Der Kreml, russischer Regierungssitz, religiöses Zentrum, Militär-, Geheimdienst- und Spionagezentrum.Foto: iStock

Russischer Inlandsgeheimdienst nimmt ukrainischen Konsul fest

Epoch Times19. April 2021 Aktualisiert: 19. April 2021 16:43

Inmitten wachsender Spannungen zwischen Russland und der Ukraine hat der russische Inlandsgeheimdienst FSB einen ukrainischen Diplomaten unter Spionageverdacht festgenommen.

Der Konsul des ukrainischen Generalkonsulats in Sankt Petersburg, Alexander Sosonjuk, sei bei dem Versuch ertappt worden, „vertrauliche Informationen“ von einem russischen Staatsangehörigen zu erhalten, teilten die russischen Sicherheitsbehörden am Samstag mit.

Das russische Außenministerium bestellte den ukrainischen Geschäftsträger Vassili Pokotilo ein, um gegen die „illegalen Aktivitäten“ Sosonjuks zu protestieren. Diese seien nicht mit dem Diplomatenstatus vereinbar und schadeten den russischen Sicherheitsinteressen, teilte das Ministerium mit und erklärte Sosonjuk zur „unerwünschten Person“. Er solle innerhalb von 72 Stunden das Land verlassen.

Das ukrainische Außenministerium sprach von einer „weiteren Provokation“ der russischen Sicherheitsbehörden. Demnach wurde Sosonjuk mehrere Stunden nach seiner Festnahme am Freitag wieder freigelassen. Er befinde sich derzeit im ukrainischen Konsulat.

In den vergangenen Jahren hatte Russland wiederholt ukrainische Staatsbürger wegen des Verdachts auf Spionage festgenommen. Dass es einen Diplomaten trifft, ist jedoch selten.

Seit einigen Wochen spitzt sich die Lage zwischen Kiew und Moskau im Ukraine-Konflikt wieder zu. Kiew und seinen westlichen Verbündeten bereitet vor allem die Verlegung zehntausender russischer Soldaten an die ukrainische Grenze große Sorgen.

In dem seit 2014 andauernden Konflikt mit pro-russischen Separatisten in der Ost-Ukraine wurden mehr als 13.000 Menschen getötet. Im Juli vergangenen Jahres hatten sich die Konfliktparteien auf einen Waffenstillstand geeinigt. Seit Mitte Februar gibt es aber verstärkte Kampfhandlungen, die den ohnehin fragilen Waffenstillstand untergraben. Moskau und Kiew machen sich gegenseitig dafür verantwortlich.

Die Nato kritisierte am Freitagabend russische Pläne, die Schifffahrt im Schwarzen Meer teilweise einzuschränken. Dies sei ein „ungerechtfertigter Schritt und Teil eines größeren Musters von destabilisierendem Verhalten durch Russland“, erklärte eine Nato-Sprecherin und und verlangte von Russland eine freie Schiffsdurchfahrt zu den ukrainischen Häfen am Asowschen Meer.

Russlands „fortdauernde Militarisierung der Krim, des Schwarzen Meers und des Asowschen Meers“ seien „weitere Bedrohungen für die Unabhängigkeit der Ukraine und untergraben die Stabilität in der Region“, fügte die Sprecherin hinzu.

Die Erklärung der Nato erfolgte kurz nach der Ankündigung Russlands, ab dem 24. April bis Ende Oktober die Durchfahrt ausländischer Militärschiffe durch drei Wasserstraßen in der Nähe der Krim-Halbinsel einzuschränken. Dies gelte auch für andere Schiffe in staatlichem Besitz, zitierte die Nachrichtenagentur Ria Nowosti das russische Verteidigungsministerium. Russland hatte die Krim im März 2014 annektiert. Kürzlich hatte Moskau neue Marinemanöver in den Gewässern aufgenommen.

Ein hochrangiger EU-Mitarbeiter, der anonym bleiben wollte, nannte die Entwicklung „sehr besorgniserregend“. „Das ist ein weiterer Schritt der russischen Regierung, der in die falsche Richtung geht“, sagte er. Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, erklärte, Russland begründe die Pläne mit der Vorbereitung von Militärübungen. Allerdings sei Russland immer wieder „aggressiv“ gegen ukrainische Schiffe vorgegangen und behindere den internationalen Schiffsverkehr im Schwarzen Meer, vor allem an der Straße von Kertsch.

Die Pläne des russischen Verteidigungsministeriums beziehen sich auf die westliche Spitze der Krim, den Abschnitt von Sewastopol bis Hursuf und ein „Rechteck“ vor der Halbinsel Kertsch. Dieser Bereich ist besonders umstritten, weil die Meerenge von Kertsch das Schwarze Meer mit dem Asowschen Meer verbindet. Über diesen Schifffahrtsweg wickelt die Ukraine ihre Getreide- und Stahlexporte ab. (afp)


Unterstützen Sie unabhängigen und freien Journalismus

Danke, dass Sie Epoch Times lesen. Ein Abonnement würde Sie nicht nur mit verlässlichen Nachrichten und interessanten Beiträgen versorgen, sondern auch bei der Wiederbelebung des unabhängigen Journalismus helfen und dazu beitragen, unsere Freiheiten und Demokratie zu sichern.

Angesichts der aktuell schwierigen Zeit, in der große Tech-Firmen und weitere Player aus dem digitalen Werbemarkt die Monetarisierung unserer Inhalte und deren Verbreitung einschränken, setzt uns das als werbefinanziertes Nachrichten-Portal unter großen Druck. Ihre Unterstützung kann helfen, die wichtige Arbeit, die wir leisten, weiterzuführen. Unterstützen Sie jetzt Epoch Times indem Sie ein Abo abschließen – es dauert nur eine Minute und ist jederzeit kündbar. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Monatsabo ab 7,90 Euro Jahresabo ab 79,- Euro

Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion