Schloss Wawel in Krakau.Foto: Sean Gallup/Getty Images

Polen: Die Legenden von Krakau

Von 24. November 2010 Aktualisiert: 24. November 2010 22:17

„Und wie war es?“ fragte ein Freund, kurz nachdem ich Anfang November von Krakau nach Warschau zurückgekehrt war.

„Es war …“, begann ich und zögerte mit der Antwort. Ich ließ das vergangene Wochenende revue passieren und versuchte ein Adjektiv zu finden, das das Erlebte zutreffend beschreibt. Krakau, das ist die Stadt im Süden Polens, die rund 140 Jahre länger als Warschau die Hauptstadt dieses Landes war.

„Ungewöhnlich“ fiel mir plötzlich ein, aber ich war vernünftig und verwarf diesen Gedanken wieder. Denn mir war klar, dass ich diesen Eindruck vor allem meinem exzentrischen kunsthistorischen Führer zu verdanken hatte, der mich bei der Besichtigung der herrlichen historischen Sehenswürdigkeiten begleitete.

Unser erster Besichtigungsort war ein riesiges Feld, auf dem lediglich ein großer Granitfelsen in der Nähe eines seitlich angrenzenden Bürgersteigs lag. Abgesehen davon war es „nicht nur ein Feld!“, wie mein Führer schnell klarstellte (und noch mindestens 15-mal den ganzen Tag lang wiederholte), als ich es wagte, das für mich Offensichtliche auszusprechen.

„Kuhweide?“ Ich versuchte die Stimmung aufzuhellen und grinste ihn verschmitzt an.

„Dieser Ort ist eine Legende“, erwiderte er trocken und erzählte weiter, Blonie wäre der richtige Name dieser 48 Hektar großen Grünanlage in der Stadtmitte.Hier hielt der verstorbene Papst Johannes Paul II. – ein Pole – eine Reihe von Messen unter freiem Himmel ab, die von einigen Millionen Menschen besucht wurden. Eine der berühmtesten fand 1983 während seiner Pilgerreise nach Polen statt und war für die Widerstandsbewegung gegen den Kommunismus von symbolischer Bedeutung. Zu dieser Zeit war die kommunistische Militärdiktatur, die das Volk unterdrückte, im zweiten Jahr an der Macht.

„Zauberhaft“, so dachte ich, könnte der passendere Ausdruck sein, um Krakau zu beschreiben, aber bevor mir dieses Wort aus dem Mund kam, hatte es sich bereits zu einem nachdenklichen „hmm“ abgeschwächt. Zauberhaft schien irgendwie nicht ganz zutreffend zu sein, insbesondere angesichts der vielen Volkslegenden, die mit unserem nächsten Ziel zusammenhingen, dem monumentalen und sehr eindrucksvollen Schloss Wawel, das auf einem Hügel liegt und einen herrlichen Blick auf die Weichsel erlaubt. In der Altsteinzeit vor 50.000 Jahren gab es hier zunächst eine belebte Handelssiedlung. Die später erbaute Burg erlebte dann ihre Höhen und Tiefen und wurde von den Österreichern sogar einmal als Kaserne verwendet.

Das erste Geheimnis hat mit einer alten Erzählung zu tun, der zufolge der Hindu-Gott Shiva sieben magische Steine – die Chakren – in sieben Teile der Welt warf, von denen ein magischer Stein in Krakau landete (die restlichen fielen nach Delhi, Mekka, Delphi, Jerusalem, Rom und Velehrad in der Tschechischen Republik). Während die Kuratoren des Wawel-Museums nicht darauf eingehen, sprechen die Kenner dieser Legende davon, dass mit Hilfe wissenschaftlicher Forschung festgestellt wurde, dass das energiespendende Chakra unter einer seiner Mauern liege und dort in aller Ruhe Energie abgebe.

In der anderen Legende geht es um einen feuerspeienden Drachen, der nur besänftigt werden konnte, wenn ihm willfährige Einheimische junge Frauen opferten, die er dann verschlang. Kein tapferer Ritter konnte etwas gegen diese Bedrohung ausrichten. Erst als der König dem Bezwinger die Hand seiner Tochter anbot (der Legende nach war sie die einzige in der Stadt verbliebene junge Frau, denn alle anderen hatte der übellaunige Drachen bereits verspeist), konnte ein junger Schuster seine Klugheit unter Beweis stellen. Er besiegte den Drachen, indem er ihn mit einem vergifteten Schafskadaver köderte und lebte seitdem glücklich mit der Tochter des Königs.

Heute steht eine Drachenfigur am Eingang einer Höhle, die ihm in historischer Zeit als Behausung gedient haben soll. Alle fünf Minuten speit der Drache Feuer, was zur großen Belustigung von Touristen aller Altersklassen beiträgt, was meinen sonst sehr ernsten Führer und mich einschließt.

„Und wie war die Reise?“

„Sie war … legendär!“

 

Artikel auf Englisch: Poland-The Legends of Krakow

 

 

 



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