Vatikan setzt Kniefall-Politik gegenüber China fort – Keine Papst-Audienz für Hongkongs Ex-Kardinal

Von 1. Oktober 2020 Aktualisiert: 1. Oktober 2020 18:17
Trotz systematischer Unterdrückung der religiösen Rechte der Staatsbürger durch das KP-Regime in China mehren sich die Stimmen im Vatikan, die eine Verlängerung des Abkommens von 2018 befürworten. Dies könnte sich besonders nachteilig auf Christen in Hongkong auswirken.

Das 2018 vorerst für die Dauer von zwei Jahren in Peking geschlossene Abkommen zwischen dem Vatikan und dem chinesischen KP-Regime läuft zwar erst am 22. Oktober aus. Es zeichnet sich jedoch ab, dass Rom zu einer Verlängerung entschlossen ist – ungeachtet jüngster Mahnungen von US-Außenminister Mike Pompeo, der Vatikan möge endlich klare Worte über die systematische Verletzung der Religionsfreiheit finden. Hongkongs früherer Kardinal Joseph Zen Ze-kiun reiste in der Vorwoche sogar nach Rom, um mit Papst Franziskus in dieser Sache zu sprechen. Zu einer Audienz kam es jedoch nicht.

Kardinal Parolin: „Es lohnt sich, Abkommen weiterzuführen“

Wie das Portal „Vatican News“ berichtet, gibt es zwar erst im weiteren Verlauf des Oktobers eine endgültige Entscheidung aus Rom, ob man einer Verlängerung der ad experimentum praktizierten Regelungen zustimmen wolle. Der als einflussreich geltende Kardinal Pietro Parolin wird mit der Aussage zitiert, wonach es „sich lohnt, weiterzumachen“. Auch der vatikanische Medienchef Andrea Tornielli, spricht sich in einem Leitartikel vom Dienstag für eine Verlängerung aus. Immerhin, so begründet er diese Position, beziehe das Abkommen sich „ausschließlich auf das Prozedere der Bischofsernennungen“.

Kardinalstaatsekretär Parolin erklärte jüngst, es bestehe die Absicht im Vatikan, dem Regime in Peking von sich aus eine Fortführung der Vereinbarung in ihrer derzeitigen provisorischen Form vorzuschlagen. Man brauche noch Zeit, um „noch weiter den Nutzen für die Kirche in China zu prüfen“. Auch wenn die Corona-Krise zu einer Zuspitzung von „Langwierigkeiten und Schwierigkeiten“ geführt habe, scheine es ihm, so Parolin, „dass eine Richtung eingeschlagen wurde, die es wert ist, fortgeführt zu werden, dann wird man sehen“.

„Ausschließlich pastoraler Charakter“

Die Befürworter des Abkommens argumentieren, diese habe weder einen primär diplomatischen noch politischen Charakter, sondern ausschließlich einen pastoralen. Von der Einheit der katholischen Bischöfe Chinas mit dem Bischof von Rom und der Weltkirche hänge die Einheit und Lebensfähigkeit der Kirche insgesamt ab. Ziel sei es, „den katholischen Gläubigen Bischöfe zu ermöglichen, die in voller Einheit mit dem Nachfolger Petri stehen und zugleich auch von den Autoritäten der Volksrepublik China anerkannt werden“.

Das am 20. Juli 1933 zwischen dem Heiligen Stuhl und dem von der Diktatur des Nationalsozialismus geschlossene Konkordat mit dem Deutschen Reich, das in seinen Grundzügen auch nach 1945 seine Gültigkeit behalten hat, ist ein historisches Beispiel für eine staatskirchenrechtliche Vereinbarung zwischen dem Vatikan und einem totalitären Staat.

Das Regime hatte der Kirche damals einige Rechte zugestanden, wie sie auch in freien Staaten als selbstverständlich angesehen werden – allerdings mussten die Bischöfe einen Treueeid gegenüber dem Staat leisten und das Regime ließ sich ein Vetorecht bei Bischofsernennungen zusichern. Die Nationalsozialisten wollten sich mit dem Konkordat als totalitär-sozialistische Kraft inszenieren, in der die Kirche einen gewissen Spielraum genießt, anders als in der in noch aggressiverem Maße atheistischen Sowjetunion.

