SPD und Grüne wollen Migranten auf Kreuzfahrtschiffen unterbringen – „Phoenix Reisen“ würde Schiff verschenken

Epoch Times17. September 2020 Aktualisiert: 17. September 2020 19:06
Die Solidarität mit den Flüchtlingen und Migranten auf Lesbos ist groß. Politiker von SPD und Grünen wollen die Obdachlosen auf Kreuzfahrtschiffen unterbringen. Reiseanbieter wollen dabei helfen.

Politiker von SPD und Grünen fordern die Unterbringung von Flüchtlingen und Migranten aus Moria – dem abgebrannten Lager auf Lesbos – auf Kreuzfahrtschiffen. „Der Brand hat das wenige Hab und Gut, das den Geflüchteten geblieben ist, zerstört und sie benötigen dringend ein Dach über dem Kopf. Schiffe mit Hygienekonzept können ihnen kurzfristig Schutz bieten“, sagte die Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Katarina Barley.

Der SPD-Politikerin zufolge lägen bereits konkrete Angebote von Reedereien vor, auf die die Europäische Kommission „zügig“ eingehen sollte. Die Schiffe seien eine Möglichkeit, „sowohl den Geflüchteten als auch den Inselbewohnern kurzfristig Entlastung zu verschaffen“, betonte Barley. Was sich derzeit auf Lesbos abspiele, sei ein humanitäres Drama.

Der EU-Abgeordnete Erik Markquardt (Grüne) unterstützt den Vorschlag. Viele Schiffe hätten bereits Hygienekonzepte erarbeitet. Angesichts des eingebrochenen Markts für Kreuzfahrtreisen seien die Reedereien „dankbar für alternative Einnahmequellen“, sagte er. Auf Kreuzfahrtschiffen sei ausreichend Platz und Sicherheit geboten.

„Phoenix Reisen“ würde Schiff verschenken

Dem Bericht zufolge hätten sich bereits Reedereien bereit erklärt, zu helfen. Johannes Zurnieden, Geschäftsführer von „Phoenix Reisen“, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Wir stehen bereit, ein Schiff nach Lesbos zu schicken, um den Flüchtlingen und auch der Inselbevölkerung vor Ort zu helfen.“ Dabei ginge es nicht ums Geld, der Bonner Kreuzfahrtanbieter würde sogar ein Schiff verschenken.

Johannes Zurnieden sorgt sich um die Tausenden Menschen, die sich auf Lesbos in einer Notsituation befinden. „Wir haben Schiffe, die nutzlos hier in Deutschland liegen, während die Menschen auf Lesbos ohne Toiletten sind und nicht wissen, wo sie schlafen sollen. Ein Schiff ist gewiss besser als der Straßenrand“, betonte er.

Auch „Tui“ will helfen. „Grundsätzlich sind wir offen für Gespräche und den Einsatz von Schiffen“, teilte ein Sprecher des Reiseanbieter mit. Allerdings seien humanitäre Unterbringungsmaßnahmen staatliche Aufgabe, „Tui“ besitze hierbei „keinerlei Kompetenz“.

Verlegung von Flüchtlingen und Migranten in neues Lager auf Lesbos

Unterdessen hat die griechische Polizei am Donnerstag Hunderte obdachlose Flüchtlinge und Migranten zu dem neuen Übergangslager auf der Insel Lesbos gebracht. Am Vormittag standen bereits einige Hundert Menschen Schlange vor dem neuen Camp, wie eine „AFP“-Reporterin berichtete. Bislang seien rund 1.000 Personen in das neue Lager verlegt worden, sagte Zivilschutzminister Michalis Chrysochoidis.

Polizisten waren ab Donnerstagmorgen auf den Straßen von Lesbos von Schlafplatz zu Schlafplatz gegangen, um die dort campierenden obdachlosen Menschen zu wecken und sie in das nach dem Brand in Moria eilig errichtete Camp zu bringen. Dort sollen alle auch einen Corona-Test machen. Insgesamt befänden sich nach Angaben des Migrationsministeriums bereits 2.800 Migranten in dem neuen Camp – inklusive jener, die in den vergangenen Tagen freiwillig dorthin umgezogen waren. Viele Flüchtlinge weigern sich jedoch, in das Camp zu gehen, weil sie fürchten, dort erneut monatelang festzusitzen.

Seit den Bränden im Lager Moria in der vergangenen Woche schlafen Tausende auf Lesbos am Straßenrand und auf Supermarktplätzen unter notdürftig errichteten Schutzdächern aus Zweigen oder in Campingzelten.

Die griechischen Behörden und die UNO bauen seit Samstag ein neues Lager, in dem nach ihren Angaben die Asylverfahren für die Migranten wieder aufgenommen werden sollen. Auf dem Gelände wurden 1000 Zelte errichtet, die jeweils Platz für acht bis zehn Personen bieten. Medizinische Versorgungsstationen sollen noch hinzukommen, zudem sind zwei Quarantänezonen geplant.

Viele Einwohner von Lesbos wehren sich auch gegen das neue Lager und fordern, dass die Flüchtlinge nach den jahrelangen, katastrophalen Zuständen im Lager Moria nun andernorts untergebracht werden müssten. Zivilschutzminister Chrysochoidis rechnet nach eigenen Angaben damit, dass die Migranten und Flüchtlinge bis spätestens Ostern die Insel verlassen können. (afp/so)

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