„Na, dann machen wir das mal“, scheint sie zu sagen. Angela Merkel auf dem Weg in eine Kabinettssitzung am 22. Februar 2006. (Foto: Axel Schmidt-pool / Getty Images)

100 Tage mit Angela Merkel

Von 1. März 2006 Aktualisiert: 1. März 2006 1:14
"Na, dann machen wir das mal"

Einen Schnellstart konnte Angela Merkel nicht hinlegen. Nach der letzten Bundestagwahl im September 2005 dauerte es gut zwei Monate bis eine große Koalition gebastelt war, die zunächst niemand wollte. Sie konnte nicht „durchregieren“, eine Politik „der kleinen Schritte“ wurde erforderlich. Es sah zunächst auch so aus, als hätte die SPD mit ihrer Phalanx an Ministern die CDU/CSU über den Tisch gezogen. Aber nach Tische liest man’s anders. Die Riege der SPD mosert unzufrieden, dass sie nicht genügend wahrgenommen werde.

Angela Merkel selbst erfährt in Umfragen ein persönliches Zustimmungshoch wie kein Kanzler vor ihr. Sie ist jedoch zu lange im politischen Geschäft, um sich auf solchen Umfrageergebnissen auszuruhen.

Sie arbeitet einfach weiter. Aber was ist so anders, dass Volkes Meinung von Misstrauen und Geringschätzung zur Anerkennung schwenkte. Und nicht nur Volkes Meinung, auch in graduellen Abwandlungen die der professionellen Berichterstatter in allen Medien. An Angie kommt niemand vorbei.

Sie scheint an dem Platz angekommen zu sein, der ihren Fähigkeiten angemessen ist, der eine Herausforderung ist, die sie erfüllen kann. Wer noch die Bilder und Antworten aus dem Wahlkampf in Erinnerung hat, die viele zu der Aussage verführten: „Sie kann es nicht!“, der kann nur annehmen, dass sie immer unterfordert war und dadurch eher unsicher wirkte. Konkretes Handeln liegt ihr offensichtlich mehr als verbale Attacken und ein Leben in Ankündigungen. Zwar entzieht sie sich persönlicheren Aussagen über ihre Gefühle, aber Augen, Mund und Haltung sprechen deutlich genug. Vielleicht ist es ihr Lächeln und ihr erstaunlicherweise häufig auftretendes Strahlen auch in Stressmomenten, was die Beobachter überrascht, was man nicht vermutet hatte. Daneben eine von allen Gesprächspartnern bestätigte Sachkenntnis. Besonders die internationale Anerkennung ließ im Inland das Eis der Ablehnung brechen. Nach dem schulterklopfenden Dauerspaß von Schröder, erblickte man bei Merkels Besuchen nun wohlgesittete Präsidenten, die einige Mühe hatten neben ihrem ruhigen überraschenden Charme noch zum Zuge zu kommen. Vom anerkennenden Respekt bis zum Handkuss wurde die deutsche Seele gleich heilsam mitgenommen in eine ausgeglichene Temperatur internationaler Beziehungen, die Prinzipien nicht preisgibt und Fragen offen anspricht.

Der Vertrauensvorschuss, der auch in den Umfragen ablesbar ist, kann auch zur Bürde werden, aber da Merkel bisher ihren Weg gegangen ist trotz aller schwankenden Umfrageergebnisse, kann man nach den ersten hundert Tagen ihrer Regierung auch hoffen, dass sie so standhaft wie nötig und so flexibel wie möglich bleibt. Wenn sogar der Vorsitzende der IG Metall – nicht gerade im Verdacht, CDU-freundlich zu sein – der Bundesregierung unter ihrer Führung attestiert, die Bereitschaft, sich mit neuen Wegen auseinander zu setzen, sei größer als in den vergangenen Jahren, dann kann man nur hoffen – zum Wohle aller.

Was wirklich schon dem Wohle aller dient, ist ihre Unaufgeregtheit, ihre Kunst, nicht dauernd zu allen Themen etwas zu sagen, und wenn sie etwas sagt, sich nicht zu scheuen in einfacher Sprache die Menschen anzusprechen. Was sie deutlich nicht schätzt, ist das selbstverliebte eitle Spiel vor Fotografen und das Posieren ohne Inhalt. Tatsächlich führen ihre Sachbezogenheit und das Zuhören können schon deutlich zu einem neuen Stil im Miteinander – wie man hört – auch der Kabinettskollegen.

Ihren wirklichen Erfolg will sie – wie weiland Schröder – an den sinkenden Arbeitslosenzahlen messen lassen, nicht an Umfrageergebnissen zur Beliebtheit. Trotzdem stockte einem ein bisschen der Atem bei dieser Ankündigung kurz nach der Regierungsbildung. 100 Tage dienten der Einarbeitung, der Orientierung in neuen Zusammenhängen, sie gelten als Schonfrist in parlamentarischen Demokratien für eine neue Regierung. Wie man Merkel inzwischen kennt, interessieren sie solche Fristen auch nicht. Obwohl noch nicht viele Meilensteine der inneren Reformen sichtbar sind, ist spürbar, dass sie gleich von Anfang an gesagt hat: „Na, dann machen wir das mal.“

    

    



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