Eine afghanische Frau schaut mit ihrer Tochter einem Frauenprotestzug in den Strassen Kabuls zu. (AP Photo/Rafiq Maqbool)

Empörung über Karikaturen entlädt sich weiter in Gewalt

Epoch Times8. Februar 2006 Aktualisiert: 8. Februar 2006 19:08
Vier Tote bei Marsch zu US-Stützpunkt in Afghanistan - Beobachtermission in Hebron angegriffen - Schüssel und Chirac fordern Ende der Provokationen - Bush: Regierungen sollen Gewalt unterbinden

Hebron/Kalat – Die Empörung über Karikaturen des Propheten Mohammed hat sich in der islamischen Welt am Mittwoch wieder in Demonstrationen und gewaltsamen Protesten gegen westliche Einrichtungen entladen. In der südafghanischen Stadt Kalat erschossen Sicherheitskräfte vier Demonstranten, die auf einen US-Stützpunkt zu marschierten. In Hebron im Westjordanland verwüsteten Demonstranten das Gebäude der Beobachtermission TIPH.

Der österreichische Bundeskanzler und EU-Ratspräsident Wolfgang Schüssel appellierte an alle Seiten, «die Spirale der gegenseitigen Provokationen zu beenden». Der französische Staatspräsident Jacques Chirac appellierte an die Medien, religiöse Empfindlichkeiten zu respektieren.

US-Präsident George W. Bush forderte ein Ende der gewaltsamen Proteste. «Wir lehnen Gewalt als Mittel ab, Unmut über etwas zum Ausdruck zu bringen, das in der freien Presse gedruckt wurde», sagte er in Washington. «Ich rufe die Regierungen in der Welt auf, die Gewalt zu stoppen, respektvoll zu sein, das Eigentum zu schützen, das Leben unschuldiger Diplomaten zu schützen, die im Ausland ihren Ländern dienen.» Bush äußerte sich nach einem Treffen mit dem jordanischen König Abdullah II. Abdullah rief die Demonstranten auf, ihren Protest auf friedlichem Wege kund zu tun.

In Kalat eröffneten Polizisten das Feuer, als mehrere hundert Demonstranten zum US-Stützpunkt zogen. Dabei wurden nach Polizeiangaben vier Menschen tödlich getroffen. Elf Demonstranten erlitten Schussverletzungen, acht Polizisten und ein Soldat wurden von Steinen getroffen.

Der afghanische Ulama-Rat, die höchste Vereinigung der muslimischen Geistlichen des Landes, rief im Rundfunk zur Beendigung der Proteste auf. «Wir verurteilen die Zeichnungen, aber dies rechtfertigt keine Gewalt», sagte der Geistliche Mohammed Usman der Nachrichtenagentur AP.

In Hebron griffen am Mittwoch etwa 300 Palästinenser den Sitz der internationalen Beobachtermission an. Sie warfen Fensterscheiben ein und versuchten, eines der Gebäude in Brand zu setzen. In der Zentrale der Beobachtermission (TIPH) befanden sich zu diesem Zeitpunkt rund 60 Personen. Die TIPH (Temporary International Presence in Hebron) dient als Puffer zwischen der palästinensischen Bevölkerung und jüdischen Siedlern in der Stadt. Elf dänische Beobachter seien bereits bei Beginn der Proteste gegen die Karikaturen abgezogen worden, sagte TIPH-Sprecherin Gunhild Forselv.

Neue Karikatur in Frankreich

Das französische Satire-Blatt «Charlie-Hebdo» druckte am Mittwoch die von der dänischen Zeitung «Jyllands-Posten» bereits im September veröffentlichten Mohammed-Karikaturen nach und fügte denen eine eigene Zeichnung hinzu. Darin wird ein Prophet Mohammed gezeigt, der den Kopf in seine Hände stützt. Darunter steht die Zeile: «Schlimm, von Idioten verehrt zu werden.»

Schüssel erklärte in Wien, weder abschätzige Karikaturen Mohammeds noch das Leugnen des Holocausts oder schändliche Witze über den Holocaust hätten einen Platz in einer Welt, in der Kulturen und Religionen im Geiste gegenseitiger Achtung zusammenlebten. Chirac sagte in einer Kabinettssitzung, es sollte alles vermieden werden, «was die Überzeugungen anderer – insbesondere religiöse – beleidigen könnte».

Die USA und andere Länder prüfen unterdessen, ob die oft gewaltsamen Proteste in den verschiedenen Ländern zentral gesteuert werden. Man gehe der Frage nach, ob es zwischen den vielen Demonstrationen von Nahost über Afghanistan und Bangladesch bis Indonesien eine Verbindung und eine Infrastruktur gebe, sagte ein US-Militärsprecher, Oberst James Yonts, in Afghanistan. Beweise für eine Beteiligung von Organisationen wie den Taliban oder dem Terrornetzwerk Al Kaida gebe es derzeit nicht.



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