Rudolf BuchbinderFoto: www.rudolfbuchbinder.net

Rudolf Buchbinder beendet den Zyklus aller 32 Beethoven-Sonaten in Berlin

Von 10. Juni 2013 Aktualisiert: 10. Juni 2013 23:27

Ein besonderes Konzertereignis im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie für ein wunderbares Publikum von Kennern anspruchsvoller Musikliteratur fand am Montagabend statt. Rudolf Buchbinder ist seit sechs Jahrzehnten mit dem großen Kosmos Ludwig van Beethovens wie kaum ein Zweiter vertraut, der von sich berichtet hat, dass er die drei letzten Klaviersonaten op. 109, 110 und 111 in einem Zuge niedergeschrieben habe. In diesen Werken, die der Wiener Pianist Buchbinder ohne Pause als schöpferische Drei-Einheit vortrug, wurde das einzigartige Vermächtnis des Komponisten in einem teilweise recht unbalancierten Parforceritt dargeboten. Der siebte Abend des im Dezember 2012 begonnenen Sonatenzyklus stand unter einem wenig glücklichen Stern. Der Steinway-Flügel war nicht als gesanglich klingendes Instrument intoniert und wirkte oftmals percussionshaft und knallig.

Die Sonate op. 109 E-Dur hatte Beethoven der 19-jährigen Maximiliane Brentano mit folgenden Worten gewidmet: „Es ist der Geist, der edlere und bessere Menschen auf diesem Erdenrund zusammenhält und den keine Zeit zerstören kann…“ Buchbinder bemühte sich in allen drei Sätzen, die sehr wechselhaften Melodien leuchtkräftig und nuancenreich zu gestalten, die dann in einem geradezu romantischen Rausch mit fließenden Arpeggien und synkopierten Trillern in der rechten Hand in einem Diminuendo von tiefer Ruhe endeten. Daran anschließend die elegisch anmutende Sonate As-Dur op. 110. Buchbinder begann in majestätischer Feierlichkeit den 1. Satz „Moderato cantabile molto espressivo“. Faszinierend die harfenähnlichen Klänge gebrochener Akkorde und die konturenscharfen Basstriller, die rhythmisch ekstatisch zu einer atemberaubenden Höhe drängten, wonach dann die Schlusstakte durch eine Moll-Sexte mit einen schmerzlich anmutenden Akzent ausklangen. Im f-moll-Scherzo des 2. Satzes konnte man die schlagkräftige Rhythmik erleben, im Trio die arabesken Passagen der rechten Hand gegen die Staccato-Töne der linken. Wunderbar der leise gehaltene Ausklang im F-Dur-Dreiklang nach der Kadenz mit gewaltigen Forte-Akkorden.

Und dann der Höhepunkt transzendenter Klavierliteratur: die 32. Sonate op. 111 in c-moll, die lediglich aus zwei Sätzen besteht. Das einleitende, urgewaltige „Maestoso“ missglückte bedauerlicherweise, weil der von vielen Pianisten gefürchtete Septimensprung des Basses an diesem Juni-Abend in Berlin nicht gelang. Das anschließende „Allegro con brio ed appassionato“ meisterte Buchbinder hochvirtuos, und er ging dann nach dem Schluss-Pianissimo des 1. Satzes ohne Unterbrechung in die C-Dur-Arietta „Adagio molto semplice e cantabile“ über. Stellenweise herrliche Passagen, aber das Tempo war extrem forciert und man vermisste ein wenig die graduelle Entfaltung eines entmaterialisierten Klanggebildes, welches der Sonate Opus 111 die geistige Dimension verleiht. Rudolf Buchbinder ist ohne Zweifel einer der bedeutendsten Beethoven-Pianisten unserer Zeit. Immer wieder hat er uns in seinen Konzerten unvergessliche Sternstunden beschert. Der in Berlin von ihm dargebotene Beethoven-Sonatenzyklus hatte große Höhepunkte, leider waren die Interpretationen von Opus 109, 110 und 111 nicht die mit Spannung erwarteten Glanzlichter.

Das Publikum bedankte sich trotzdem mit gewaltigem Applaus, sicherlich hatten viele an mehreren Abenden auch die unglaubliche Meisterschaft von Buchbinders Interpretationskunst erlebt.



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