Nahost-Expertin Kneissl über Terrorgefahr: „Die Situation ist äußerst brenzlig“

Epoch Times5. Dezember 2015 Aktualisiert: 5. Dezember 2015 10:59
Mangelhafte Grenzkontrollen, Schlägereien in Asylheimen, salafistische Prediger - nach Ansicht der Nahost-Expertin Dr. Karin Kneissl ist die Situation schon akut. Der islamistische Terror hat neue Formen angenommen, eine Mischung aus angereisten und einheimischen Tätern, sowie dezentral selbständig aggierende Terrorgruppen.

Nach Ansicht der österreichischen Nahost-Expertin und Mitbegründerin von "Ärzte ohne Grenzen" in Österreich, Karin Kneissl, befinden wir uns schon in einer brenzligen Situation. Die Gefahr gehe vor allem durch getarnte Terroristen und radikalisierte, europastämmige Muslime aus.

Wer beobachtet, erfährt mehr

Dies zeigt sich vor allem, wenn man die Möglichkeit hat, undercover zu beobachten. "Ich höre ja ab und zu in der U-Bahn mit, wie diese jungen Männer in Arabisch über uns Europäer reden. Wir sind in einer äußerst brenzligen Situation", erklärt die Nahost-Expertin ihre Erlebnisse.

"Vor Kurzem war ich in Israel und im Libanon. Die Leute dort schütteln über unsere Politik der offenen Grenzen nur noch die Köpfe. Sie fragen: ‚Wie könnt ihr all diese Menschen ohne Kontrolle in euer Europa reinlassen? Ihr wisst nicht, auf was ihr euch da eingelassen habt!", zitiert die österreichische "Krone".

Schon Sarkozy unterschätzte 2012 die Gefahr

Karin Kneissl sieht eine Veränderung in der Terrorlandschaft: "Es gibt nun mehr Gruppen, die selbstständig handeln. Wir kennen etwa das Beispiel von Toulouse." Damals im März 2012 tötete der 23-jöhrige Mohammed Merah sieben Menschen. Unter ihnen befanden sich drei jüdische Kinder. Erst dann wurde er von der Polizei erschossen. Die französischen Rechten warfeb dem konservativen damaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy vor, dass er die islamistische Gefahr unterschätze. Das war drei Jahre vor Paris. 

Auch die Paris-Attentäter zeigen Hinweise auf eine neue Terror-Generation: "Bei den Anschlägen in Paris war das ja eine Mischung – extra angereiste Täter unterstützten in Frankreich geborene Terroristen", so Kneissl. Gerade auch in den jungen "europäischen" Islamisten, stecke "ein großer Hass gegen die Mehrheitsbevölkerung" in Frankreich, Deutschland, Belgien oder Österreich. (sm)

Video: Dr. Karin Kneissl bei der Generalversammlung des Christlichen Lehrervereins (CLV) über den Ursprung der Flüchtlingskrise, die gemachten Fehler und ihre Auswirkungen

Karin Kneissl:

Karin Kneissl ist Mitbegründerin von "Ärzte ohne Grenzen" in Österreich und Vizepräsidentin der österreichischen Gesellschaft für politisch-militärische Studien STRATEG. Von 1990 bis 1998 arbeitete sie im Kabinett des Außenministers, im Völkerrechtsbüro. Nach ihrem Ausscheiden aus dem diplomatischen Dienst arbeitete sie als freie Jounalistin, auch für den ORF. Sie gilt als Expertin für Völkerrecht, Geschichte des Nahen Ostens und den Energiemarkt. Sie referiert an der Landesverteidigungsakademie, der Militärakademie Wiener Neustadt und an verschiedenen Universitäten im Libanon. [Vita][Web]

Siehe auch:

Nahost-Expertin über IS-Bedrohung: "Behörden haben Dschihadisten-Szene unterschätzt"

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