120. Travemünder Woche – Segelevent der Rekorde

Von 27. Juli 2009 Aktualisiert: 27. Juli 2009 14:31

Fast 1.400 Crews aus 20 Nationen sorgen zur 120. Travemünder Woche für einen neuen Teilnehmerrekord. Durch eine einmalige Verlängerung zum Jubiläum auf 17 Tage dauert die TW vom 17. Juli bis zum 2. August und ist im zweiten Teil Gastgeber der Internationalen Deutschen Jugend- und Jüngstenmeisterschaften 2009 (IDJ+JüM) in allen acht anerkannten Bootsklassen. Das 80.000 Quadratmeter große Festivalgelände an der Travemündung erwartet weit mehr als eine Million Besucher und dürfte auch an Land für eine neue Bestmarke sorgen. Auf dem Wasser trotzte ein kluges Management der Regattaleitungen den immer wieder aufkommenden Unwetterfronten, fast alle Wettfahrten konnten bisher gesegelt werden.

Lübecks Bürgermeister rammt das Boot von Hamburger Regierungschef

Als Hamburgs Erster Bürgermeister im vorigen Jahr erstmals auf der Travemünder Woche zur Rotspon-Regatta antrat, hatten ihm zunächst nur wenige zugetraut, den erfolgsgewohnten Gastgeber Bernd Saxe zu schlagen. Aber Ole von Beust kam, sah und siegte gegen den Lübecker Verwaltungschef. „Das hat mir so große Freude gemacht, dass ich 2009 gerne wieder dabei bin“, so von Beust. „Wir sind ja zu einer freundschaftlichen Spaßwettfahrt hier, aber jetzt werden wir Saxe mal zur Strecke bringen“, hatte von Beust damals vor dem ersten Start versprochen, „das ist Ehrensache für einen Hamburger, hier zu gewinnen.“ Gesagt, getan. Nachdem Saxe mit seinem Boot den Segler des Hamburger Bürgermeisters rammte gewann auch im diesem Jahr der Regierungschef von der Elbe im Matchrace „best of three“ 2:1 und freute sich als bekennender Weinliebhaber über eine Sechs-Liter-Flasche des berühmten Lübecker Rotweins. Die Rotsponregatta der norddeutschen Verwaltungschefs wurde 2004 von Saxe ins Leben gerufen. Sie soll an den Ursprung der Travemünder Woche im Jahr 1888 erinnern, als zwei Hamburger Kaufleute vor Travemünde um eine Flasche Rotspon um die Wette segelten.

Wir haben Angst um die Zukunft der Travemünder Woche“

Doch wie auch in den vergangenen Jahren hat viel Licht auch seine Schattenseiten: Segler, die auf der Fähre als Schwarzfahrer gebrandmarkt werden. Ordnungskräfte, die zur Eröffnung Strafzettel verteilen. Auf die Feststellung  des Lübecker Nachrichten-Redakteurs Jens Kürbis: „Stichwort Bürgermeister. Herr Saxe war vor zwei Jahren Initiator des Arbeitskreises „Zukunft TW“. Trockenlegung Tornadowiese, Wasser, Abwasser und Toiletten zum Strand, der Bau eines Regattazentrums. Was ist davon umgesetzt worden?“, antwortet der Cheforganisator  der Travemünder Woche, Claus-Dieter Stolze  im Interview: „Nichts, es fehlt  an Logistik, sprich Wasser, Abwasser, Toiletten für die in Wassernähe campierenden Segler. Wie wollen wir eine Tornado-WM 2010 hierher holen, wenn die Infrastruktur nicht mal dritte Liga ist.“ Sein Kollege Andreas Stülcken, 2. Vorsitzender des Ausrichters Lübecker Yachtclub mit 380 ehrenamtlichen Helfern verweist auf einen „Masterplan“, der die Bebauung Travemündes im September vorstellen soll und fügt an: „Wir haben Angst um die Zukunft der Travemünder Woche. Wenn die Priwall-Waterfront kommt, der Grünstrand, Tornado- und WSA-Wiese bebaut werden, dann haben wir nicht mehr genügend Flächen für die Segler. Uns wird so die Existenzgrundlage entzogen.

Auch diese traditionellen Unstimmigkeiten um Geld zwischen der Stadt Lübeck und den Machern der Travemünder Woche [1] können den fröhlichen Sportsgeist der vielen Segler, Helfer und Besucher an und auf der Ostsee nicht trüben.

http://www.travemuender-woche.net/

[1] Vgl. Artikel „Vom Stiefkind zur Chefsache – bizarrer Streit um Geld hinter den Kulissen der Travemünder Woche“ in der ETD vom  01.08.2007.

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Thilo Gehrke (41) ist Journalist für Wirtschafts-, Sozial- und Sicherheitspolitik, Autor und Fotograf in Hamburg und Mitglied im Wissenschaftlichen Forum für Internationale Sicherheit an der Führungsakademie der Bundeswehr. Er hat die Deutsche Wiedervereinigung unter sozialen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Aspekten medial begleitet.

 

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