Ermittlungen gegen Pädosexuellen in Braunschweig: Hoffnungsschimmer oder kalte Spur im Fall Maddie?

Von 5. Juni 2020 Aktualisiert: 5. Juni 2020 11:47
Die Eltern der 2007 verschwundenen Maddie McCann sehen in den Ermittlungen gegen einen 43-jährigen Sextäter aus Braunschweig einen Hoffnungsschimmer. Der 2008 vom Fall abgezogene portugiesische Chefermittler wiegelt ab: Die Spur sei bereits damals untersucht worden.

In den möglicherweise bekanntesten Cold Case der letzten Jahre – zumindest auf europäischer Ebene – könnte Bewegung kommen. Wie britische Medien berichten, halten die Ermittlungsbehörden des Landes eine Spur für möglicherweise vielversprechend, die zu einem 43-jährigen Deutschen führt, der derzeit in Braunschweig wegen einer Verurteilung in einer anderen Sache eine Haftstrafe verbüßt.

Auch das Bundeskriminalamt (BKA) hatte am Mittwochabend mitgeteilt, dass die Staatsanwaltschaft Braunschweig Mordermittlungen gegen einen 43-jährigen Deutschen eingeleitet habe. Bei dem Beschuldigten handelt es sich demnach um einen mehrfach vorbestraften Sexualstraftäter.

In Braunschweig Inhaftierter soll am Tattag in Tatortnähe gewesen sein

Dass der Fall der am 3. Mai 2007 aus einer Ferienwohnanlage in Portugal verschwundenen Maddie McCann, damals drei Jahre alt, nie in den Archiven verschwand, dafür sorgten unter anderem Kate und Gerry, die Eltern des Mädchens. Auch Prominente wie David Beckham, Cristiano Ronaldo oder J. K. Rowling machten öffentlich auf den Fall des Mädchens aufmerksam. Noch im Jahr 2007 empfing auch Papst Benedikt XVI. die McCanns zu einer Audienz im Vatikan. Erst jüngst versuchten die Ermittlungsbehörden über die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“ mögliche neue Hinweise bezüglich des Falles zu generieren.

Von 1995 bis 2007 soll auch der nun als Tatverdächtiger gehandelte Deutsche regelmäßig an der Algarve gelebt haben – unter anderem über mehrere Jahre in einem Haus zwischen Lagos und Praia da Luz, dem Ort von Maddies Verschwinden. Auch um den 3. Mai 2007 herum soll der Verdächtige sich in und um den Ort aufgehalten haben.

Die Metropolitan Police in London veröffentlichte dazu Bilder eines Camping-Wohnwagens, den der heute 43-Jährige damals besessen habe, und zwei Telefonnummern, mit denen er an dem Tag in der Zeit zwischen 19.32 und 20.02 Uhr telefoniert habe. Zwischen anderthalb und zwei Stunden später soll Maddie aus der Wohnanlage verschwunden sein.

Ein Jahr vor Maddies Verschwinden 72-Jährige vergewaltigt

In Portugal soll der Deutsche, der offiziell durch Gelegenheitsjobs sein Geld verdient hatte, bereits mehrfach durch Straftaten auffällig geworden sein. Das BKA spricht unter anderem von Drogenhandel oder dem Einbruch in Hotelanlagen oder Ferienapartments. Die „Braunschweiger Zeitung“ schreibt, dass es sich bei dem Tatverdächtigen um dieselbe Person handelt, die 2019 in erster Instanz zu einer siebenjährigen Haftstrafe wegen Vergewaltigung verurteilt wurde.

Diese soll sich ebenfalls in Praia da Luz zugetragen haben, etwa ein Jahr vor dem Verschwinden Maddies. Das Opfer damals war allerdings eine 72-jährige US-Bürgerin. Allerdings weist der 43-jährige Tatverdächtige, der in Braunschweig seinen letzten Wohnsitz hatte, auch Vorstrafen wegen pädosexueller Übergriffe auf.

Auch die portugiesische Polizei teilte am Mittwochabend mit, sie befrage derzeit im Lichte der neuen Erkenntnisse Zeugen zu dem Fall. Kate und Gerry McCann seien „dankbar“ für die neuen Ermittlungen, sagte ihr Sprecher Clarence Mitchell am Donnerstag im BBC-Fernsehen. „Sie haben die Hoffnung, Madeleine lebendig zu finden, trotz des langen Zeitraums nicht aufgegeben“, fügte der Sprecher hinzu. Dennoch seien sie „realistisch“.

Halbstündiges Fenster für die Tatbegehung

Im Mai 2007 war das Ärzteehepaar McCann mit seinen drei Kindern nach Portugal geflogen. Mit von der Partie waren einige Bekannte, der Zielort und die Anlage „Ocean Club“ ist vor allem bei britischen Urlaubern sehr beliebt, es steigen jedoch regelmäßig auch welche aus anderen Ländern ab.

