AfD-Abgeordneter besucht Asylheim unangemeldet – Stadt empört

Epoch Times1. Juni 2016 Aktualisiert: 7. Juli 2016 18:33
Der unangemeldete Besuch eines AfD-Abgeordneten in einer Horber Asylunterkunft brachte unangenehme Wahrheiten zu Tage. Der CDU-Oberbürgermeister der Stadt ist wütend und drohte mit Konsequenzen, offenbar auch für den einladenden Gemeinderat Herman Walz. Eine Geschichte aus dem Schwarzwald.

Gemeinderat Hermann Walz (Unabhängige Liste Horb, ULH) lud Dr. Heinrich Kuhn (AfD), Alterspräsident des baden-württembergischen Landtags, zu einem Besuch im Asylheim Horb-Talheim ein, einer ehemaligen Grundschule.

Schon von außen war zu sehen, dass die Fenster der alten Schule teilweise kaputt waren. "Das ist ein Hauptproblem. Die Fenster dort wurden seit August 2015 nicht gemacht", bemerkte Gemeinderat Walz resigniert.

Die Albaner in der alten Schule

Eine Helferin erzählt dem Politiker, dass die meisten der 46 Bewohner seit November 2014 hier untergebracht sind. Doch erst auf mehrfache Intervention von Hermann Walz, auch beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), wurden die Leute ins Asylverfahren gebracht.

Die Helferin erzählt: "Vor drei Wochen hatten die ihre Interviews. In Heidelberg wussten die das gar nicht, dass die hier sind." Alterspräsident Kuhn: "Offenbar wurden sie schlicht vergessen."

Alterspräsident Kuhn wollte gern wissen, welchen Nationalitäten die Heimbewohner angehören und welche Berufe sie haben. Er erfährt als Herkunftsland Albanien. Wie die Helferin erklärte, seien viele von ihnen schon in ihrer Heimat arbeitslos gewesen, manche hätten in Berufen gearbeitet, gibt sie vage Auskunft.

Kuhn ist neugierig geworden: "Wissen Sie, wie die für ihren Unterhalt in Albanien gesorgt haben?" Das wisse die Helferin nicht. Allerdings: "Ich weiß aus den Berufspraktika der Schüler, dass sie alle Berufe machen wollen. Aber nichts mit Putzen."

"Zum Deutschunterricht kommt keiner mehr"

Den Deutschunterricht habe man anfangs auf 10 Uhr angesetzt, was den Migranten aber zu früh gewesen sei. Deshalb wurde er auf 14 Uhr verlegt. "Zum Deutschunterricht kommt inzwischen auch keiner mehr", erklärt die Helferin die Integrationsbereitschaft der Gäste aus Albanien.

Auch der Musikunterricht am Freitag komme auch kaum noch jemand, so die Helferin. "Die Termine kollidieren mit den Öffnungszeiten der Kleiderkammer. Das ist frustrierend. Die Angebote werden nicht ernst genommen. Man hat das Gefühl, da wird Wasser in den Bach getragen."

Kuhn glaubt Enttäuschung in ihren Worten zu hören und fragt die Frau danach. Dann sagt sie: "Die kriegen von mir alles Herzblut. Aber normalerweise darf niemand hinter die Kulissen schauen. Ich betreue auch Flüchtlinge aus Syrien hier. Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Mein Syrer kommt und sagt: ‚Sprechen, sprechen, sprechen.‘ Der will."

Doch hier in der alten Grundschule ist es anders. Manche der Bewohner würden bis spät in die Nacht "Rambazamba" machen und würden dann bis mittags im Bett liegen. "Die Kinder schlafen morgens in der Schule ein", so die Helferin.

Politisches Entsetzen und Drohungen

Kuhns Besuch wurde zuvor nicht mit der Stadt Horb und dem zuständigen Landratsamt Freudenstadt abgesprochen. Der Oberbürgermeister der Stadt, Peter Rosenberger (CDU), ist entsetzt ob des politischen Husarenstücks und spricht von einem "starken Stück".

Es sei eine Frechheit, jemanden dorthin einzuladen, ohne die Stadt zu fragen, so der OB. "Das wird Konsequenzen haben", droht er, wohl in Richtung von Gemeinderat Hermann Walz, dem einzigen Gemeinderat der Unabhängigen Liste Horb (ULH).

Landrat Klaus Michael Rückert sagte auf Medienanfrage: "Wir wussten nichts davon, die Kreisverwaltung wurde nicht informiert. Regelmäßig besuchen Abgeordnete die Flüchtlingsunterkünfte. Bei einer Anmeldung ist dann ein Vertreter des Landkreises dabei, der Informationen geben kann." Der unangemeldete Besuch Kuhns habe ihn "sehr verwundert". (Quelle: "Schwarzwälder Bote")(sm)

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