Deutscher Politologe wegen mutmaßlicher Spionagetätigkeit für China angeklagt

Von 13. Juli 2021 Aktualisiert: 13. Juli 2021 18:23

Dieser Gastbeitrag ist der Originaltext zum Video: „Deutscher Politologe wegen mutmaßlicher Spionagetätigkeit für China angeklagt“ vom YouTube-Kanal „Leas Einblick“

Ein deutscher Politologe wurde festgenommen. Fast zehn Jahre soll der 75-Jährige aus Bayern für China spioniert haben. 

Nun hat die Bundesanwaltschaft gegen ihn Anklage erhoben. 

Der Mann war leitender Angestellter der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung. Seit 2001 betreibt er mit seiner Frau zusammen einen Thinktank mit Sitz in Landshut und Südtirol. Das Ehepaar ist international gut vernetzt.

Der Fall ist besonders brisant, weil der mutmaßliche Spion nicht nur dem chinesischen Geheimdienst Informationen zugespielt hat. Offenbar hat er sein ganzes Leben lang ein Doppelleben geführt.  Nach Information der „ARD“ hat er nicht weniger als 50 Jahre als Informant für den Bundesnachrichtendienst gearbeitet.

Klaus Lange war gerade erst von einem Aufenthalt in Italien zurückgekehrt, als die Polizei vor seiner Wohnungstür stand und ihn festnahm. Ihm wurde eine geheimdienstliche Agententätigkeit vorgeworfen.

Klaus Lange gilt als ein Experte in der internationalen Sicherheitspolitik. Seit Anfang der 1980er-Jahre war er als Politologe bei der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung tätig, zuletzt als Referatsleiter des Bereichs internationale Sicherheitspolitik. 

Durch seinen Job war er viel im Ausland unterwegs. Er reiste in die frühere Sowjetunion, nach Russland, auf den Balkan, nach Südafrika und Südasien.

Im Rahmen ihrer Arbeit haben Klaus Lange und seine Frau Klara Knapp, eine Südtirolerin, oft China besucht. Beide waren Gastdozenten an der Tongji-Universität in Shanghai.

2001 gründete das Ehepaar einen Thinktank – das „Institute for Transnational Studies“. Als Direktoren dieses Instituts organisierten sie unter anderem Konferenzen zu Sicherheitsthemen wie Terrorismus.

Ebenso war Klaus Lange Mitglied des Instituts für Nationale and Internationale Sicherheit, (INIS).

Zu den Mitgliedern des INIS gehören viele Sicherheitsexperten aus China, dem Balkan, ehemaligen Staaten der Sowjetunion, Griechenland und Indien

Somit hat Klaus Lange sein Netzwerk ausgebaut. Dieses Netzwerk dürfte sowohl für den BND als auch für den chinesischen Geheimdienst sehr interessant gewesen sein.

Bei der Recherche bin ich auf einige chinesische Berichte über seine offiziellen Auftritte in China gestoßen, die uns einen Einblick darin gewähren, was die chinesische Seite von solch einem interessanten deutschen Kontakt haben will. 

Im Dezember 2006 besuchten Klaus Lange und seine Frau die Fremdsprachenuniversität Shanghai. Wie ein Bericht der Universität zeigt, traf das Ehepaar eine Vereinbarung mit dem Institut für internationale Beziehungen und öffentliche Angelegenheiten, das der Universität angehört.

Allerdings wurde die Vereinbarung im Namen von Klaus Langes Thinktank, dem Institut für Transnationale Studien (ITS), getroffen, obwohl er zu dieser Zeit noch bei der Hanns-Seidel-Stifung angestellt war. 

Ob die Stiftung über seine Vereinbarung mit dem chinesischen Institut in Kenntnis gesetzt war, ist nicht bekannt.

Zwei Punkte in der Vereinbarung verdienen besondere Aufmerksamkeit. Dabei geht es um zwei konkrete Formen der geplanten Zusammenarbeit. 

Zum einen planten die beiden Seiten, große internationale wissenschaftliche Symposien gemeinsam zu organisieren. 

Klaus Lange verfügt durch seine Arbeit über ein beachtliches internationales Netzwerk. Die Chinesen sahen Klaus Lange zweifelsfrei als einen Türöffner zu diesem Netzwerk.

Zum anderen sollten Klaus Lange und seine Frau den chinesischen Akademikern helfen, ihre wissenschaftliche Arbeiten in Deutschland zu publizieren. Als Gegenleistung würde die chinesische Fachzeitschrift „International Observation“ Artikel von deutschen Experten in China veröffentlichen. 

Die Meinungen von chinesischen Fachleuten in internationalen Publikationen zu veröffentlichen, ist der chinesischen Seite besonders wichtig, nicht nur um die Reputation zu erhöhen, sondern auch um das China-Narrativ international durchzusetzen. 

