Turmbau zu Dubai: Auf Sand gebaut?

Von 4. Januar 2010 Aktualisiert: 4. Januar 2010 21:57

„Abu Dhabi rettet Dubai aus der Krise“ – so lauteten die Schlagzeilen am 14. Dezember. Der arabische Nachbarstaat hatte bekannt gegeben, eine Zahlung von zehn Milliarden US-Dollar an das überschuldete Emirat Dubai zu leisten. Die Aktienmärkte rund um den Globus freuten sich, und mit der Einweihung des höchsten Turms der Welt, dem 828 Meter hohen Burj Chalifa, scheint das Emirat zu seinem gigantomanischen „Business-as-usual“ zurückgekehrt. Doch es mehren sich die mahnenden Stimmen, dass Dubai und sein Riesenturm nur auf Sand, oder vielmehr auf einem Schuldenberg gebaut wurden.

Doch zurück zu den Ereignissen im vergangenen Jahr. Am 25. November hatte die Regierung in Dubai angekündigt, dass sie versuchen würde, Rückzahlungen von Schulden von Dubai World verschieben zu wollen. Die Außenstände betrugen 26 Milliarden US-Dollar. Die Ankündigung sandte Schockwellen durch die Weltwirtschaft und löste intensive Spekulationen aus, ob das Emirat in der Lage wäre, seine Schulden zurückzuzahlen. Von den zehn Milliarden Dollar von Abu Dhabi wird Dubai 4,1 Milliarden US-Dollar zur Abzahlung der Schulden des staatlichen Konglomerats Dubai World nutzen. Eine Tochtergesellschaft der weit verzweigten Investmentgesellschaft, Nakheel, hatte das Geld angefordert, um eine islamische Anleihe, genannt Sukuk, zu bedienen. Diese hatte ihr Fälligkeitsdatum am Montag, den 21. Dezember.

Auf Beschwichtigungskurs

In einer Erklärung am Montag, den 21. Dezember, sagte Scheich Ahmed bin Saaed al-Maktoum, Vorsitzender des Obersten Dubai-Finanzausschusses, dass die zehn Milliarden US-Dollar aus dem Rettungsplan benutzt würden, um Dubai Worlds Schulden zu begleichen.

„Wir sind heute hier, um Investoren, Finanz- und Handelsgläubiger, Mitarbeiter und unsere Bürger zu beruhigen, dass unsere Regierung zu jeder Zeit im Einklang mit marktwirtschaftlichen Prinzipien und international anerkannten Business-Praktiken vorgehen wird“, so der Scheich. Er kündigte außerdem die Einführung eines seit langem überfälligen Konkursgesetzes an. „Dieses Gesetz wird zur Verfügung stehen, sollte es Dubai World und seinen Tochtergesellschaften nicht möglich sein, eine akzeptable Umstrukturierung der verbleibenden Verbindlichkeiten einzurichten.“

Als Folge der Ankündigung schloss Dubais wichtigster Aktienindex am 21. Dezember um zehn Prozent höher, während Abu Dhabi um mehr als sieben Prozent stieg. Aber Dubais Hauptindex hatte bereits ein Fünftel seines Wertes verloren, seit die Ankündigung erfolgt war.

Banken, die an Dubai Worlds Schulden beteiligt waren, sahen ihre Aktien ebenfalls steigen. Anteile an der HSBC, Standard Chartered, Banco Santander, Barclays und Lloyds stiegen allesamt.

Dubai World wird voraussichtlich einen Teil seiner umfangreichen Vermögenswerte verkaufen, um die Schulden zurückzahlen zu können. Der Mischkonzern hat Aktien bei Hafen-Betreibern auf der ganzen Welt.

Allerdings, so eine Quelle aus Regierungskreisen in Dubai zu Journalisten in einer Telefonkonferenz, wären keine Bedingungen an die Abu-Dhabi-Rettungsaktion geknüpft.

„Es gibt keine Bedingungen“, wurde die Quelle von Reuters zitiert. „Dies ist ein Government-to-Government-Fonds, die Bedingungen dieses Fonds sind intern geregelt zwischen den Regierungen von Abu Dhabi und Dubai.“

Jim Krane, Autor von „City of Gold: Dubai und der Traum vom Kapitalismus“, sagte, es sei „höchst unwahrscheinlich“, dass die Rettungsaktion ohne weitere Bedingungen zustande kam.

„Es waren wohl etwa vier Personen im Raum während der Gespräche und die genannten Bedingungen sind wahrscheinlich nur ihnen allein bekannt“, so Krane. „Dubai hat seit jeher eine unabhängige Außenpolitik und hat Geschäftsbeziehungen zum Iran und Israel. Es könnte sein, dass eine Konzession dieser Rettungsaktion ist, dass Dubai weit weniger Autonomie in seiner Außenpolitik behält, und es zu einer engeren Verbindung mit den Vereinigten Emiraten kommt.“

Die siebenköpfigen Vereinigten Arabischen Emirate haben ihre Bundesregierung im Emirat Abu Dhabi – das neun Prozent der weltweiten Erdöl-Versorgung besitzt. Dubai, im Vergleich dazu, hat seine Wirtschaft auf Re-Exporte und Service-Bereiche aufgebaut

Historisch gesehen gehören die herrschenden Familien der beiden Emirate zum selben Bani-Yas-Stamm und es besteht eine feudale Loyalität.

Dubai hat in den letzten Jahren mehrere andere Zuwendungen aus Abu Dhabi erhalten. Aber die Anhäufung negativer Publizität in den letzten zwei Wochen kann die bis zum Zerreißen gespannten Beziehungen zwischen den beiden Emiraten an den Rand gebracht haben, sagte Krane. „Abu Dhabi macht gerne den ruhigen Eindruck von Stabilität, so dass diese Situation unerträglich peinlich gewesen sein muss für die Regierenden dort.“

100 Milliarden Schuldenfass

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Es bleibt jedoch eine Menge an Fragen offen, während Dubai versucht, seine Reputation wiederherzustellen. Die volle Höhe der Schuldenlast ist ungewiss, doch sie dürfte in jedem Fall das Bruttoinlandsprodukt Dubais übersteigen. Einige von der Nachrichtenagentur Bloomberg zitierte Analysten schätzen die Gesamtschuldenlast auf 100 Milliarden Dollar oder sogar mehr. „Es wird nicht aufhören und vorbei sein“, sagte John Sfakianakis, Chefvolkswirt der Banque Saudi Fransi in Riyadh, Saudi Arabia, zu Bloomberg.

Mehrere Abu-Dhabi-Unternehmen sahen ihre Ratings von Moody’s in den letzten Wochen abgewertet, weil man befürchtete, dass ihre Vermögenswerte nicht staatlich abgesichert sind. Noch vor zwei Monaten sagte Scheich Mohammed Bin Rashid al-Maktoum, Herrscher von Dubai, zu den Spekulationen über die Beziehungen zwischen den beiden Emiraten Dubai und Abu Dhabi, man solle „den Mund halten“.

 

Originalartikel auf Englisch: Crisis Over as Dubai Receives $10 Billion Abu Dhabi Bailout

AP Photo/Kamran Jebreili
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