Tugan Sokhiev, seit 2012 Chefdirigent des DSO Berlin.Foto: Patrice Nin

Tugan Sokhiev und das Deutsche Symphonie Orchester Berlin bezaubern in der Philharmonie

Von 24. Juni 2013 Aktualisiert: 24. Juni 2013 12:21

Es war ein Fest der romantischen Musik, das Tugan Sokhiev und das Deutsche Symphonie Orchester Berlin (DSO) am Samstag in der Philharmonie Berlin bei ihrem Saisonabschlusskonzert präsentierten und eine eindeutige Erfolgsbilanz ihrer ersten gemeinsamen Saison. Obwohl Simon Rattle zeitgleich in der Waldbühne auftrat, war die Philharmonie gut gefüllt – ein schöner Beweis, dass der neue Chefdirigent für sein DSO überzeugte Zuhörer hinzugewinnen konnte.

Geheime biographische Verbindungen hatten die Stücke, die auf dem Programm standen: Felix Mendelssohn Bartholdys „Hebriden”-Ouvertüre op. 26, Erich Wolfgang Korngolds Konzert für Violine und Orchester in D-Dur op. 35 und Franz Schuberts 8. Symphonie, die „Große C-Dur Symphonie”. Doch mehr als das – es waren allesamt Werke von hoher erzählerischer Qualität, Musik, die in ihrer Lebhaftigkeit literarisch wirkte, ohne erklärte Programm-Musik zu sein.

Tugan Sokhiev ist einer jener Künstler, die den Zuhörer nichts von der analytischen Arbeit merken lassen, ohne die eine solche Aufführung undenkbar ist. Bei ihm geschieht alles ohne Forciertheiten. Welche Art eines musikalischen Kosmos sich auch unter seinen beinahe streichelnden Händen in größter Selbstverständlichkeit entwickelt – jede Ausdrucksnuance scheint im Hier und Jetzt zu entstehen.

Das Deutsche Symphonie Orchester Berlin musizierte mit einer Disziplin und Beherrschtheit, die höchste Schönheit im Außen und große Ehrlichkeit im Inneren hervorbrachte.

Herzstück dieses Klanges waren die Streicher, die schon zu Beginn der „Hebriden”-Ouvertüre ein Versprechen abgaben, das sie den ganzen Abend lang halten sollten. Neblige Kühle, grauer Himmel und Meer, die ineinander überzugehen scheinen, dieses Bild gelang so facettiert und filigran, weil Sokhiev seine Musiker minutenlang nicht über ein Mezzopiano hinausgehen ließ, ihnen feinste Abstufungen im Pianissimo abgewann. Und doch fühlte man die Schwere der Wogen, aus der sich im Folgenden eine dynamische Architektonik epischen Formats erheben sollte.

Wunderbar gesanglich fügten sich die Holzbläser-Soli ein, Sokhiev ließ sogar den Schlusston der Querflöte, mit dem das Stück entschwebt, auf solistische Weise gestalten.

Korngolds Violinkonzert – Eine Flucht nach und aus Hollywood

Zwischen Filmmusikthemen und Dissonanzen bewegt sich Erich Wolfgang Korngolds Violinkonzert von 1945, das mit Mendelssohns Klassiker formal verwandt ist. Korngold fand eine ganz eigene Ästhetik, indem er die Solovioline überwiegend in den betörend süßen Gefilden der E-Saite und in höchsten Tönen schwelgen lässt, dazu jedoch eine farbige Instrumentierung mit Brüchen und dramatischen Überraschungen schrieb. Die Nähe zur Filmmusik ist unverkennbar, Celesta und Glockenspiel sorgen für Hollywood-Glamour. Und doch erlebte man darin scharfe Konflikte und Reminiszenzen an den Verlust der eigenen Heimat, die der österreichische Jude Korngold im Jahr 1938 erlebte.

Zumindest machte Vadim Gluzman sie hörbar. Der erste Satz „Moderato nobile“ hält einige Prestissimo-Passagen für den Geiger bereit, in denen Gluzman wie vor einem Unheil davonjagte. Der 2. Satz schildert ein Geborgenheitsgefühl in schwebenden Kantilenen, befreite Heiterkeit und jubelnde Blechbläserfanfaren folgen im 3. Satz. Für Korngold markierte das Konzert auch seine Flucht aus Hollywood – es führte ihn zurück in die klassischen künstlerischen Gefilde, denen er entstammte. Gluzman spielte das Ausnahme-Konzert dank seiner stupenden Technik ungemein intensiv. Er erntete riesigen Beifall und bedankte sich mit der „Gavotte en rondeau“ aus Bachs Partita Nr. 3 für Violine solo, der er Strahlkraft und zarte Noblesse gab.

Krönender Abschluss der Konzertes war Schuberts „Große C-Dur Symphonie”. Sie beginnt mit einem verhaltenen Hornsolo, entfaltet in vier sehr unterschiedlichen Sätzen jedoch eine majestätische Welt, in der Lebendigkeit trotz formaler Strenge blüht. Wie Tugan Sokhiev und das Deutsche Symphonie Orchester Berlin sie gestalteten, war so gekonnt, so dramaturgisch wohlgeplant, dass ein überwältigender Gesamteindruck entstand, der die Höhepunkte als gewaltige romantische Eruptionen zelebrierte. Doch waren sie nie Selbstzweck, sondern stets Hymnus – bis zum Finale des motorisch pulsierenden vierten Satzes. Überschwänglicher Applaus eines glücklichen Publikums für Tugan Sokhiev und das Deutsche Symphonie Orchester in der Philharmonie Berlin.

 



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