Krisenkommunikation
Österreich: Inflation hoch, Vertrauen in Politik gering - Bundeskanzler Stocker: „Wir können wieder Großes schaffen“
Nach seiner überstandenen Rückenoperation hat Österreichs Bundeskanzler Christian Stocker die Amtsgeschäfte wieder aufgenommen. In einer Videobotschaft rief er die Bevölkerung zu Zusammenhalt und Zuversicht auf – während das Vertrauen in die Politik auf einem Tiefpunkt bleibt.

Der österreichische Kanzler will die Zuversicht im Land steigern.
Foto: Eva Manhart/dpa
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In Kürze:
- Kanzler Christian Stocker kehrt nach erfolgreicher Operation ins Amt zurück.
- Videobotschaft aus dem Homeoffice: Aufruf zu Optimismus und gesellschaftlichem Zusammenhalt
- Inflation weiterhin über 4 Prozent, Stimmung im Land gedrückt
- Umfragen zeigen massives Misstrauen gegenüber allen Parteien.
In Österreich bereitet sich Bundeskanzler Christian Stocker auf seine Rückkehr ins Kanzleramt vor. Ende Oktober musste er sich aufgrund anhaltender Beschwerden einer Routineoperation am Rücken unterziehen. Der Eingriff verlief planmäßig, der Kanzler konnte zu Beginn der Woche die Klinik verlassen.
Am Dienstag, 11. November, meldete er sich auf Instagram aus dem Homeoffice in Wiener Neustadt. Am Mittwoch leitete er von dort aus erstmals wieder den Ministerrat im Wege einer Videokonferenz. Während seiner Abwesenheit hatten Vizekanzler Andreas Babler oder Staatssekretär Alexander Pröll Termine wahrgenommen, die eine physische Präsenz Stockers erfordert hätten.
Stocker: „Österreich ist aus Herausforderungen gestärkt hervorgegangen“
In einer Botschaft in den sozialen Medien räumte der Kanzler ein, dass die Stimmung in Österreich derzeit durchwachsen ist:
„Viele Menschen haben derzeit den Eindruck, dass Perspektiven fehlen und Unsicherheiten überwiegen. Ob im Job, beim Einkauf oder beim Blick in die Zukunft.“
Gleichzeitig rief er in Erinnerung, dass man in Österreich „schon viele Herausforderungen gemeistert“ habe und „stets gestärkt daraus hervorgegangen“ sei. Es gebe „zahlreiche Gründe, trotz der Herausforderungen mit Zuversicht in die Zukunft zu blicken“.
Es gebe, so führte der Kanzler aus, „sehr viele Menschen in unserer Gesellschaft, die mit ihren Ideen und Visionen zum Aufschwung unseres Landes beitragen“. Diese wolle man in den kommenden Wochen auch auf den Social-Media-Kanälen des Bundeskanzleramts vorstellen. Stocker rief zum Engagement auf:
„Wir können wieder Großes schaffen, wenn wir alle gemeinsam anpacken.“
Hohe Inflation und Spesenritter verärgern die Bevölkerung
Unterdessen hält sich die Inflation im Land seit August hartnäckig auf einem Niveau über 4 Prozent. Im Oktober 2024 hatte sie noch bei 1,8 Prozent gelegen. Die Inflation ist für Menschen in Österreich besonders belastend, weil das Land bereits vor den Krisen der 2020er-Jahre für ein hohes Preisniveau bei Gütern des täglichen Bedarfs gegolten hatte.
Die größten Preistreiber waren Dienstleistungen, Nahrungsmittel und Energiepreise, was die Wahrnehmung der Teuerung durch die Bevölkerung weiter verstärkte. Dazu kommen Aufreger wie die Debatte über die jüngste Erhöhung der ohnehin als üppig betrachteten Gagen von Spitzenfunktionären öffentlicher Körperschaften wie der Wirtschaftskammer oder Arbeiterkammer sowie des Österreichischen Gewerkschaftsbundes.
Entsprechend gering ist das öffentliche Vertrauen in die politische Klasse. Einer jüngst veröffentlichten Umfrage für „oe24“ zufolge erreicht keine politische Partei in Österreich mehr Vertrauen bei mehr als 27 Prozent der Befragten. Der Anteil der Bürger, die ihnen misstrauen, bewegt sich im Bereich zwischen 53 Prozent (SPÖ) und 61 Prozent (Grüne).
FPÖ könnte mit 37 Prozent rechnen – aber nur 26 Prozent der Österreicher vertrauen Kickl
Beliebtester Politiker des Landes ist weiterhin Bundespräsident Alexander van der Bellen, allerdings mit lediglich 41 Prozent an Vertrauen. 45 Prozent der Befragten misstrauen auch ihm. Kanzler Stocker liegt mit nur 26 Prozent auf Platz 2, gleichauf mit FPÖ-Chef Herbert Kickl. Diesem vertrauen ebenfalls 26 Prozent der Befragten. Allerdings ist Kickl mit 61 Prozent auch der Politiker, dem das meiste Misstrauen entgegengebracht wird – gleichauf mit Grünen-Chefin Eleonore Gewessler.
Bei der Sonntagsfrage kommen die Koalitionsparteien zusammen auf 46 Prozent (20 ÖVP, 18 SPÖ, 8 NEOS). Die FPÖ wäre mit 37 Prozent stärkste Kraft, die Grünen kämen auf 10 Prozent. Mit 3 Prozent würde die kommunistische KPÖ den Einzug in den Nationalrat weiterhin verfehlen. Unique Research hatte die Partei vor zwei Wochen noch bei 4 Prozent gesehen, was für den Parlamentseinzug reichen würde.
Reinhard Werner schreibt für Epoch Times zu Wirtschaft, gesellschaftlichen Dynamiken und geopolitischen Fragen. Schwerpunkte liegen dabei auf internationalen Beziehungen, Migration und den ökonomischen Folgen politischer Entscheidungen.
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