UN-Klimakonferenz
Großdemonstration beim Klimagipfel in Brasilien
Tausende protestieren in Belém für Klimagerechtigkeit und den Schutz indigener Gebiete – mit Aktionen, die bei früheren Klimagipfeln so nicht möglich waren.

Tausende Indigene und internationale Klimaschützer zogen durchs Zentrum der Millionenstadt Belém.
Foto: Torsten Holtz/dpa
Zur Halbzeit der UN-Klimakonferenz in Brasilien hat sich ein großer Protestzug formiert. Tausende Indigene und internationale Klimaschützer zogen durchs Zentrum der Millionenstadt Belém.
Mit dem „Marsch fürs Klima“ kämpfe man um Klimagerechtigkeit und für die Verteidigung angestammter Gebiete indigener Gemeinschaften, die von Holzfällern und illegalen Goldschürfern bedroht seien, hieß es in einem Aufruf.
Gewaltsam Türen aufgebrochen
Anders als bei den vorangegangenen Klimakonferenzen in autoritären Staaten wie Aserbaidschan gibt es im Stadtgebiet sichtbare Proteste der Zivilgesellschaft. So tagt parallel zur UN-Klimakonferenz auf dem Gelände der Universität der „Gipfel des Volkes“ („People’s Summit“) mit Hunderten Organisationen, Bewegungen und Netzwerke aus Brasilien und dem Ausland.
„Geschützter Amazonas“ stand auf einer riesigen brasilianischen Flagge, die beim „Großen Marsch der Völker“ durch Belém getragen wurde. Die Zerstörung des Amazonas-Regenwalds komme einem „Massaker“ gleich, sagte der 50-jährige Benedito Huni Kuin vom indigenen Volk der Huni Kuin. Er sei aus seiner Heimat im Westen Brasiliens nach Belém im Nordosten gekommen, um bei der Klimakonferenz „unseren Stimmen aus dem Amazonasgebiet Gehör zu verschaffen und Ergebnisse zu fordern“.
Der 4,5 Kilometer lange Protestzug führte vom Stadtzentrum bis in die Nähe des Konferenzgeländes, das mit Stacheldrahtabsperrungen abgeriegelt war und von Soldaten bewacht wurde. Kurz darauf endete die Demonstration friedlich. Nach Angaben der Organisatoren hatten insgesamt etwa 50.000 Menschen daran teilgenommen.
Am Freitag hatten Dutzende Indigene und andere Klimaaktivisten morgens stundenlang den Haupteingang der Konferenz blockiert. Und am Dienstagabend stürmten indigene Aktivisten sogar die Eingangshalle der eigentlich stark gesicherten Zeltstadt. Sie brachen gewaltsam Türen auf und lieferten sich ein Gerangel mit Sicherheitskräften.
Umweltminister Schneider vor Ort
Auf der COP30 beraten noch bis Ende nächster Woche rund 200 Staaten darüber, wie die Erderwärmung schneller eingedämmt werden kann. Im Fokus steht unter anderem ein Fahrplan zur Abkehr von Öl, Gas und Kohle.
Daneben geht es um Forderungen der Entwicklungsstaaten nach Hilfsgeldern, um sich besser an die fatalen Folgen wie häufigere und heftigere Niederschläge und Dürren, Hitzewellen, Waldbrände und Stürme anzupassen.
Für die zweite Verhandlungswoche der COP30 sollten am Wochenende die Minister zahlreicher Länder in Belém eintreffen, darunter Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD). (afp/dpa/red)
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