Verschleppter Asylbewerber aus Berlin: Korrupter Ex-Funktionär oder unschuldiger Geschäftsmann?

Epoch Times3. August 2017 Aktualisiert: 3. August 2017 16:48
Ende Juli soll er vom vietnamesischen Geheimdienst verschleppt worden sein. Doch wer ist dieser vietnamesische Asylbewerber Trinh Xuan Thanh, der mitten aus Berlin entführt wurde?

Er ist die Hauptfigur eines Berliner Agententhrillers mit fernöstlichem Touch: Der vietnamesische Geschäftsmann Trinh Xuan Thanh ist nach Überzeugung der Bundesregierung von den Geheimdiensten seines Landes verschleppt worden – und das mitten aus der deutschen Hauptstadt.

Von „Menschenraub“ und „Entführung“ spricht das Auswärtige Amt. Die kommunistische Regierung Vietnams dagegen betont, der 51-Jährige habe sich in Hanoi freiwillig gestellt. Sicher ist nur: In seiner Heimat droht Thanh ein Korruptionsprozess, im schlimmsten Fall sogar die Todesstrafe.

Im Berliner Tiergarten direkt neben dem Regierungsviertel sollen sich am 23. Juli filmreife Szenen abgespielt haben: Mehrere vietnamesische Geheimagenten lauern dem Geschäftsmann auf und zerren ihn in ein Auto, wie in der „tageszeitung“ zu lesen ist. Das Blatt beruft sich auf unabhängige vietnamesische Medien.

Der Bericht führt zu einer schweren diplomatischen Krise zwischen Berlin und Hanoi. Das Auswärtige Amt spricht von einem „präzedenzlosen und eklatanten Verstoß gegen deutsches Recht und gegen das Völkerrecht“. Die vietnamesische Regierung erklärt am Donnerstag, die deutsche Reaktion sei „sehr bedauerlich“.

Thanh – korrupter Ex-Funktionär mit Selbstbedienungs-Mentalität?

Doch wer ist dieser Thanh, der in Deutschland Asyl beantragt hatte? Kritiker Hanois sehen ihn als Opfer einer autoritären Regierung, die westlich orientierte Staatsbürger mundtot machen will. Nach offizieller vietnamesischer Lesart ist er dagegen ein korrupter Ex-Funktionär, der seine Privilegien ausgenutzt hat, um sich zu bereichern.

Auslöser der Affäre ist ein Foto: Es zeigt einen Luxuswagen der Marke Lexus mit Kennzeichen der vietnamesischen Regierung. Der Wagen soll Thanh gehört haben.

Das Bild wird im Mai 2016 in vietnamesischen Medien veröffentlicht und führt zu einem Aufschrei: Thanh wird zur Symbolfigur für Funktionäre mit Selbstbedienungs-Mentalität. In Vietnam ist es Mitarbeitern der Regierung verboten, in ihrer Amtszeit ein teures Auto zu besitzen. Thanh war unter anderem Vizegouverneur der Provinz Hau Giang im Süden des Landes.

Die Regierung in Hanoi bringt ein Verfahren wegen Unterschlagung öffentlicher Gelder in Gang, das mit der Todesstrafe enden kann. Nach Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin wird ihm vorgeworfen, „hohe dreistellige Millionen-Dollarbeträge“ veruntreut zu haben.

Thanh ist allerdings schon vorher in Ungnade gefallen: Ihm wird Missmanagement im großen Stil vorgeworfen. Angeblich zeichnete er als Chef eines staatlichen Unternehmens für Erdölfördertechnik bis 2013 für Verluste in Höhe von umgerechnet 127 Millionen Euro verantwortlich.

Thanh setzt sich ab und beantragt in Berlin Asyl

Zwei Monate nach Veröffentlichung des Lexus-Fotos setzt sich der studierte Stadtplaner heimlich ins Ausland ab – und wird zu Vietnams meistgesuchtem Mann. „Er kann sich nicht ewig verstecken“, wettert der kommunistische Parteichef Nguyen Phu Trong in Staatsmedien.

Währenddessen beantragt Thanh in Berlin Asyl. Deutschland kennt er bereits von einem fünfjährigen Arbeitsaufenthalt in den 1990er Jahren. In der Bundesrepublik leben zehntausende Landsleute des Geschäftsmanns – die meisten von ihnen sind zu DDR-Zeiten als Vertragsarbeiter gekommen.

Bevor Thanhs Asylverfahren abgeschlossen werden kann, wird er mutmaßlich entführt. Für das Auswärtige Amt bestehen „keine ernsthaften Zweifel“, dass die vietnamesischen Nachrichtendienste und die Botschaft in Berlin daran beteiligt waren.

Bundesregierung fordert unverzügliche Rückkehr Thanhs

Die Bundesregierung dringt nun auf die unverzügliche Rückkehr Thanhs nach Berlin. Sowohl sein Antrag auf Asyl als auch der Antrag Hanois auf seine Auslieferung müssten in einem rechtsstaatlichen Verfahren geprüft werden, heißt es. Wo in Vietnam sich der 51-Jährige seit seiner angeblich freiwilligen Rückkehr aufhält, ist unbekannt. (afp)

Mehr dazu:

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