Schweizer Think-Tank warnt: „Krieg zwischen China und USA im Pazifik nicht auszuschließen“

Von 17. Mai 2020 Aktualisiert: 18. Mai 2020 10:30
In einer Analyse für die NZZ warnen Forscher der ETH Zürich vor einem möglichen Krieg zwischen China und den USA im Pazifik. Das KP-Regime könnte versuchen, die Corona-bedingten Probleme des Westens auszunutzen, um vollendete Tatsachen bei Gebietsansprüchen zu schaffen.

Im Rahmen seiner Reihe „Strategic Trends“ hat sich der Think-Tank des Center for Security Studies an der ETH Zürich unter anderem mit der Frage beschäftigt, ob die zunehmenden Spannungen zwischen den USA und dem chinesischen KP-Regime die Gefahr eines militärischen Konflikts im asiatisch-pazifischen Raum erhöhen.

In einem Beitrag für die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) halten die Forscher Michael Haas und Niklas Masuhr einen Krieg zwischen China und den USA in absehbarer Zeit für durchaus denkbar.

Xi könnte für „Chinesischen Traum“ Krieg riskieren

Zwar sei eine solche Entwicklung auch im Machtkampf beider strategischer Rivalen im Pazifik nicht zwangsläufig, das Risiko militärischer Zwischenfälle und Krisen im Nordwestpazifik werde jedoch größer – insbesondere durch die militärische Aufrüstung der KP Chinas und ihrer Begehrlichkeit gegenüber den pazifischen Anrainerstaaten.

In China wachse das Militärbudget schneller als das Bruttoinlandsprodukt – eine Entwicklung, die infolge der Corona-Krise kaum eine Änderung erfahren werde – und Machthaber Xi Jinping sucht unter dem Banner des „Chinesischen Traums“ die Wiederangliederung von Gebieten, die das Regime als Teil Chinas betrachtet.

Neben Inseln im Südchinesischen Meer betrifft dies insbesondere Taiwan, das im Angesicht des Umstandes, dass der Westen mit der Corona-Bekämpfung ausgelastet sei, verstärkt zum Ziel chinesischer Provokationen werde.

Nicht nur die Aufrüstung und Modernisierung der chinesischen Armee müsse Sorgen bereiten, analysieren Haas und Masuhr. Auch das militärische Denken habe eine aggressivere Komponente entwickelt.

Bis 2050 möchte Peking mit USA militärisch auf Augenhöhe sein

Unabhängig von der Frage, ob Donald Trump die Wiederwahl gelingt oder nicht, werde das Regime in Peking versuchen, die Wirkung der Corona-Krise auf die USA für sich zu nutzen, zumal die wirtschaftlichen Folgen am US-Militäretat möglicherweise nicht spurlos vorübergehen werden.

Vor diesem Hintergrund sei Peking auf der einen Seite versucht, in Sachen Taiwan eine Entscheidung zu suchen, sobald die KP zu dem Eindruck gelangen sollte, einen militärischen Konflikt schnell und mit akzeptablen Kosten für sich entscheiden zu können. Zum anderen wolle die KPCh den Preis einer amerikanischen Intervention zugunsten Verbündeter in die Höhe treiben.

Die derzeitige Modernisierungsstrategie der Streitkräfte sei bis 2035 anberaumt, bis 2050 wolle das Regime über alle Teilstreitkräfte und Operationssphären hinweg „Weltklasse“ erreicht haben und auch militärisch mit den USA auf Augenhöhe sein.

Vielen westlichen Politikern sind Wirtschaftsbeziehungen zu China wichtiger als Taiwans Souveränität

Darauf, dass der beiderseitige Besitz von Nuklearwaffen ähnlich wie im Kalten Krieg eine Eskalation verhindern würde, solle man sich in diesem Konflikt nicht verlassen, meinen die Schweizer Forscher.

Auch das liege an der chinesischen Militärdoktrin, die mit fast schon an Vermessenheit grenzender Sicherheit davon ausgingen, dass ein begrenzter, regionaler Konflikt jedenfalls unterhalb der Nuklearschwelle bleiben würde – zumal in den USA selbst eine Debatte über eine Marginalisierung des nuklearen Faktors festzustellen sei.

Wo ein solches Eskalationspotenzial allerdings nicht mitbedacht würde, steige die Gefahr, „dass die beiden Mächte dereinst in einen Krieg stolpern, ohne den nuklearen Faktor im Detail bedacht zu haben“.

Dass insbesondere europäische Politiker die Möglichkeit und die zu erwartenden Konsequenzen einer militärischen Eskalation zwischen Großmächten bis jetzt meistens wenig ernst genommen oder sie wirtschaftlichen Interessen nachgelagert hätten, sei bedenklich. Dies umso mehr, als „die Souveränität des demokratischen Taiwan […] vielen von ihnen längst weniger am Herzen liegen dürfte als die Wirtschaftsbeziehungen mit der Volksrepublik“.


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