Emissionsfreier Wasserstoff durch Kernkraft – Frankreich führt Deutschlands Energie-Ideologen vor

Von 14. September 2020 Aktualisiert: 15. September 2020 9:00
Frankreich will mit emissionsfreiem Wasserstoff eine wohlstandsverträgliche Form der Dekarbonisierung erreichen. Dafür erforderliche Elektrolyseure sollen mit Energie aus Kernkraft betrieben werden. Anders als Deutschlands Wasserstoff-Projekt käme man ohne Importe aus.

Der Kampf gegen die „Klimakrise“ ist auch Frankreichs Regierung ein zentrales Anliegen. Anders als in Deutschland hält man dort allerdings die Kernkraft für eine zentrale Voraussetzung, um Emissionen von „klimaschädlichem“ CO2 zu begrenzen. Die Kernreaktoren selbst will man künftig auch noch nutzen, um Wasserstoff emissionsfrei zu produzieren – der ebenfalls als entscheidender Energieträger der Zukunft gilt.

Kernkraft würde Frankreich Produktion im eigenen Land sichern

Gelänge es, die Elektrizität, die Frankreichs Kernkraftwerke erzeugen, für die Erzeugung von emissionsfreiem Wasserstoff zu verwenden, so schreibt „Politico“, könnte dies dem Land einen enormen Vorsprung in diesem Bereich verleihen – der als Schlüsselfaktor bei der Dekarbonisierung der Stahlindustrie oder von Schwertransporten gilt.

Wirtschaftsminister Bruno Le Maire stellte am Dienstag der Vorwoche (8.9.) Pläne vor, bis 2030 sieben Milliarden Euro zu investieren, um in Frankreich selbst solchen Wasserstoff herstellen zu können. Das Ziel sind 6,5 Gigawatt (GW) an Kapazitäten für Elektrolyseure, also Vorrichtungen zur Zerlegung von Wasser durch Elektrolyse in seine Grundkomponenten Wasserstoff und Sauerstoff. So sollen nicht nur die heimische Industrie gestärkt und Jobs geschaffen werden – man will auf diese Weise auch verhindern, auf Importe angewiesen zu sein.

Deutschland will Wasserstoff aus Marokko importieren

Das würde Frankreich auch von Deutschland unterscheiden, wo Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier zwar sogar neun Milliarden investieren willen, um Elektrolyseur-Kapazitäten von fünf GW zu schaffen. Allerdings hatte die Regierung Merkel bereits 2011 im Schatten der Ereignisse von Fukushima den vorgezogenen Atomausstieg verkündet, weshalb in Deutschland keine Kernkraftwerke mehr zur Erzeugung von emissionsfreiem Wasserstoff im eigenen Land zur Verfügung stehen werden.

Weil auch die Regierung in Berlin zu der Erkenntnis gelangt ist, dass deshalb auch die erforderliche Menge an erneuerbaren Energien fehlen wird, um die Elektrolyseure anzutreiben, bemüht man sich um Produktionspartnerschaften mir sonnenreichen nordafrikanischen Ländern wie Marokko.

Le Maire will nicht warten, bis ausreichend Wind und Sonne vorhanden sind, um die heimischen Elektrolyseure nutzen zu können. Er macht gegenüber BFMTV deutlich, dass er die Energieproduktion im eigenen Land für die bessere Option hält:

„Wenn wir sauberen, grünen Wasserstoff wollen, brauchen wir Unmengen an Elektrizität. Wo aber sollen wir die produzieren? In Nordafrika, im Nahen Osten, und dann den Wasserstoff zurück nach Frankreich holen? Der CO2-Abdruck wäre dann nicht der beste. […] Sollen wir nicht stattdessen darum kämpfen, unseren eigenen grünen Wasserstoff in Frankreich herzustellen, mithilfe unserer Atomkraftwerke? Ich denke, das wäre die bessere Vorgehensweise.“

EU will erst 2021 entscheiden, ob Kernkraft erneuerbare Energie ist

Ob Frankreich dadurch mögliche Fördermittel vonseiten der EU aufs Spiel setzt, bleibt offen. In Brüssel meint man nicht beurteilen zu können, ob es sich bei der Kernkraft um eine erneuerbare Energie nach EU-Definition handelt. Ideologen, häufig deutscher Herkunft, halten diesbezüglich häufig die Physik für ein soziales Konstrukt. Erst 2021 will man sich dazu erklären.

Ein Eingeständnis, dass Wohlstand und wirtschaftliche Dynamik nur dann mit Dekarbonisierung vereinbar sind, wenn im Gegenzug die Kernkraft als emissionsarme Alternative ausgebaut wird, würde einem Offenbarungseid für die Energiewende und damit eines der Denkmäler bedeuten, die Bundeskanzlerin Angela Merkel sich und ihrer Politik setzen will.

Während erst in der Vorwoche der Europaabgeordnete Daniel Cohn-Bendit und der Politologe Claus Leggewie in der FAZ gar eine deutsch-französische Konföderation gefordert hatten, könnte die Frage der Kernkraft als erneuerbare Energiequelle früher als erwartet grundlegende Sollbruchstellen im deutsch-französischen Verhältnis offenbaren.

Sollbruchstelle zwischen Paris und Berlin

Immerhin planen beide Länder einen „Airbus für Wasserstoff“ als „Projekt des gemeinsamen europäischen Interesses“ (IPCEI), an dessen Ende eine „paneuropäische Batterien-Allianz“ stehen soll, für die natürlich auch Geldmittel aus dem „Green New Deal“ fließen sollen.

In Frankreich selbst gibt es derzeit mindestens 157 Wasserstoff-Projekte in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Präsident Emmanuel Macron will Bedenkenträgern in Brüssel und Berlin auch durch deren Realisierung entgegenkommen, indem er den Anteil der Nuklearenergie am heimischen Energiemix bis 2035 um die Hälfte reduzieren will. Dies lasse sich aber nur dann zu vernünftigen Konditionen realisieren, ist man in Paris überzeugt, wenn das, was weniger an Kernenergie produziert wird, durch emissionsfreien Wasserstoff substituiert wird – auch wenn dieser erst durch den Einsatz von Kernenergie gewonnen werden muss.

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