Österreich vor „langsamem Hochfahren“: Erste Lockerungen für die Wirtschaft nach Ostern geplant

Von 4. April 2020 Aktualisiert: 4. April 2020 15:13
Im Kampf gegen die Corona-Pandemie darf sich Österreich über sichtbare Erfolge freuen. Deshalb will die Regierung unter Kanzler Sebastian Kurz nach Ostern erste Erleichterungen für Unternehmen zulassen. Allerdings mahnt Kurz auch zu Disziplin während der Feiertage.

Österreich gehörte EU-weit zu den ersten Ländern, die ihrer Bevölkerung im Zeichen der Corona-Krise rigide Maßnahmen zur sozialen Distanzierung verordneten – und könnte nun zu den ersten gehören, die nach Ostern ihre Pandemie-Maßnahmen wieder lockern, um der Wirtschaft die Chance zu geben, sich zu erholen.

In einer Regierungserklärung kündigte Bundeskanzler Sebastian Kurz am Freitag (3.4.) ein „Comeback“ des Wirtschaftsstandortes Österreich an. Bereits nach Ostern könne es die ersten Lockerungen für bestimmte Branchen geben und erste Geschäfte wieder öffnen. Bislang dürfen nur Supermärkte und systemrelevante Betriebe wie Apotheken oder Banken ihre Dienste aufrechterhalten.

Österreichs Wirtschaft soll bald wieder atmen können

Kurz wolle die Entwicklung der Zahlen am kommenden Wochenende beobachten. Möglicherweise könne er bereits am kommenden Montag bekannt geben, in welchen Bereichen Unternehmen künftig ihren Betrieb wiederaufnehmen könnten. Auch Vizekanzler Werner Kogler kündigte für kommende Woche erste konkrete Aussagen über ein „langsames Hochfahren“ an.

Die Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie, die Österreichs Regierung erstmals am 13. März verkündet hatte, scheinen Wirkung zu zeigen. Die Infektionskurve flacht ab. Wie die „Oberösterreichischen Nachrichten“ berichten, stieg die Zahl der bestätigten Infektionsfälle nur noch um 3,8 Prozent. Zudem habe sich der Zeitraum bis zur Verdopplung der Fälle, wie das Gesundheitsministerium mitteilt, im Laufe der Vorwoche von etwa vier auf zehn Tage verlängert.

Derzeit gibt es in Österreich 11.781 Corona-Infizierte, 9.088 Fälle sind aktiv, 245 Patienten befinden sich in kritischem Zustand. Verstorben sind bislang 186 Infizierte, 2.507 wurden geheilt. Auffällig: Die Zahl der Neuinfizierten, die am 26. März mit 1.321 ihren bisherigen Höhepunkt erreicht hatte, ist auf nur noch 395 am gestrigen Freitag (3.3.) gefallen. Auch die Zahl der täglichen Sterbefälle ist klar rückläufig. Das Verhältnis zwischen Genesungs- und Todesrate liegt mittlerweile bei 92,33 zu 7,67 Prozent.

Auf Familientreffen zu Ostern besser noch verzichten

Die Entwicklung gibt eindeutig Anlass zur Hoffnung, allerdings warnen Österreichs Regierungspolitiker vor vorschneller Euphorie. Um das Erreichte zu verstetigen, müsse die Disziplin in den Osterferien weiter gewahrt bleiben, mahnt Gesundheitsminister Rudolf Anschober – „sonst kann uns alles kippen“.

Auch Kanzler Kurz rief die Bevölkerung noch einmal dazu auf, stark zu bleiben. „Ich bin mir vollkommen bewusst, dass die Maßnahmen schwer zu ertragen sind“, machte der Kanzler deutlich. Sie seien jedoch „notwendig, damit wir die Freiheit wieder zurückerlangen können“.

Er appellierte an die Bürger, die Maßnahmen auch zu Ostern „konsequent“ einzuhalten – „damit wir das Leben auch mit den Menschen, die wir lieben, bald wieder führen können und nicht Menschen ihr Leben verlieren, die es nicht verlieren müssen“. Auf Familienzusammenkünfte möge man daher noch einmal verzichten.

Ärztevertreter für gezielte Isolation von Angehörigen gefährdeter Gruppen

Ein vollständiges Verbot wird es allerdings nicht geben. Laut einem am heutigen Samstag veröffentlichten Erlass bleiben Treffen in einem geschlossenen Raum untersagt, an denen mehr als fünf Personen teilnehmen, die nicht im selben Haushalt leben. An Begräbnissen dürfen höchstens zehn Personen teilnehmen, an Hochzeiten fünf. Bezüglich darüber hinausgehender privater Versammlungen sind die Landeshauptleute angewiesen, die Bezirksverwaltungsbehörden zu einem Verbot zu veranlassen.

Maskenpflicht und Frequenzreduktion beim Einkauf bleiben vorerst aufrecht. Auch Gaststätten bleiben noch geschlossen. Krankenkassen sollen bei Angehörigen von Risikogruppen gezielt Aufklärung dahingehend betreiben, soziale Kontakte zu vermeiden.

Auch Ärztevertreter halten es für sinnvoll, perspektivisch den produktiven Teilen der Bevölkerung wieder die Ausübung ihrer Arbeit zu ermöglichen. Unter anderem der Mikrobiologe Martin Haditsch erklärte in einem viel beachteten Video auf dem Portal „EU-Infothek“, dass es sinnvoller wäre, gezielt die gefährdeten Personengruppen zu isolieren, als weiterhin die gesamte Bevölkerung in einem verordneten Stillstand zu belassen.

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