Mit dieser gab es übrigens zu keiner Zeit einen staatskirchenrechtlichen Vertrag vonseiten des Vatikans, obwohl Rom nach der Machtergreifung durch die Bolschewiken sogar anfänglich Hoffnung darauf gesetzt hatte, dass die faktische Monopolstellung der Orthodoxen im russischen Christentum aufgebrochen werden könnte. Auch mit der heutigen Russischen Föderation hat der Vatikan noch kein Konkordat geschlossen.

Dokument zur „pastoralen Führung“ soll zu Beitritt zur „Patriotischen Kirche“ aufrufen

Über den Inhalt des 2018 geschlossenen vorläufigen Abkommens mit Peking herrscht weithin nach wie vor Stillschweigen. Offiziell bekanntgegeben wurde lediglich, dass einige vom Regime bestimmte Bischöfe der „Patriotischen Vereinigung“, der KP-gesteuerten Ersatzkirche, vom Vatikan anerkannt wurden.

Kritiker der Vereinbarung wie der langjährige Kardinal von Hongkong, Joseph Zen Ze-kiun, sprechen hingegen von einem „Ausverkauf“ und Verrat an den Gläubigen, die im Untergrund ihr religiöses Leben führten und sich von der „Patriotischen Kirche“ fernhielten. Zen sprach davon, dass 2018 auch mehrere Untergrundbischöfe vom Vatikan zur Abdankung gezwungen hätte. Vor allem aber gebe es in einem noch neueren Dokument, das ihm selbst vorliege, einen Passus zur „pastoralen Führung“, in dem der Vatikan chinesische Katholiken explizit dazu ermuntert, der „Patriotischen Vereinigung“ beizutreten – obwohl diese, wie selbst Papst Franziskus in einer privaten Audienz eingeräumt hätte, objektiv eine schismatische Vereinigung sei.

„Terminschwierigkeiten“ stehen Audienz für Kardinal entgegen

Im Interview mit dem National Catholic Register (NCR) warnt Kardinal Zen, die Verlängerung der Vereinbarung mit dem chinesischen Regime könnte sich als Schlag ins Gesicht der etwa 375.000 Katholiken in Hongkong erweisen. Dort ist der amtierende Bischof Michael Yeung im Januar 2019 verstorben. Seither führt Kardinal John Tong als apostolischer Administrator die Geschäfte.

Wie der NCR berichtet, wollte Kardinal Zen in der Woche vor dem 26. September, als das Interview stattfand, im Vatikan mit Papst Franziskus noch einmal persönlich über die Situation in China sprechen. Zu einer Audienz kam es nicht – angeblich aufgrund von Terminschwierigkeiten. Dem 88-Jährigen, der von 2002 bis 2009 in Hongkong als Bischof gedient hatte, wurde aber das Weiterreichen seiner Nachricht durch den Sekretär des Papstes zugesichert.

Im Interview mit NCR machte der Alt-Bischof noch einmal deutlich, wie wichtig die Frage der Besetzung des offenen Bischofsamts in Hongkong gerade jetzt in Zeiten der Niederschlagung der Demokratiebewegung sei: „Wir haben jetzt seit eineinhalb Jahren keinen Bischof. Die ganze Atmosphäre ist derzeit sehr von Politik geprägt, deshalb möchte ich den Heiligen Vater daran erinnern, dass wir wirklich einen Bischof brauchen, der ein guter Hirte seiner Herde ist.“

Zen: „Situation für Christen in Hongkong ähnelt jener in China“

In Hongkong, so Zen, gerate man vonseiten der Katholischen Kirche in eine sehr ähnliche Situation wie es sie in China schon längst gäbe. Natürlich sei es ratsam, das Regime nicht zu provozieren, wenn man für jedes Wort, das man sage, ins Gefängnis kommen könne. Und derzeit sei die Situation in Hongkong extrem gefährlich, auch für die Kirche: „Aber wenn es erforderlich wird, muss man immer noch in der Lage sein, Zeugnis zu geben für die Wahrheit und für den Glauben.“

Unterdessen hat der Außenminister der USA, Mike Pompeo, am Donnerstag den Vatikan besucht. Dabei hat er am Vormittag gemeinsam mit Kardinalstaatssekretär Parolin und Erzbischof Gallagher an einem Kongress der US-Botschaft beim Heiligen Stuhl zum Thema Religionsfreiheit teilgenommen.

