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Treffen mit Trump

Orbán gewinnt in Washington an Rückhalt: Erlaubnis für russische Ölimporte und Lob für Migrationspolitik

Viktor Orbáns Besuch im Weißen Haus war ein deutlicher strategischer Erfolg für die Energiesicherheit Ungarns. Die USA genehmigten die Weiterführung russischer Energieimporte. Gleichzeitig stellte sich Donald Trump demonstrativ hinter Orbán und lobte dessen strikte Migrationspolitik.

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Trump und Orban sind in vielen Fragen einer Meinung.

Foto: Evan Vucci/AP/dpa

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Lesedauer: 6 Min.


In Kürze:

  • Viktor Orbán reiste mit einer großen Delegation nach Washington – und kehrte mit guten Nachrichten zurück.
  • Ungarn darf weiterhin russisches Öl und Gas importieren.
  • Orbán sprach von einem „goldenen Zeitalter“ der amerikanisch-ungarischen Beziehungen.
  • Gleichzeitig lobte Trump Orbán für seine strikte Linie in der Migrationspolitik.

 
Am Freitag, dem 7. November, empfing US-Präsident Donald Trump den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán im Weißen Haus zu einem Arbeitsmittagessen. Im Mittelpunkt der Gespräche standen Energie- und Handelsfragen sowie die aktuelle Lage in der Ukraine. Während des öffentlichen Teils des Treffens würdigte Trump mehrfach Orbáns Politik – insbesondere seine in Europa einzigartige Haltung in der Migrationsfrage.
Im Anschluss an das Treffen trat Viktor Orbán in der ungarischen Botschaft in Washington vor die Presse und informierte über die Ergebnisse. Der zentrale Erfolg: Ungarn erhielt eine Ausnahmeregelung von den US-Sanktionen – somit kann das Land auch weiterhin russisches Gas und Öl importieren.
Gemeinsam mit Orbán reisten zahlreiche Minister und Unternehmer in die US-Hauptstadt. Der ungarische Regierungschef sprach von einer historischen Chance und erklärte, dass damit das „goldene Zeitalter“ der ungarisch-amerikanischen Beziehungen angebrochen sei.

Warum darf Ungarn weiterhin russisches Gas und Öl beziehen?

Die USA hatten im Oktober Sanktionen gegen die russischen Ölkonzerne Rosneft und Lukoil verhängt. Washington begründete dies mit der Weigerung des russischen Präsidenten Wladimir Putin, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden. Orbán hatte die US-Regierung im Weißen Haus gebeten, weiterhin Öl und Gas aus Russland importieren zu können, weil es für Ungarn keine kurzfristigen Alternativen gäbe. 
Das Land bezieht den Großteil seines Öls durch die russische „Druschba“-Pipeline über die Ukraine. Zwar existiert eine zweite Leitung über Kroatien, doch Orbán argumentierte, diese sei derzeit nur als Ergänzung nutzbar. Ohne russischen Importe wären die Energiekosten für ungarische Familien ab Dezember zweieinhalb- bis dreimal so hoch wie früher.

Viktor Orbán mit US-Präsident Donald Trump im Kabinettssaal des Weißen Hauses am 7. November 2025 in Washington, DC.

Foto: Roberto Schmidt/Getty Images

Auf der Pressekonferenz erklärte der US-Präsident schließlich, dass Ungarn eine „umfassende und uneingeschränkte Ausnahme von den Sanktionen auf Öl und Gas“ erhalten habe. Trump zeigte Verständnis für die ungarische Abhängigkeit von Russland. Mangels Zugang zu Seehäfen sei es für Orbán „sehr schwierig, Öl und Gas aus anderen Regionen zu beziehen“, sagte der Präsident.
Trump hatte vor der Vereinbarung gegenüber der Presse andere nicht weiter benannte europäische Staaten dafür kritisiert, weiterhin in großem Umfang russische Energie zu kaufen – da diese sich nicht in einer derartigen Notlage befänden. 

