Kurdischer Menschenrechtsanwalt Tahir Elci in Türkei erschossen

Epoch Times28. November 2015 Aktualisiert: 28. November 2015 15:39
Der prokurdische Anwalt Tahir Elci, Vorsitzende der Anwaltskammer der Millionenstadt Diyarbakir im Südosten der Türkei, ist heute auf offener Straße erschossen worden, als er eine Presseerklärung abgeben wollte.

Wie die "Zeit" meldet, war der Anwalt in einen Schusswechsel zwischen Anhängern der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK mit der Polizei geraten. Bei dem Gefecht starb außer dem prominenten Anwalt auch ein Polizist. Zwei Journalisten und ein Polizist wurden verletzt.

HDP-Partei spricht von "gezieltem Mordanschlag"

Wie die Nachrichtenagentur DHA berichtete, habe Tahir Elci, Chef der Anwaltskammer, mit einer Gruppe von Anwälten im Stadtbezirk Sur vor Journalisten gesprochen. Die "Welt" berichtete, dass Elci eine kulturhistorische Moschee besichtigt habe, die vor einigen Tagen beschossen worden war. Anschließend sprach der Anwalt vor Pressevertretern, als das Feuer eröffnet wurde. Polizisten in Zivil erwiderten die Schüsse. Elci wird von unbekannter Seite am Kopf getroffen und stirbt.

https://youtube.com/watch?v=jxi8OEfIgUs

Kurz darauf meldet Präsident Erdogan sein Bedauern über den Tod von Tahir Elci in einer Rede in Balikesir, West-Türkei. Er nutzte den Vorfall, um die Entschlossenheit der Türkei im Kampf gegen den Terror zu bestätigen. Über die Herkunft der Schüsse sagte Erdogan nichts, während die prokurdische Oppositionspartei HDP von einem "gezielten Mordanschlag" sprach. Ein Kollege von Elci, Baki Demirhan, sagte der türkischen Zeitung "Evrensel", dass Elci mit einem einzelnen Schuss getötet worden sei. Er mutmaßte, dass es sich um einen Scharfschützen gehandelt haben könnte. Der getötete Polizist soll Elcis Personenschützer gewesen sein, so lokale Quellen zur "Welt".

Offener Verdacht

Einen Tatverdacht spricht derzeit noch niemand offen aus. Man erwartet, dass die Regierung und die ihr nahestehenden Medien die PKK beschuldigen werden, wohingegen die kurdische Opposition Kräfte innerhalb des Sicherheitsapparates anklagen dürfte, vielleicht sogar in Zusammenhang mit dem IS, so die "Welt". Nach dem Terroranschlag von Ankara werden Stimmen laut, die dem Sicherheitsapparat Verbindungen zu IS-Leuten nachsagen. Es wird auf die Vergangenheit hingewiesen, als die türkische Hisbollah als todesschwadronen gegen PKK-Sympathisanten eingesetzt wurden.

Tahir Elci – Menschenrechtsanwalt, verstorben am 28.11.2015

Der aus der kurdischen Kleinstadt Cizre stammende Elci, arbeitete seit den 90er Jahren als Rechtsanwalt in der Millionenmetropole Diyarbakir im Südosten der Türkei. Er vertrat seine Mandanten in den Bereichen Menschenrecht und Internationales Recht, auch vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strasbourg. 

Im Oktober sagte er in einer Sendung des CNN Türk: "Auch wenn manche Aktionen der PKK Terrorcharakter haben, ist die PKK keine Terrororganisation, sondern eine bewaffnete politische Bewegung, deren politische Forderungen eine große Unterstützung in der Bevölkerung genießen." Diese Aussage brachte ihm ein Strafverfahren wegen Werbung für eine terroristische Vereinigung ein, der Staatsanwalt forderte bis zu siebeneinhalb Jahre. Die prokurdische HDP gibt deshalb der AKP die Verantwortung für die Schüsse, da sie eine "Lynchkampagne" gegen Elci betrieben und ihn medial zum Abschuss freigegeben hätten.

https://youtube.com/watch?v=pPljtNr-XM4

Einige seiner letzten Worte vor seinem Tod waren: In diesem Gebiet, das Heimat so vieler Zivilisationen war, wollen wir keine Schüsse, keine Gewalt und keine Operationen", so die "Welt". (sm)

https://youtube.com/watch?v=Z9ncOjabTH8

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