Um 18 Uhr am 3. Mai des Jahres sahen Nachbarn noch Maddie und ihren Vater, wie sie zusammen Eis essen gingen. Nach 19 Uhr brachten die Eltern alle drei Kinder zu Bett, anschließend trafen sie sich in der 50 Meter entfernten Tapas-Bar mit Freunden, die ebenfalls Kinder mit im Urlaub hatten, die zu diesem Zeitpunkt bereits schliefen. Jede halbe Stunde machte sich ein Elternteil auf Kontrollgang, um nachzusehen, ob mit den Kindern im Quartier alles in Ordnung wäre.

Gegen 22 Uhr geht Kate McCann wieder in die Wohnung, um nachzusehen. Sie sieht, dass eine Tür geöffnet wurde, ein zuvor geschlossenes Fenster offen stand und die dreijährige Tochter Madeleine fehlte. Ihr Stofftier, das sie zuvor mit im Bettchen hatte, lag nun auf einem Regal, das die Kleine nicht von selbst hätte erreichen können.

Die Polizei wird alarmiert, weitere Einsatzkräfte und Freiwillige helfen bei der Suche, wie T-Online schildert, sollen auch Flughäfen geschlossen worden sein.

Spekulationen über Pädophile, Menschenhändler oder Satanisten

Die Suche blieb aber ergebnislos, wie auch die daran anschließenden Ermittlungen. Im Jahr 2008 stellt die portugiesische Polizei diese ein, nicht, ohne verbrannte Erde zu hinterlassen. Die Polizeibehörden, allen voran die Ermittler unter Leitung von Chefinspektor Goncalo Amaral, klagten bereits am Abend des Verschwindens darüber, dass der mögliche Tatort verändert und durchwühlt worden wäre. Zwischen ihm und den Eltern wuchs in den Jahren darauf eine tiefe Feindschaft, die sogar in einem Gerichtsprozess endete.

Die Eltern selbst, besorgte Freunde und britische Medien spekulierten über eine mögliche Entführung durch Pädophile. Immerhin habe es allein in den vier Jahren zuvor nicht weniger als sieben nachgewiesene Fälle dieser Art gegeben, sodass die Gegend eine Hochburg pädosexueller Krimineller sein könnte. Einer von ihnen könnte die Örtlichkeiten kennen, die Gewohnheiten der McCanns ausspioniert und die passende Gelegenheit abgewartet haben. Auch Menschenhändler oder Satanisten kamen in weiterer Folge ins Spiel. Im Jahr 2016 wurde der Fall Maddie sogar in die „Pizzagate“-Verschwörungstheorie integriert.

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Für Menschenhändler hätte die Nähe zu Spanien und die leichte Transportmöglichkeit in Richtung Marokko eine günstige Gelegenheit geboten. Nach späteren Berichten gingen immer wieder auch Hinweise ein, wonach Maddie in Marokko gesehen worden wäre. Erhärten ließen sich die Angaben jedoch nicht. Zudem wäre selbst vor dem Hintergrund der Gewinnaussichten, die ein Verkauf des entführten Kindes etwa im Wege einer illegalen Adoption hätte einbringen können, eine Erpressung des Ärzteehepaares als weniger aufwändig und ähnlich profitträchtig erschienen.

Amaral hält Eltern selbst für verdächtig

Als unwahrscheinlich stellte sich die Theorie heraus, wonach ein Einbrecher das Mädchen getötet und weggeschafft haben könnte, nachdem sein Einstieg bemerkt worden wäre. Es waren keine Gegenstände aus dem Apartment entwendet worden – obwohl auch eine Brieftasche sichtbar im Raum gelegen haben soll.

Mehrere Personen aus dem Umfeld der Feriensiedlung wurden vorübergehend festgenommen, unter anderem ein britischer Nachbar, der zuvor die Eltern in auffälliger Weise mit Fragen und Hilfsangeboten belästigt haben soll. Die Spur erwies sich jedoch als unergiebig. Eine Freundin der McCanns erklärte, gegen 21.15 Uhr am Abend der Entführung einen etwa 1,70 Meter großen Mann, etwa Ende 30, mit beigefarbener Hose, dunklen Schuhen und dunkler Jacke, gesehen zu haben, der aus der Richtung des Apartments gekommen sei. Er habe ein Bündel getragen, in dem auch ein Kind hätte verborgen sein können. Allerdings konnte sie kein Gesicht und nicht einmal eine Hautfarbe beschreiben.

