Regierungschef führt bei Präsidentenwahl in der Ukraine

Von 22. November 2004 Aktualisiert: 22. November 2004 8:46
Kiew, 22. Nov (Reuters) - Bei der Präsidentenwahl in der Ukraine liegt offiziellen Ergebnissen zufolge Regierungschef Viktor Janukowitsch vorn. Oppositionskandidat Viktor Juschtschenko warf den Behörden erneut Wahlfälschung vor und rief seine Anhänger für Montag zu friedlichen Protesten auf.

Nach Auszählung von knapp 70 Prozent der Stimmen führte der pro-russische Ministerpräsident Janukowitsch vor seinem liberalen Konkurrenten Juschtschenko mit rund 48,6 zu 47,8 Prozent, wie die Wahlkommission mitteilte. Damit verkleinerte sich der Abstand weiter auf weniger als ein Prozent, nachdem der Regierungschef ersten Ergebnissen zufolge mit mehr als fünf Prozent geführt hatte. Eine Prognose nach Schließung der Wahllokale hatte allerdings auf einen Sieg des Oppositionsführers hingedeutet, der das Land stärker ans westliche Europa anbinden will. Mit einem vorläufigen Endergebnis wird im Laufe des Morgens gerechnet.

"Ich habe gewonnen. Punkt", sagte Juschtschenko vor Anhängern. "Ich glaube an meinen Sieg und wir sagen, dass die Behörden heute eine totale Fälschung der Ergebnisse abgeliefert haben." Dabei verwies er vor allem auf den ländlichen Osten des Landes, der an Russland grenzt. Der Prognose zufolge hat Juschtschenko 54 Prozent und Janukowitsch 43 Prozent der Stimmen erhalten. Janukowitsch äußerte sich zunächst nicht öffentlich.

Juschtschenko forderte die Weltgemeinschaft auf, aufmerksam zu beobachten, was sich in der Ukraine tut, und kündigte an, sich mit direkten Appellen an die Europäische Union (EU) und die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zu wenden. Seine Anhänger rief er auf, am Vormittag im Zentrum Kiews friedlich zu protestieren.

Bereits am Sonntagabend hatten sich in der Hauptstadt rund 12.000 Menschen versammelt, um die Behörden zu drängen, den Sieg Juschtschenkos anzuerkennen. "Die Prognose zeigt einen klaren Sieg für unseren Kandidaten. Wir müssen diesen Sieg verteidigen", rief der Wahlkampfchef Juschtschenkos, Oleksander Sintschenko, den Demonstranten auf dem Platz der Unabhängigkeit in Kiew zu.

Bei der ersten Wahlrunde am 31. Oktober hatte keiner der Kandidaten die ausreichende Mehrheit erhalten. Die Opposition hatte bereits damals der Regierung Wahlbetrug vorgeworfen. Auch die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hatte erklärt, es seien grundlegende Standards für freie, faire und demokratische Wahlen missachtet worden.

Die Wahl dürfte auch über die politische Ausrichtung der Ukraine entscheiden, die im Westen an drei EU-Staaten und im Osten an Russland grenzt: Juschtschenko tritt für eine schrittweise Einbindung des Landes ins westliche Europa ein. Sein Gegenkandidat Janukowitsch will stattdessen die an Russland angelehnte Politik des scheidenden Präsidenten Leonid Kutschma fortsetzen.

Vorläufigen Ergebnissen zufolge gaben rund 79 Prozent der 37 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Damit war die Wahlbeteiligung höher als bei der ersten Runde vor drei Wochen.

chg/ast/kae

 

 

 


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