US-Außenminister erinnert an katholischen Widerstand gegen Nazis und Kommunisten

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Die Veranstaltung stand unter dem Titel „Förderung und Schutz der internationalen Religionsfreiheit durch Diplomatie“. In seinem Redebeitrag erinnerte Pompeo an den Priester Bernhard Lichtenberg, der in der katholischen Kirche als Märtyrer und Seliger verehrt wird. Dieser war 1943 verhaftet worden, nachdem er zum Gebet für verfolgte Juden aufgerufen und das nationalsozialistische Regime öffentlich kritisiert hatte. Der Geistliche starb kurz nach seiner Einlieferung in das Konzentrationslager Dachau.

Pompeo erinnerte auch an die Rolle von Papst Johannes Paul II. im Kalten Krieg, als dieser dazu beigetragen habe, das Gewissen wachzurütteln und so den Eisernen Vorhang zu Fall zu bringen. Vom katholischen Glaubenszeugnis im Angesicht von Nationalsozialismus und Kommunismus wechselte Pompeo mit Bedacht zum aktuellen Thema China. Wie bereits jüngst in einem Artikel für das Magazin „First Things“ betonte Pompeo auch in Rom, die Verteidigung der Religionsfreiheit in der Welt hänge auch von der Führungsqualität der christlichen Kirchenführer ab – sowie vom moralischen Zeugnis derjenigen, die der Verfolgung Widerstand geleistet hätten.

Pompeo warnt Vatikan vor Appeasement

Zu einem Treffen Pompeos mit Papst Franziskus kam es nicht. Aus dem Vatikan hieß es, man wolle den Eindruck vermeiden, im laufenden Wahlkampf der USA für eine Seite Partei ergreifen zu wollen. Im Vatikan wurde der US-Außenminister vom Päpstlichen Zeremonienmeister, Bischof Guillermo Karcher, im San-Damaso-Garten empfangen.

In einem Gastbeitrag für die Online-Ausgabe des katholischen US-Magazins „First Things“ hatte Pompeo den Vatikan dazu aufgerufen, deutlicher Stellung zu beziehen gegen die Unterdrückung religiöser Gruppen unter der Diktatur des kommunistischen Regimes in China.

„Nach zwei Jahren ist es klar geworden, dass die Sino-Vatikanische Vereinbarung Katholiken nicht vor den Übergriffen durch die Partei geschützt hat“, schrieb Pompeo, „ganz zu schweigen von der schrecklichen Behandlung von Christen insgesamt, tibetanischen Buddhisten, Falun-Gong-Anhängern und anderen religiös Gläubigen.“

Pompeo machte deutlich, dass es die Verantwortung der Kirche sei, ihre Stimme gegen Regime zu erheben, die gegen die Menschenwürde verstoßen und ihren Gläubigen den Rücken zu stärken: „Wenn es die KP Chinas schafft, die Katholische Kirche und andere religiöse Gemeinschaften zur Strecke zu bringen, werden Regime gestärkt, die Menschenrechte verachten und der Preis für den Widerstand gegen Tyrannei wird für alle Gläubigen steigen, die Gott eine höhere Wertschätzung entgegenbringen als dem jeweils angesagten Autokraten des Tages.“

Zeit für Laschet – aber nicht für Pompeo

Diplomaten des Vatikan und deutsche Medien hatten der Regierung Trump vorgeworfen, ihre deutlichen Worte über Verbrechen gegen die Menschlichkeit in China und ihre Aufforderung an den Vatikan, die Leisetreterei gegenüber dem Regime in Peking zu überdenken, sei ein „Versuch, den Vatikan in den Wahlkampf einzuspannen“.

Unbedenklicher erschien dem Vatikan jedenfalls der Besuch des Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, der heute zusammen mit seiner Ehefrau, mit seinem Stellvertreter Joachim Stamp und dem Vorstand der Synagogengemeinde Köln, Abraham Lehrer, von Papst Franziskus empfangen wurde. Im Vier-Augen-Gespräch zwischen Laschet und dem Papst sei es um die Verdienste von Papst Johannes Paul II. um die Wiedervereinigung, die Flüchtlingskrise und um Fragen der Europa- und Außenpolitik gegangen.

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