Auf Betreiben des niederländischen Justizministers wurde ein MH17-Ermittler mit merkwürdiger Begründung entlassen.Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images

MH17: Bundesregierung wusste von Gefahr – Niederlande feuern kritischen Ermittler

Epoch Times27. April 2015 Aktualisiert: 27. April 2015 15:39

Neues vom MH17-Abschuss – und wieder sind des unangenehme Enthüllungen: Wie heute bekannt wurde, lagen der Bundesregierung Warnhinweise für eine veränderte Sicherheitslage im ostukrainischen Luftraum vor, die sie jedoch nicht an die Fluggesellschaften weitergab. Aus den Niederlanden wurde berichtet, das ein Forensik-Experte auf Betreiben des Justizministers aus dem MH17-Ermittlerteam gefeuert wurde, weil er offenbar eigene Auffassungen geäußert hatte.

Bundesregierung wusste von Gefahr

Der Bundesregierung lagen vor dem Abschuss einer Boeing 777 der Malaysia Airlines über der Ostukraine im Juli 2014 klare Gefahrenhinweise vor, die sie nicht an deutsche Fluggesellschaften weiter gegeben hat. Das berichten WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung mit Hinweis auf vertrauliche Drahtberichte des Auswärtigen Amtes (AA).

Auch die Lufthansa war Minuten vor dem MH17-Abschuss noch über das Gebiet geflogen. In einem Drahtbericht wenige Tage vor dem Abschuss hatten Diplomaten des AA die Lage in der Ostukraine als "besorgniserregend" bezeichnet, Grund hierfür war der Abschuss einer Antonov-Militärmaschine in mehr als 6000 Metern Höhe. Auch der Bundesnachrichtendienst hatte in seinen täglichen Berichten mitgeteilt, dass die Luftsicherheit über der Ukraine nicht mehr gegeben sei. Üblicherweise müssten Fluglinien umgehend über eine veränderte Sicherheitslage informiert werden. Das Bundesverkehrsministerium handelte jedoch erst nach dem Abschuss der MH17. "Fakt ist, dass uns keine Informationen von Seiten der Behörden vor dem 17. Juli vorlagen" erklärt ein Sprecher der Lufthansa laut DTS. (Der ausgebliebene Warnhinweis ist ein Detail einer fast sechs Monate dauernden Recherche der Sender und der SZ.

Forensik-Experte aus Ermittlerteam gefeuert

Mit einer merkwürdigen Begründung wurde ein Forensik-Experte aus dem MH17-Ermittlerteam entlassen – auf Betreiben des niederländischen Justizministers Ard van der Steur. Weil er „Fotos von Leichtenteilen in einer öffentlichen Vorlesung“ gezeigt haben soll, ist George Maat, ein forensischer Anthropologe, letzte Woche aus dem Team ausgeschlossen. Er war an der Identifizierung der Toten des MH17-Unglücks beteiligt. Der Professor hatte zum Absturz aber auch eigene Gedanken geäußert – Beobachter vermuten, dass ihm dies zum Verhängnis geworden war, berichtete Heise.de.

Ein Sprecher des holländischen Forensikteams erklärte, dass man über die Suspendierung hinaus weitere Maßnahmen erwäge. Er wies dabei nicht nur auf die Fotos hin, die man nicht auf einer öffentlichen Veranstaltung hätte zeigen dürfen, sondern auch darauf, dass Maat während seines Vortrags „Kommentare außerhalb seines Fachgebiets über die Gründe des Absturzes machte“, die "falsch" seien.

Maat hatte gesagt, dass eine Rakete in der Nähe des Flugzeugs explodiert sein müsse, weil zahlreiche Schrapnellteile das Flugzeug samt Passagieren durchsiebt hätten. Nach seiner Theorie hätte das Flugzeug nicht in der Luft auseinanderbrechen dürfen, sondern hätte am Stück abstürzen müssen. Maat hatte anscheinend darüber gesprochen, warum sich die Leichenteile auf eine bestimmte Weise auf dem Boden verstreut haben und welche Schlüsse aus dem Zustand der Leichen gezogen werden konnten – und war damit zu weit gegangen. Den Mitarbeitern des holländischen Untersuchungsteams scheint es verboten zu sein, bezüglich MH17 über Dinge außerhalb ihres Fachgebiet zu sprechen.

Interessanterweise war Maat sich über den Umstand, dass es sich um einen öffentlichen Vortrag gehandelt habe, gar nicht klar. Er dachte, er spräche auf einer rein wissenschaftlichen Veranstaltung zu Medizinstudenten. Er bedauerte dies im Nachhinein und entschuldigte sich bei den Angehörigen der Opfer. Auf den Bildern, die er gezeigt hatte, waren laut dem Bericht von RTL Nieuws nur Leichenteile, jedoch keine vollständigen Körper erkennbar.

Geheimniskrämerei um MH17 geht weiter

Erst vor zwei Wochen hatte es neue Enthüllungen über Geheimniskrämerei rund um die „Aufklärung“ des MH17-Unglücks gegeben. „569 Dokumente sind teilweise veröffentlicht worden, aber wichtige Informationen sind darin unleserlich gemacht. 147 Dokumente werden geheim gehalten“, berichtete der niederländische Sender RTL Niews.

Mehr dazu: MH17: Geheimniskrämerei der Ermittler betrifft 147 Dokumente

Das Flugzeugunglück forderte am 17. Juli 2014 über der Ostukraine 298 Menschenleben.

(dts / heise.de / rf)

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