Auch auf die Eltern selbst fiel ein Verdacht. Bis heute dürfte Amaral seine später auch in Buchform aufgeworfene These nicht fallen gelassen haben, wonach Maddie bei einem Unfall ums Leben gekommen sein könnte und die Eltern versucht hätten, dies zu vertuschen.

Maddie auf steinerner Treppe ausgerutscht?

Bereits 2008 schreibt ein Blog, Spürhunde hätten auf der Steintreppe vor der Wohnung auf eine Weise reagiert, die den Eindruck nahegelegt habe, das Mädchen könnte dort zu Tode gestürzt sein – etwa, als sie aufwachte und das Haus verließ, um nach ihren Eltern zu suchen. Eine ähnliche These lief darauf hinaus, dass sie einen tödlichen Unfall gehabt hätte, als sie auf dem Weg zu den Eltern in der Bar gewesen wäre. In diesem Fall hätte auch ein Unfallfahrer die Leiche verschwinden lassen können.

Auch Amaral sprach damals von „Blutspuren einer verstorbenen Person“ in der Wohnung, die Leichenspürhunde und Infrarot zutage gefördert hätten. Auch in einem von Maddies Eltern für Suchaktionen gemieteten Renault Scenic sollen Blutreste und DNA zu finden gewesen sein. Ein Zeuge will den Vater in zeitlicher Nähe zum Verschwinden gesehen haben, und er soll ein Kind getragen haben.

Allerdings erwiesen sich auch diese Hinweise nicht als belastbar, und Amaral musste, nachdem ihm die britische Presse Unfähigkeit bescheinigt hatte und es bereits zu diplomatischen Verwicklungen zu kommen drohte, seinen Posten räumen. In einem Buch beschuldigte er 2009 die Eltern erneut, mehr zu wissen als sie sagten, und wurde in weiterer Folge erfolgreich auf die Zahlung von 600.000 Euro Schmerzensgeld verklagt. Zwei Jahre später veröffentlichte Mutter Kate McCann ein eigenes Buch zu dem Fall.

Keine Verbindung zu Pädo-Täter in der Schweiz

Im Jahr 2008 stellte die portugiesische Polizei den Fall ein und er wurde zum Cold Case. Allerdings hielten die Eltern den Druck aufrecht, sodass ab Anfang der 2010er Jahre in Portugal erneut und erstmals auch in Großbritannien ermittelt wurde. So nahmen sich Beamte der portugiesischen Polizei und von Scotland Yard 2011 im Rahmen der „Operation Grange“ erneut des Falles an. Bis zu 30 Personen sollen sich um 38 „Persons of Interest“ gekümmert haben – allerdings ohne greifbare Ergebnisse.

Im Jahr 2012 wurde zum Fall eines Kindermörders aus der Schweiz ermittelt, der am 31. Juli 2007 im Kanton St. Gallen ein fünfjähriges Mädchen entführt, ermordet und in einem Wald vergraben hatte. Am gleichen Tag richtete er sich selbst. Wie die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) schreibt, hatte der 67-Jährige zuvor in Südspanien gelebt und habe einen weißen Kastenwagen mit spanischem Kennzeichen besessen. Ein solcher sei auch drei Monate zuvor am Tat-Tag von Maddies Verschwinden in Praia de Luz als verdächtig gemeldet worden.

Allerdings erwies sich auch dieser Hinweis als nicht tragfähig, ebenso wenig wie eine 2017 verkündete Suche nach einer „bedeutenden Person“, von der aber nicht einmal deutlich wurde, ob sie Zeuge oder Verdächtiger sein sollte.

Insgesamt sind seither 3.800 Hinweise in mehr als 30.000 Schriftstücken ausgewertet worden. Weder haben sie einen Hinweis auf den Aufenthaltsort Maddies erbracht, noch eine Antwort auf die Frage, ob sie noch lebt.

Amaral: Verdächtiger und sein Wohnwagen bereits untersucht

Der in Ungnade gefallene Chefermittler Amaral sieht auch im nun namhaft gemachten Braunschweiger Verdächtigen nur einen „Sündenbock“. Er erklärt gegenüber dem australischen Sender „9 News“, er hatte die nunmehrige Entwicklung bereits vor einem Jahr angekündigt.

In einem Podcast erklärte er damals, es gäbe in einem deutschen Gefängnis einen Pädophilen, der bereits im Zuge der ursprünglichen Ermittlung ins Visier der Polizei geraten wäre. Allerdings sei er zum Ende der Untersuchung entlastet gewesen. Auch der Wohnwagen sei keine neue Spur. Amaral dazu: „Der Wohnwagen, in dem er gelebt hatte, wurde zur Untersuchung nach Deutschland gebracht, aber es wurde nichts gefunden.“

(Mit Material von afp)

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