Quellen zu „Fire and Fury”-Buch zweifelhaft – Autor: „Habe kein einziges Kabinettsmitglied der Trump-Regierung interviewt”

Von 11. Januar 2018 Aktualisiert: 12. Januar 2018 8:37
Der umstrittene Autor Michael Wolff gibt zu, kein einziges Kabinettsmitglied aus der Trump-Regierung für sein Buch "Fire & Fury" interviewt zu haben. Wolff bezeichnet sich zwar als "Fliege an der Wand" im Weißen Haus, doch tatsächlich folgte der Autor in seinem Buch hauptsächlich den Aussagen von Steve Bannon.

Michael Wolff, der umstrittene Autor des Buches „Fire & Fury“, gibt vor, in seinem Buch aus dem Nähkästchen zu plaudern. Er stellt sich als allgegenwärtiger Beobachter dar, indem er sich als die „Fliege an der Wand“ im Weißen Haus bezeichnet.

Doch tatsächlich folgte Wolff in seinem Buch hauptsächlich den Aussagen von Steve Bannon, Donald Trumps ehemaligen Chefstrategen und Wahlkampfleiter.

Laut Wolff habe Bannon Präsident Trump mehrere Male als „Idiot“ und seine Tochter Ivanka Trump als „Dumm wie ein Ziegelstein“ bezeichnet.

Weiterhin wird Bannon zitiert, Trumps ältester Sohn Trump Jr. habe sich bei einem Treffen mit der russischen Anwältin Weselnitskaja während des Präsidentschaftswahlkampfs im Juni 2016 „verräterisch und unpatriotisch“ verhalten.

Später sagte  Bannon, seine Bemerkung habe sich nicht gegen Trump Jr. gerichtet, der sei ein „Patriot und ein guter Mann“. Er bedauerte, dass seine verspätete Antwort auf den inakkuraten Bericht bezüglich Donald Trump Junior die Aufmerksamkeit von den historischen Errungenschaften im ersten Jahr der Präsidentschaft abgelenkt habe.

Vieles, was dem Präsidenten in dem Buch vorgeworfen wird, wurde schon vorher in den Medien berichtet. Der Wahrheitsgehalt vieler dieser Behauptungen ist fraglich. US-Korrespondent von Spiegel Online, Marc Pitzke, kommentierte kürzlich: „Das Buch bestätigt ja sowieso nur das, was seine Gegner sich schon dachten und wird von den Anhängern Trumps, wie so vieles andere auch, als Fake News abgelehnt, als politisch motivierte Lüge“.

Wolff schreibt selbst:

Viele der Erzählungen (…) widersprechen sich. Viele sind, auf Trump’sche Art, einfach unwahr“.

Wolff interviewte niemanden aus Trumps-Kabinett

Zudem räumt der Autor und Journalist nun ein: er habe keine Kabinettsmitglieder der Trump-Regierung bei seinen Recherchen interviewt. Diese Aussage machte Wolff am Montag in einem Gespräch bei „CBS This Morning“.

CBS-Gastgeberin Norah O’Donnell fragte Wolff: „Haben Sie mit irgendeinem Mitglied des Kabinetts des Präsidenten während Ihrer Recherchen zu diesem Buch gesprochen?“

„Das habe ich nicht,“ antwortete der Autor des Anti-Trump-Buches.

„Haben Sie nicht?“, fragte O’Donnell erneut. „Das habe ich nicht“, bestätigte Wolff.

Dann fragte die Moderatorin den Buch-Autor, ob er jemals mit US-Vizepräsident Mike Pence gesprochen habe.

„Das habe ich nicht“, antwortete Wolff.

O’Donnell bemerkte auch, dass US-Präsident Donald Trump stets betonte, noch nie von Michael Wolff interviewt worden zu sein.

Darauf hin sagte Wolff: „Ich denke, Trump hatte keine Ahnung, dass er für die Recherche dieses Buches mit mir gesprochen hat. Wenn ich den Präsidenten im Weißen Haus traf, plauderten wir, als wären wir Freunde.“

Doch jemanden zu begegnen und „Hallo“ zu sagen, sei kein Interview, betonte O’Donnell. Dieses Vorgehen sei auch „keine journalistische Übung,“ so die CBS-Moderatorin.

Wolff hatte im Gespräch mit O’Donnells sichtlich Mühe einige Punkte plausibel darzulegen. Der Autor beharrte darauf, dass er sich während seiner Monate im Weißen Haus insgesamt drei Stunden lang mit Trump unterhalten habe. Obwohl, so Wolff: „Ich bin mir sicher, dass er [Trump] nicht dachte, dass es Interviews waren“.

In seinem Bestseller „Fire & Fury“ zitiert Wolff mehrere Mitglieder der Trump-Administration. Unter anderem den Nationalen Sicherheitsberater und den US-Finanzminister.

„Für Finanzminister Steve Mnuchin und den ehemaligen Stabschef Reince Priebus ist der Präsident ein Idiot,“ so Wolff. „Für den Nationalen Sicherheitsberater H.R. McMaster ist er ein Trottel und die Liste geht weiter,“ behauptet der Autor.

„Fire & Fury“-Autor Wolff ist umstritten

Michael Wolff selbst ist höchst umstritten. Kritiker werfen ihm vor, es mit der journalistischen Sorgfaltspflicht nicht immer genau zu nehmen. Szenen könnten schon mal erfunden sein, heißt es. Im Umgang mit Quellen sei der Journalist „rücksichtslos“, schreibt die Zeitung „Politico“. Das Wolff „schludert“ schreibt die „New York Times“.

Nach der Veröffentlichung des Buches gibt es zahlreiche Dementis von Insidern, die Wolff zitiert hat.

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