Führende WHO-Wissenschaftlerin: Trotz Impfung wird Corona 2021 nicht enden

Von 13. Januar 2021 Aktualisiert: 13. Januar 2021 15:22
Die leitende WHO-Wissenschaftlerin, Dr. Soumya Swaminathan, hat vor voreiligem Optimismus hinsichtlich eines Endes der Corona-Pandemie noch in diesem Jahr gewarnt. Auch wenn mittlerweile Impfungen verfügbar wären, sei das erst ein erster Schritt zur Herdenimmunität.

Die leitende Wissenschaftlerin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Dr. Soumya Swaminathan, hat in mehreren Äußerungen der vergangenen Tage vor verfrühten Hoffnungen auf ein Ende der Corona-Pandemie noch in diesem Jahr gewarnt.

Wie der „New India Express“ berichtet, erklärte Swaminathan, das Erzielen einer Herdenimmunität noch in diesem Jahr sei „höchst unwahrscheinlich“ – auch wenn in mehreren Ländern bereits groß angelegte Impfungen stattfinden, um die Ausbreitung von COVID-19 zu stoppen.

WHO rät weiterhin zur Vorsicht

Bereits in der Vorwoche hatte Swaminathan dem „Sydney Morning Herald“ zufolge auf einer virtuellen Pressekonferenz erklärt, es gäbe „noch keine Beweise dafür, dass geimpfte Menschen in Länder wie Australien einreisen könnten, ohne dass die Gefahr bestehe, die Krankheit zu verbreiten“.

Auf Nachfrage dahingehend, was dies für das australische Quarantäneprogramm bedeute, erklärte sie:

„Ich glaube nicht, dass wir ausreichende Beweise dafür haben, dass irgendeiner der Impfstoffe die erforderliche Wirksamkeit hat, um sicher sein zu können, dass er die Menschen davon abhalte, die Infektion tatsächlich zu bekommen und in weiterer Folge nicht mehr in der Lage zu sein, sie weiterzugeben.“

Man müsse deshalb davon ausgehen, dass auch Menschen, die geimpft wurden, weiterhin die erforderlichen Vorsichtsmaßnahmen ergreifen müssten, bis ein gewisser Grad an Herdenimmunität erreicht sei. Das sei „eine Dynamik in einem sich entwickelnden Feld“.

Impfungen schaffen noch keinen weltweiten Schutz

Während bisherige Erkenntnisse über die in Gebrauch befindlichen Impfstoffe davon ausgehen lassen, dass diese einen tödlichen Verlauf einer Infektion unwahrscheinlicher machen, gibt es noch zu wenige und zu kurze Erfahrungen, um belastbare Aussagen über darüber hinausgehende Wirkungen treffen zu können.

Das strikte Einhalten von Abstandsregeln und anderen Maßnahmen, um die Ausbreitung der Krankheit unter Kontrolle zu halten, sei auf absehbare Zeit weiterhin anzuraten, erklärte Swaminathan in einem Pressebriefing am Montag (11.1.).

„Auch wenn die Impfungen die am meisten Gefährdeten zu schützen beginnen, werden wir 2021 noch keine höheren Levels der Bevölkerungsimmunität oder gar die Herdenimmunität erreichen“, prognostiziert die Wissenschaftlerin. „Selbst wenn es in einigen Schwerpunktgebieten und in einigen Ländern dazu kommen sollte, wird es noch keinen weltweiten Schutz für die Bevölkerung geben.“

Neue Variante macht Ausbreitung von Corona schneller, aber nicht stärker

Wissenschaftler gehen üblicherweise davon aus, dass die Herdenimmunität bei einer Immunisierung von 70 Prozent der Bevölkerung durch Impfung oder überstandene Infektion erreicht werde. Einige befürchten jedoch, bei COVID-19 sei wegen dessen besonders hoher Infektiosität ein deutlich höheres Level erforderlich.

Dr. Bruce Aylward, ein Berater des Generaldirektorats der WHO, geht davon aus, dass die ersten Impfungen bereits Ende Januar oder im Februar auch in ärmeren Ländern beginnen könnten. Dazu brauche die WHO auch die aktive Unterstützung vonseiten der Hersteller selbst.

Der Notfallbeauftragte der Organisation, Dr. Michael Ryan, erklärte, dass neue Varianten des Virus zwar nach bisherigen Erkenntnissen die Ausbreitung von COVID-19 beschleunigen würden, es gäbe allerdings „keine Hinweise darauf, dass mit den Mutationen schwerere Verläufe einhergehen“. Eine Veränderung bereits in Gang gesetzter Strategien in den einzelnen Ländern sei im Lichte der Mutationen nicht erforderlich.


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