angemessenen Gesundheitsversorgung. In diesem Bereich arbeiten Dr. Hawa Abdi und ihre beiden Töchter. Sie möchten nicht nur die gesundheitliche Versorgung von Zehntausenden von Vertriebenen im Lande sicherstellen, sondern auch weitere soziale und pädagogische Unterstützung leisten.

Willkürliche Gewalt

Dr. Abdi erregte im Mai 2010 international Aufmerksamkeit, als 750 bewaffnete Milizen der Gruppe Hizbul Islam ihr Krankenhaus belagerten und sie mit vorgehaltener Waffe zwangen, ihre Arbeit zu beenden. Außerdem erlaubten sie Dutzenden von Jugendlichen, das Krankenhaus zu plündern, Anästhesiegeräte zu zerstören, Dokumente mit medizinischen Aufzeichnungen zu zerreißen und die Krankenhaus-Infrastruktur zu zerstören.

Unerschrocken stellt sich Dr. Abdi ihren Angreifern entgegen und bat sie, ihr Verhalten zu erklären. Als sie drohten sie zu töten, antwortete sie ruhig: „Wenn Sie mich töten wollen, dann töten Sie mich, kein Problem. Eines Tages werde ich ohnehin sterben müssen.“

Als der Vorfall international bekannt wurde, gab es große Empörung. Dutzende von somalischen Frauen stürmten das Krankenhaus, um sich solidarisch zu zeigen und bestanden auf dem Abzug der Miliz.

Weil die Aktionen seiner Gruppe stark verurteilt wurden, veranlasste der Führer der Hizbul Islam, Scheich Hassan Dahir Aweys, nach siebentägiger Haft ihre Freilassung. Als die Miliz abrückte, konnte Dr. Abdi ihre Arbeit fortsetzen. Sie hatte eine wichtige Schlacht gewonnen.

Im Jahr 2010 kürte die amerikanische, weltweit erscheinende Mode- und Frauenzeitschrift Glamour Dr. Abdi und ihre beiden Töchter, Dr. Amina Mohamed Abdi und Dr. Deqa Mohamed Abdi, zu „Frauen des Jahres“ und nannte sie die „Heiligen von Somalia“. Mit der Fortsetzung ihrer Arbeit repräsentieren diese tapferen Frauen weiterhin einen Hoffnungsschimmer in einem düsteren Land.

Dr. César Chelala ist Mitgewinner des Preises Overseas Press Club of America.

Artikel auf Englisch: A Woman of Courage in a Ravaged Land

 

 



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