In einer Publikation namens „Argumente und Materialien zum Zeitgeschehen“ der Hanns-Seidel-Stiftung aus dem Jahr 2006 zum Thema „Islamistischer Terrorismus und Massenvernichtungsmittel“, die Klaus Lange zusammen mit seinem Kollegen Volker Foertsch herausgegeben hat, wurden zum Beispiel die Beiträge von zwei chinesischen Autoren veröffentlicht.

Der Beitrag von Chuan Chen über das uigurische Gebiet Xinjiang stellt vollkommen das chinesische Narrativ zu diesem Thema dar.  Die „Ostturkistan-Frage“ wurde als „eine Mischung aus Terrorismus, Fundamentalismus und Separatismus“ dargestellt, ohne die Minderheitenpolitik der Kommunistischen Partei Chinas in Xinjiang zu reflektieren.

Genau solche Publikationsgelegenheiten braucht die chinesische Seite. Dabei kann Klaus Lange leicht helfen.

Im Juni 2010, etwa ein Jahr vor seiner Pensionierung, war Klaus Lange erneut in China. Diesmal nahm er als Gastredner an einem Symposium an der Tongji-Universität zum Thema Terrorismus teil. 

Nach Informationen der Bundesanwaltschaft traten Angehörige eines chinesischen Nachrichtendienstes mit Klaus Lange in Kontakt, um ihn für eine Mitarbeit zu gewinnen. 

Neben dem virtuellen Angriff, um sich geheime Informationen zu verschaffen, setzen die chinesischen Geheimdienste beharrlich auf die Anwerbung menschlicher Quellen in allen Bereichen des öffentlichen Lebens. Sie versuchen oft, Personen zu rekrutieren, die bald in Pension gehen, aber noch voller Tatendrang sind. In der Phase kurz vor dem Ende der beruflichen Laufbahn scheinen diese Personen besonders anfällig zu sein, wenn sie das Gefühl haben, viel Aufmerksamkeit und Wertschätzung durch die neuen Kontakte bekommen zu können.

Wie die „ARD“ aus Sicherheitskreisen erfuhr, hatte Klaus Lange offenbar jahrzehntelange Erfahrung als Geheimagent.

Nicht weniger als fünfzig Jahre soll Klaus Lange als „nachrichtliche Verbindung“ für den deutschen Bundesnachrichtendienst (BND) gearbeitet haben. Das heißt: Klaus Lange beschaffte Informationen, lieferte sie an den BND und erhielt dafür eine Bezahlung. 

Den Ermittlern sagte Lange, er habe dem BND von dem Anwerbeversuch des chinesischen Nachrichtendienstes berichtet; der Dienst habe ihn sogar ermutigt, sich darauf einzulassen. Nach dem Motto: Mal sehen, was die wollen.

Doch mit der Zeit scheint Lange von seinen Kontakten zu den Chinesen aber nichts mehr erzählt zu haben, berichtet die „ARD“. Die chinesischen Führungsoffiziere sollen Klaus Lange mit Technik ausgestattet haben, damit er verschlüsselte Informationen nach China schicken kann. 

In der Folgezeit bis November 2019 übermittelte Klaus Lange dem chinesischen Geheimdienst regelmäßig offenbar heikle Informationen im Vorfeld oder Nachgang von Staatsbesuchen oder multinationalen Konferenzen sowie zu bestimmten aktuellen Fragestellungen. 

Diese beschaffte er vorrangig von seinen zahlreichen, über das Institut gewonnenen hochrangigen politischen Ansprechpartnern. Als Gegenleistung wurden dem Beschuldigten die Reisen zu den jeweiligen Treffen mit den chinesischen Nachrichtendienstmitarbeitern einschließlich eines Rahmenprogramms finanziert; zudem erhielt er ein Honorar

Am 23. November 2019 kam es zum Ende der engen Kontakte mit China. An diesem Tag hatte das Ehepaar Lange ursprünglich geplant, nach Macau zu fliegen, um sich laut Information der Ermittler mit seinen chinesischen Führungsoffizieren zu treffen. Als das Taxi schon vorgefahren war, rasten mehrere Polizeifahrzeuge heran. Die Ermittler des bayerischen Landeskriminalamts griffen zu. Sie durchsuchten das Haus des Ehepaars, beschlagnahmen sämtliche Datenträger sowie Hunderte Dokumente. 

Aber erst nach anderthalb Jahren kam die Festnahme am 05. Juli 2021. Wegen mutmaßlicher Spionagetätigkeit wurde auch gegen seine Frau ermittelt. Den Haftbefehl gegen Klaus Lange setzte das Oberlandesgericht München jedoch außer Vollzug. 

Nun muss das Gericht entscheiden, ob Lange wegen des Vorwurfs der Spionage verurteilt wird. Dafür ist eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe vorgesehen.



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