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Ein US-Regierungsvertreter bestätigte später Trumps Entscheidung gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, meinte jedoch, dass die Ausnahme für Ungarn lediglich für ein Jahr gelte. Viele EU-Partner sehen gleichzeitig die ungarische Haltung als Schwächung der gemeinsamen Front gegen Moskau und werfen Budapest vor, sich kaum um Öl-Alternativen bemüht zu haben.

Die Entscheidung ist nicht beispiellos

Trump’s Kompromiss gegenüber Orbán ist kein Einzelfall. Die USA hatten Ende Oktober auch Deutschland eine Ausnahme von den Ölsanktionen gewährt. Die Strafmaßnahmen gelten nicht für die unter Treuhand stehenden deutschen Tochtergesellschaften des russischen Ölkonzerns Rosneft.
Deutschland besitzt unter anderem eine Mehrheit an der Raffinerie PCK in Schwedt, die Berlin und den Nordosten Deutschlands mit Kraftstoff und Heizöl versorgt. Ohne die Ausnahmeregel hätte PCK womöglich Insolvenz anmelden müssen.
Für Orbán könnten die nun erzielten Ergebnisse in seinem intensiven Wahlkampf für die Wahlen im nächsten Jahr von besonderem Nutzen sein. Darüber hinaus hat Ungarn nicht nur eine Befreiung erhalten, sondern auch mehrere Vereinbarungen über eine Zusammenarbeit mit den USA im Energiebereich geschlossen, um ihre Energieversorgung zu diversifizieren.

Trump-Putin Treffen in Budapest

Die beiden Staatsmänner wurden von der Presse auch zum geplanten Gipfeltreffen zwischen Trump und Putin in Budapest befragt. Der US-Präsident hatte Mitte Oktober ein Treffen in der ungarischen Hauptstadt angekündigt, verschob es jedoch kurz darauf auf unbestimmte Zeit, da er der Ansicht war, dass bisher keine konkreten Fortschritte erzielt worden seien.
Trump besteht jedoch weiterhin darauf, Budapest als Austragungsort für das mögliche Treffen beizubehalten. „Wenn das Treffen stattfindet, würde ich es gerne in Budapest abhalten“, sagte er auf Journalistenfragen, ohne einen besonderen Grund für die Wahl der Stadt zu nennen.
Orbán erklärte auf der Pressekonferenz, dass er mit Trump ausführlich über den Ukraine-Krieg gesprochen hätte und konkrete Ratschläge und Ideen ausgetauscht wurden, über die jedoch noch nicht öffentlich berichtet werden könne.

Trump teilt Orbáns Haltung zur Migration

Beim öffentlichen Arbeitsessen im Weißen Haus lobte Trump mehrfach Orbáns Migrationspolitik. Seit Beginn der Flüchtlingskrise hat Ungarn die Aufnahme von Migranten verweigert und sich zudem gegen EU-Solidaritätsmechanismen zur Verteilung von Migranten gestellt.
Trump betonte, dass Ungarn im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern seine nationale Identität bewahren konnte und eine niedrige Kriminalitätsrate aufweise. In den USA sei die Lage heute völlig anders, ähnlich wie in weiten Teilen Europas.
Er forderte, andere europäische Länder sollten „Ungarn mehr respektieren“ und stellte fest, dass Orbán „Recht bei der Einwanderung“ gehabt habe. Der ungarische Regierungschef unterstrich, dass die illegale Migration in seinem Land bei „null“ liege.
(Mit Material der Nachrichtenagenturen) 
Mária S. Szentmagyari ist eine ungarische Juristin mit deutschen Wurzeln und lebt im Grünen unweit von Budapest. Mit Leidenschaft und großem Interesse an geopolitischen Zusammenhängen berichtet sie für Epoch Times über die aktuellen Entwicklungen in Mittel- und Osteuropa, der Ukraine, Russland und dem Nahen Osten. Die Kommentare unter ihren Artikeln liest sie mit besonderer Neugier.

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