Taliban-Kämpfer fahren am 13. August 2021 mit einem Fahrzeug der afghanischen Nationalarmee (ANA) durch eine Straße in Kandahar.Foto: -/AFP über Getty Images

Taliban nehmen weitere Provinzhauptstadt ein – London macht Washington Vorwürfe

Epoch Times13. August 2021 Aktualisiert: 13. August 2021 21:13

Die radikalislamischen Taliban sind in Afghanistan weiter auf die Hauptstadt Kabul vorgerückt. Am Freitag eroberten sie die Provinzhauptstadt Pul-i-Alam, die nur 50 Kilometer südlich von Kabul liegt, wie ein Regionalparlamentarier der Nachrichtenagentur AFP sagte. Pul-i-Alam ist die Hauptstadt der Provinz Logar. Durch die Eroberung dieser Stadt öffneten sich die Islamisten einen Zugang für den weiteren Vormarsch in Richtung Kabul.

Die Taliban hätten die Kontrolle über Pul-i-Alam „zu 100 Prozent“ übernommen, sagte der Abgeordnete Said Karibullah Sadat. Die Islamisten hätten alle Regierungseinrichtungen in der Stadt eingenommen. Es gebe derzeit in Pul-i-Alam keine Kämpfe mehr.

Zuvor war aus unterschiedlichen Quellen bereits die Eroberung von drei anderen Provinzhauptstädten durch die Taliban bekannt gegeben worden. Darunter ist nach eigenen Angaben der Islamisten Kandahar im Süden, die zweitgrößte Stadt des Landes. Die Taliban setzen damit ihren nahezu ungebremsten Vormarsch fort, den sie nach Beginn des Militärabzugs der USA und der Nato-Verbündeten Ende April begonnen hatten.

In den vergangenen acht Tagen nahmen die Taliban insgesamt rund die Hälfte der Provinzhauptstädte ein. Die afghanische Regierung hingegen kontrolliert neben Kabul nur noch zwei Großstädte: Dschalalabad im Osten sowie Masar-i-Scharif im Norden.

London nennt US-Rückzug aus Afghanistan einen „Fehler“

Unterdessen erklärte die britische Regierung, dass sie den Rückzug der US-Truppen aus Afghanistan als einen „Fehler“ betrachte. Das Abkommen von Doha sei ein „Fehler“ gewesen, sagte Verteidigungsminister Ben Wallace am Freitag dem Sender Sky News. Die internationale Gemeinschaft werde dafür „wahrscheinlich die Konsequenzen“ zu tragen haben.

Die Entscheidung zum Abzug der US-Truppen habe „ein großes Problem“ hervorgerufen. Das Terrornetzwerk Al-Kaida werde „wahrscheinlich“ zurückkommen und „für uns und unsere Interessen eine Bedrohung darstellen“. Gescheiterte Staaten seien „Brutstätten“ für „diese Art von Menschen“, sagte Wallace.

Im Abkommen von Doha hatten die USA unter dem damaligen Präsidenten Donald Trump die Bedingungen für ihren Abzug aus Afghanistan mit den radikalislamischen Taliban ausgehandelt. Großbritannien habe danach keine andere Wahl mehr gehabt, als seine Truppen ebenfalls abzuziehen, sagte Wallace.

Vor den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington war Afghanistan einer der Rückzugsorte der Extremisten des Al-Kaida-Netzwerks, das die Anschläge verübte. Danach marschierten die USA mit Verbündeten in Afghanistan ein und stürzten die damals dort herrschenden Taliban.

Mit dem Beginn des Abzugs der internationalen Truppen Ende April begann der Vormarsch der Taliban in Afghanistan, die inzwischen weite Teile des Landes unter ihre Kontrolle gebracht haben.

Maas: Berlin reduziert Botschaftspersonal in Kabul auf „absolutes Minimum“

Daher wird Deutschland den Großteil seines diplomatischen Personals aus dem Land abziehen, kündigte der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD) am Freitag an. „Wir werden die Belegschaft der deutschen Botschaft in Kabul in den nächsten Tagen auf das operativ notwendige absolute Minimum reduzieren“, sagte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) am Freitag bei einem Besuch im baden-württembergischen Denzlingen. Zudem werde „sofort“ ein Krisenunterstützungsteam in die afghanische Hauptstadt geschickt, um die „Sicherheitsvorkehrungen“ zu erhöhen. (afp)



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