Kinder beobachten Soldaten der Bundeswehr, 7. März 2017 in Gao, Mali. Die Soldaten der Bundeswehr versuchten, Informationen über Fleischpreise und Bewegungen in der Stadt sowie mögliche Verdächtige unter den Bauern zu sammeln. Jede Woche versammeln sich Einheimische und Touareg-Nomaden auf dem Markt um ihr Vieh, darunter Kamele, Kühe, Schafe und Kleidung, zu handeln.Foto: Alexander Koerner/Getty Images

Deutsche Soldaten bei Selbstmordanschlag in Mali verletzt

Epoch Times25. Juni 2021 Aktualisiert: 25. Juni 2021 20:30

Bei einem Selbstmordanschlag auf die Bundeswehr im westafrikanischen Krisenland Mali sind am Freitag 15 deutsche Soldaten verletzt worden. Unter ihnen seien nach ersten Erkenntnissen neun Schwerverletzte, von denen drei sehr schwer verletzt seien, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus Kreisen des Verteidigungsausschusses in Berlin.

Die Bundeswehr bestätigte einen „Selbstmordanschlag auf Kräfte des deutschen Einsatzkontingents“ rund 180 Kilometer nördöstlich von Gao, bei dem neben deutschen Soldaten auch ein UN-Soldat verletzt worden sei.

Die Luftwaffe sei zur Rettung der Verletzten nach Mali geschickt worden, erfuhr AFP aus den Kreisen. In einer ersten Einschätzung war zunächst noch von zwölf Schwerverletzten die Rede gewesen. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) werde sich demnach im Laufe des Tages zu dem Vorfall äußern, hieß es aus dem Ausschuss.

Anschlag ereignete sich nordöstlich der Stadt Gao

Der Anschlag ereignete sich laut Einsatzführungskommando der Bundeswehr nordöstlich der Stadt Gao. Die Soldaten würden „aktuell medizinisch behandelt“ und die Angehörigen derzeit informiert, heißt es in einem vertraulichen Lagebericht des Einsatzführungskommandos für den Verteidigungsausschuss, der AFP vorliegt.

In Gao unterhält die Bundeswehr ein Feldlager. Die Bundeswehr-Soldaten leisten dort im Rahmen der UN-Friedensmission Minusma einen Beitrag zur Stabilisierung Malis.

Minusma bestätigte einen Autobombenanschlag mit 15 verletzten Blauhelmsoldaten nahe des Dorfes Ichagara. Zu ihrer Nationalität äußerte sie sich nicht. Die Soldaten seien am Vormittag in einer provisorischen Einsatzbasis in der Ortschaft Tarkint in der Region Gao „zum Ziel eines Anschlags“ geworden, hieß es in einer Twitter-Botschaft der Minusma.

Ein Sicherheitsbeamter vor Ort in Mali sagte AFP, dass das am Freitag angegegriffene Kontingent erst am Vortag seinen Stützpunkt aufgebaut hatte, um ein durch eine Landmine beschädigtes UN-Fahrzeug zu sichern.

Sechs französische Soldaten bei einem Bombenanschlag verletzt

Erst am Montag waren sechs Soldaten der französischen Anti-Terror-Einheit Barkhane bei einem Bombenanschlag verletzt worden. Bei dem Attentat nahe der zentralmalischen Stadt Gossi waren auch vier Zivilisten verletzt worden. Deutschland beteiligt sich mit bis zu 1.700 Bundeswehrsoldaten an Ausbildungs- und Stabilisierungsmissionen der EU und der UNO in Mali.

Der Anschlag sei „erschütternd“, sagte die SPD-Bundestagsabgeordnete Gabriela Heinrich. Der Vorfall erinnere uns daran, welche Risiken in Mali für die Truppen bestünden. Gleichwohl sei Minusma „ein wichtiger Einsatz zur Stabilisierung Malis“.

FDP: Angriff verdeutlicht „die fragile Sicherheitslage im Land“

Der Angriff verdeutliche „die fragile Sicherheitslage im Land“, erklärte auch der entwicklungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag, Christoph Hoffmann. Er plädierte für den Einsatz von bewaffneten Drohnen, durch die Soldaten besser geschützt werden könnten. „Der gesamte Einsatz muss dringend evaluiert und neubewertet werden“, sagte der außenpolitische Specher der FDP, Bijan Djir-Sarai.

