Sahra Wagenknecht.Foto: Getty Images

Sahra Wagenknecht über Infektionsgefahren in der Zwei-Klassen-Gesellschaft

Von 21. November 2021 Aktualisiert: 21. November 2021 7:51
Sahra Wagenknecht erklärte im Gespräch, warum sie sich noch nicht impfen lässt. Sie warnte vor 2G als Scheinsicherheit und dass dabei eine Zwei-Klassen-Gesellschaft entstehe, in der sich das Virus dennoch weiter ausbreitet. Bei der Situation auf den Intensivstationen sieht Wagenknecht ebenfalls die Politik in der Schuld – und nicht das Virus oder die Ungeimpften.

Es ist allgemein bekannt, dass die ehemalige Fraktionschefin der Linken, Sahra Wagenknecht, zum ungeimpften Teil der Bevölkerung zählt. Dabei legte Wagenknecht im Interview mit der „Welt“ am Tag nach der Beschließung der neuen Corona-Maßnahmen im Bundestag offen, dass sie kein genereller Impfgegner sei.

Doch den derzeit in Deutschland zugelassenen Corona-Impfungen traut sie nicht über den Weg. Wagenknecht erklärte, dass sie auf die Zulassung eines klassischen Tot-Impfstoffs warte. Was die Corona-Maßnahmen der Regierung betrifft, ist Wagenknecht jedoch eindeutig. Sie beklagt die dadurch verursachte Spaltung der Gesellschaft in Geimpfte und Ungeimpfte.

Wagenknecht: Tot-Impfstoffe zulassen – Impfquote steigt

Bei dem am Donnerstag in den Gängen des Bundestags geführten Gespräch machte die Politikerin einen Vorschlag, wie die Impfquote erhöht werden könnte: „Ich würde mich sofort impfen lassen, wenn wir in Deutschland einen der von der WHO längst zugelassenen klassischen, traditionellen Impfstoffe gegen Corona auch zulassen würden.“

Das gehe wohl vielen auch so – und so könne man die Impfquote auch wirklich erhöhen. Was nach Wagenknechts Ansicht nicht funktioniert, ist, dass man die Menschen immer mehr unter Druck setzt.

Es ergebe keinen Sinn, Ungeimpfte auszusperren und die Geimpften bewegten sich so, als seien sie nicht Teil der Pandemie. Die Folge: „Das Virus verbreitet sich immer weiter“.

„2G ist Scheinsicherheit“

Zu den im Bundestag beschlossenen Maßnahmen sagte Wagenknecht: „Ich finde, die Maßnahmen gehen in die falsche Richtung.“ Wenn man die Erkenntnis teile, dass Geimpfte genauso wie Ungeimpfte Teil des Infektionsgeschehens seien, dann gebe es nur eine Lösung: „Überall da, wo viele Menschen aufeinandertreffen, in engen Räumen, müssen sich alle testen.“

Die Abgeordnete kommt zu dem Fazit: „2G ist Scheinsicherheit.“ Wenn es wirklich so wäre, dass nur Ungeimpfte das Virus verbreiten würden und Geimpfte damit nichts zu tun hätten, „dann gäbe es eine Begründung für solche Maßnahmen“. Aber selbst dann müsste man überlegen, ob es nicht mildere Mittel gäbe – wie etwa Tests.

Die Impfstoffe hätten beim Infektionsschutz nicht das gehalten, was sie versprochen hätten. Das müsse die Politik den Menschen auch so sagen, damit diese sich nicht in Scheinsicherheit wiegten.

Zwei-Klassen-Gesellschaft und „freie Bahn für das Virus“

Der interviewende Journalist meinte, dass die Regierung mit der 2G-Regel Ungeimpfte schützen wolle, indem man ihnen verbiete, in Restaurants oder Hotels zu gehen. Sie sollen zu Hause bleiben, damit sie sich nicht anstecken könnten. Darauf entgegnete Wagenknecht, dass das schon der Irrtum der Lockdown-Politik gewesen sei.

Wenn man in Restaurants, Bars, Diskotheken alle teste, könne man sich dort gar nicht mehr anstecken  – „egal ob geimpft oder nicht geimpft“. Doch jetzt sei es wie schon bei den Lockdowns: Die ungeimpften Leute träfen sich dann nicht in Bars, sondern zu Hause. Da gebe es dann aber keinen Test, sondern „freie Bahn für das Virus“.

Wir machen so eine Art Zwei-Klassen-Gesellschaft: Die Geimpften treffen sich in den öffentlichen Orten, auch ohne Test, die Ungeimpften wahrscheinlich dann zu Hause“.

Sie plädiere zwar für die Impfung der Älteren, wegen des hohen Risikos, aber Jugendliche unter Druck zu setzen, ihnen zu verbieten, im Sportklub zu trainieren, das sei ein Angriff auf deren Gesundheit und durch nichts zu rechtfertigen.

Politik verantwortlich für Intensivbetten-Knappheit

In Politik und Medien wird angesichts der rasch steigenden Inzidenzzahlen immer wieder auch die Belegung der Intensivstationen angesprochen. Manche befürchten, dass es zu Triagen kommen könne. Durch solche Aussagen werden allerdings auch die Ängste vor einer Eskalation der Pandemie noch weiter angeheizt. Wagenknecht dazu: „Wir haben aktuell gut 3.000 Covid-Patienten auf den Intensivstationen. Davon sind 2.000 etwa ungeimpft. Wir haben aber über 6.000 Intensivbetten weniger als noch vor einem Jahr.“

Wenn man diese beiden Zahlen nebeneinanderstellt, müsse man sagen, dass nicht primär Corona daran schuld ist, dass man teilweise schon wieder Operationen verschiebe. Daran sei die Politik schuld, die zugeschaut habe, wie sich der Pflegenotstand weiter verschärfe und zugeschaut habe, dass diese Intensivbetten nicht mehr betrieben werden könnten.

Mit höheren Einstiegsprämien, mit besseren Gehältern, besseren Arbeitsbedingungen könnte man laut Wagenknecht all jene Pflegekräfte in Deutschland ansprechen, die derzeit nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten. Das hätte man schon längst tun können, kritisiert die Abgeordnete. Triagesituationen dürfe man in einem Land wie Deutschland nicht zulassen – „und das müsste man auch nicht zulassen“.



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