Foto: Paul, der Tintenfisch, der im Oberhausener Sea Life Center lebte (er starb im Oktober eines natürlichen Todes), wählte die Gewinner in den sieben Spielen, in denen Deutschland bei der WM mitspielte, und den Sieger des WM-Finales, Spanien, richtig aus.Foto: Patrik Stollarz /Getty Images

Paul, der Tintenfisch, und ein hoffnungsvolles neues Jahr

Von 18. Januar 2011 Aktualisiert: 18. Januar 2011 17:13

Das neue Jahr ist eine Zeit für den Rückblick und den Blick nach vorne. Die vielleicht merkwürdigste Nachricht im Jahr 2010 war unter anderem über unseren Wunsch, in die Zukunft zu sehen – die Geschichte von Paul, dem vorhersagenden Kraken.

Paul, ein brauner Tintenfisch, der im Oberhausener Sea Life Center lebte (er starb im Oktober eines natürlichen Todes), wählte die Gewinner in den sieben Spielen, in denen Deutschland bei der WM mitspielte, und den Sieger des WM-Finales, Spanien, richtig aus.

Genauer gesagt ging es darum, dass Paul vor jedem Spiel eine Muschel aus einer von zwei transparenten Boxen wählte und aß, von denen jede mit der Nationalflagge einer Fußballmannschaft gekennzeichnet war. Die mathematische Wahrscheinlichkeit, achtmal richtig zu wählen, liegt bei 1 zu 256.

Als die unwahrscheinlichen, aber richtigen Entscheidungen nacheinander eintrafen, stieg das Interesse an diesem Kopffüßer. Seine Fähigkeit, die richtige Wahl zu treffen, wurde sogar im Fernsehen übertragen und Fußballanhänger aus aller Welt wurden seine Fans.

Im vergangenen Sommer war Paul zwei Monate lang eine Sensation; er stellte sogar die Stars in den Schatten, die tatsächlich bei der WM mitspielten.

Man könnte darüber diskutieren, ob Paul mit der Wahl einer Mahlzeit auch den Gewinner in einem Fußballspiel auswählte. Aber Fußball-Fans und andere, die von dieser Geschichte fasziniert waren, glaubten, das Weichtier hätte die Macht in die Zukunft zu sehen.

Die Menschheit hat sich immer an den Beschränkungen durch die Rahmenbedingungen unserer Welt gestossen. Beim Blick in die Zukunft sehen wir verschwommen oder überhaupt nicht.

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Natürlich ist der Wunsch zu wissen, was als nächstes passieren wird, ziemlich verständlich. Diejenigen, die auf der Grundlage von Pauls Vorhersagen Wetten abschlossen, machten damit Geld.

Staatsmänner schauen häufig mithilfe von Wahrsagern in die Zukunft. Man muss schon verrückt sein, wenn man aufgrund einer solchen Weissagung an die Macht kommen möchte; der Wunsch beeinflusst das, was vorhergesagt wird.

Krösus von Lydien fragte bekanntermaßen das Orakel von Delphi, ob er das persische Reich angreifen sollte. Die Antwort „ein großes Reich werde zerstört werden“ wurde von ihm als Ermutigung für seinen Angriff verstanden. Er dachte nicht daran, dass mit dem „großen Reich“ auch sein eigenes gemeint sein könnte. Einst sagenhaft reich, beendete er sein Leben als Sklave des persischen Kaisers.

Die meisten von denen, die Pauls Tentakeln in die Klarsichtboxen hineingleiten sahen, hatten allerdings kein Geld bei diesem Spiel eingesetzt. Sie wollten nicht an Macht gewinnen und waren wahrscheinlich nicht einmal Fans der beteiligten Mannschaften.

Pauls richtige Entscheidungen nährten die Hoffnung, dass dem verwirrenden Fluss des Lebens ein Sinn zugrunde liegt und dass sich inmitten des scheinbaren Chaos eine Ordnung erkennen lässt.

Hoffnung ist ein großes Geschenk. Psychologen sagen, dass diejenigen, die an ein bestimmtes Ergebnis glauben, eine größere Chance haben, dieses Ziel auch zu erreichen; ihr Glaube hilft ihnen, die Zukunft so zu gestalten, wie sie es sich erhoffen.

In einem Jahr mit vielen Kriegen und Katastrophen ließ Paul uns lächeln und erinnerte uns daran, wie sinnvoll es ist, an etwas jenseits dieses Tals der Tränen zu glauben, auch wenn es kein Krake ist.

Artikel auf Englisch: Paul the Octopus and a Hopeful New Year

 

 



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