Sexismusvorwurf: Berliner Asta will Liebesgedicht entfernen lassen

Der Asta der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin will ein Gedicht in spanischer Sprache von der Fassade entfernen lassen und spricht von einer „Degradierung von Frauen“.

Auf der Website der Hochschule heißt es, „Voraussichtlich Februar/März 2018 wird das Gedicht entfernt und die Wand neugestaltet. Bis zum 15. Oktober 2017 können Vorschläge für die (Neu-)Gestaltung eingereicht werden. Danach erfolgt eine Online-Abstimmung.“

Liebesgedicht als Stein des Anstoßes und Objekt von Zensur?

Das spanische Gedicht „avenidas“ des Poeten Eugen Gomringer. Der Begründer der „Konkreten Poesie“ wurde 2011 mit dem Poetik-Preis eben jener Alice-Salomon-Hochschule ausgezeichnet, die es nun entfernen will. Auf der Südfassade der Hochschule in Berlin (ASH) steht es, einzelne Studenten empfinden es als frauenfeindlich.

In einem Offenen Brief hatte der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) kritisiert, das Kunstwerk sei „wie eine Erinnerung daran, dass objektivierende und potentiell übergriffige und sexualisierende Blicke überall sein können“ und hat die Entfernung des Gedichtes von der Häuserfassade gefordert.

„Alleen, Blumen und Frauen“ – bewunderungswürdige Objekte?

Das Gedicht heißt übersetzt etwa: „Alleen. Alleen und Blumen. Blumen. Blumen und Frauen. Alleen. Alleen und Frauen. Alleen und Blumen und Frauen. Und ein Bewunderer.“

Im Brief der Asta ist die Rede von einer „Degradierung zu bewunderungswürdigen Objekten im öffentlichen Raum, die uns Angst macht“.

Weiter heißt es,

Zwar beschreibt Gomringer in seinem Gedicht keineswegs Übergriffe oder sexualisierte Kommentare, und doch erinnert es unangenehm daran, dass wir uns als Frauen* nicht in die Öffentlichkeit begeben können, ohne für unser körperliches ,Frau*-Sein‘ bewundert zu werden. Eine Bewunderung, die häufig unangenehm ist, die zu Angst vor Übergriffen und das konkrete Erleben solcher führt.“

Eine Frage der Mitbestimmung

Der Hochschulrektor und Professor für Betriebswirtschaftslehre, Uwe Bettig sagte der FAZ: „Das Gedicht hat Gomringer als Preisträger des Alice-Salomon-Poetik-Preises 2011 als Dank unserer Hochschule zur Verwendung überlassen. Die damalige Rektorin hat entschieden, dies auf der Südfassade der ASH Berlin zur Geltung zu bringen. Einer der jetzigen Kritikpunkte ist daher, dass darüber im Vorfeld keine hochschulöffentliche Diskussion – der Nutzerinnen und Nutzer des Gebäudes – stattgefunden hat. … Es geht vielmehr darum, dass die Angehörigen einer Hochschule Mitspracherecht bei deren Gestaltung haben wollen.“

Der in Oberfranken lebende 92-jährige Dichter ist über die Entscheidung in Kenntnis gesetzt worden. (aw)

Quelle: https://www.epochtimes.de/politik/ausland/sexismusvorwurf-berliner-asta-will-liebesgedicht-entfernen-lassen-a2203814.html