Linken-Politiker Tobias Pflüger nannte den Einsatz gegenüber „t-online“ „gefährlich und falsch“ und bekräftigte die Forderung seiner Partei nach einem Ende des Einsatzes.

Der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, André Wüstner, drängt auf mehr Schutz der Soldaten. Der Einsatz sei „brandgefährlich“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Voraussetzung für die Fortsetzung des Einsatzes sei die Gewährleistung der Rettungskette und der Schutz der Truppen durch bewaffnete Drohnen.

Der gefährlichste Einsatz der Bundeswehr

Während der Afghanistan als blutigster Einsatz der Bundeswehr gilt, wird die Beteiligung an der UN-geführten Stabilisierungsmission in Mali (Minusma) als gefährlichster Auslandseinsatz der Bundeswehr gesehen. Seit rund acht Jahren sind deutsche Soldaten in dem westafrikanischen Krisenstaat stationiert.

Als Teil der UN-Mission Minusma übernimmt die Bundeswehr unter anderem Aufklärungsaufgaben. Im Rahmen der EU-Trainingsmission EUTM bildet sie mit bis zu 600 Kräften in Mali einheimische Soldaten aus.

Erst im Mai hatte der Bundestag beide Mandate verlängert. Damit dürfen sich weiterhin bis zu 1.100 Bundeswehrsoldaten an Minusma beteiligen. Der Großteil des deutschen Einsatzkontingents ist im Nordosten des Landes im Camp Castor in Gao stationiert.

Deutschland stellt auch Personal für das Hauptquartier der Minusma-Mission in Bamako und für eine Logistik-Einheit am Flughafen der malischen Hauptstadt. Auch im Nachbarland Niger sind deutsche Blauhelmsoldaten stationiert. In der Hauptstadt Niamey betreibt die Bundeswehr einen Lufttransportstützpunkt für Material- und Personaltransporte sowie für die Versorgung von Verwundeten.

13.000 Soldaten beteiligen an Blauhelmmission Minusma

An der Blauhelmmission Minusma beteiligen sich dutzende Länder mit insgesamt rund 13.000 Soldaten – darunter derzeit rund 900 aus Deutschland – sowie 1.700 Polizisten. Der Einsatz beruht auf der im April 2013 verabschiedeten UN-Resolution 2100. Zuvor hatten französische Streitkräfte in den Kampf gegen radikale Islamisten und Rebellen im Norden Malis eingegriffen, nachdem das Land im Zuge eines Putsches im März 2012 ins Chaos gestürzt war.

Im Juni 2013 beschloss der Bundestag die Beteiligung bewaffneter deutscher Soldaten an Minusma. Anfang 2016 wurde eine Erweiterung des deutschen Engagements beschlossen. Kernaufgabe der UN-Mission ist die Überwachung einer Waffenruhe zwischen den malischen Konfliktparteien. Zudem soll der Einsatz zur Sicherheit, Stabilisierung und zum Schutz der Bevölkerung beitragen.

Deutsche Soldaten betreiben Aufklärung, Beobachtung, Lufttransport

Hauptaufgaben der deutschen Blauhelmsoldaten in Mali sind die Aufklärung, Beobachtung und Mitwirkung am Gesamtlagebild. Daneben zählen unter anderem Führungs- und Beratungstätigkeiten sowie Lufttransport und –betankung zu den Aufgaben der Truppe.

Die politische Situation in Mali ist seit 2012 von zunehmender Instabilität geprägt. Die meist islamistisch motivierte Gewalt hat in den vergangenen Jahren auch die benachbarten Länder in der Sahel-Zone erreicht. Tausende Soldaten und Zivilisten wurden in der Krisenregion getötet, Hunderttausende mussten aus ihrer Heimat fliehen. Die Lage in dem Land gilt unter Beobachtern als „besorgniserregend“.

Islamisten und regionale Milizen griffen zuletzt vermehrt auch internationale Truppen an. Sie machen sich eine mangelnde Präsenz des Staates zu nutze. Es wird befürchtet, dass sie sich weiter in rechtsfreien Räumen ausbreiten – vor allem nachdem es in dem Staat im Mai zum zweiten Umsturz der Regierung binnen eines Jahres gekommen war. (afp/er)



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