AfD-Fraktionschef Gauland im Interview: „Wer weiß, welche Torheiten die Regierenden in Zukunft begehen“

Epoch Times29. November 2017 Aktualisiert: 29. November 2017 13:31
"Ich will nie einem CDU-Mann oder einem Grünen oder einem SPD-Mann die Hand geben. Denn die haben mich im Wahlkampf behandelt wie den letzten Dreck." Manche Menschen hätten inzwischen solch eine Reaktion entwickelt, erklärt AfD-Fraktionsvorsitzender Alexander Gauland in einem Interview mit dem Tagesspiegel. In dem Gespräch geht er auf höchst brisante Fragen über die AfD und über ihn selbst ein.

„Der Tagesspiegel“ führte ein ausführliches Gespräch mit dem AfD-Fraktionsvorsitzenden Alexander Gauland. Im folgenden finden Sie einige Auszüge aus dem Interview:

Herr Gauland,

Sie lehnen (im Gegensatz zur FDP) ein Einwanderungsgesetz ab? Das würde doch zu einer Begrenzung von Zuwanderung führen.

Ich sehe überhaupt kein deutsches Interesse an einem Einwanderungsgesetz. Wenn man überhaupt darüber nachdächte, müsste es ein Punktesystem nach kanadischem Vorbild geben. Aber ich fürchte, in der Praxis ist so ein Gesetz in Deutschland nicht durchzusetzen.

Welche Zahl würde Ihnen denn vorschweben?

Wir brauchen überhaupt keine Zuwanderung. Wir halten bekanntermaßen eine Obergrenze von null für richtig. 

Heute fliehen Hunderttausende Menschen aus dem Bürgerkrieg in Syrien.

Ja, aber die haben subsidiären, einen vorrübergehenden Schutz und sie müssen wieder zurück, wenn der Bürgerkrieg endet. Deswegen ist der Familiennachzug ja auch völliger Unsinn. Die sollen sich hier gar nicht integrieren. Das wollen wir nicht, denn es widerspricht dem Charakter des vorübergehenden Schutzes.

Sie sehen die AfD als bürgerliche Kraft. Wie wollen Sie die Partei anschlussfähig machen, um Mehrheiten für Ihre Positionen zu bekommen?

Ich will die AfD nicht anschlussfähig machen. Um Gottes Willen.

Aber dann nehmen Sie in Kauf, dass Sie lange Zeit mit Ihren Forderungen in der Opposition bleiben?

Das muss nicht sein. Mir geht es darum, dass eine Koalition nur in Frage kommt, wenn man auf Augenhöhe verhandelt. Und da sind wir mit unseren knapp 13 Prozent bei der Bundestagswahl noch nicht. Aber wir glauben, dass die Politik der anderen Parteien so falsch ist, dass immer mehr Menschen uns wählen. Und wenn wir dann eine bestimmte Stärke erreicht haben, können wir auch Verantwortung übernehmen.

Aber in absehbarer Zeit wird die von Ihnen beschworene Augenhöhe wohl nicht zu erreichen sein.

Es hätte auch niemand gedacht, dass Frau Merkel die Torheit begeht und eine Million Menschen in dieses Land lässt. Das hat uns als Partei groß gemacht. Wer weiß, welche Torheiten die Regierenden in Zukunft begehen.

Und das Wählerverhalten ist volatil. In Sachsen ist die AfD inzwischen stärkste Partei. Da kann es schnell passieren, dass jemand von der AfD Ministerpräsident wird. Das ist dann Augenhöhe. Da kommt es dann darauf an, wie die anderen sich verhalten.

Eine Kooperation kommt für die anderen Parteien schon wegen des Geschichtsbildes der AfD nicht infrage. Im September haben Sie bei Ihrer Rede auf dem Kyffhäuser-Treffen der AfD davon gesprochen, ein Recht zu haben, stolz auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen zu sein. Wollen Sie das Grauen, das Deutschland über Europa gebracht hat, glorifizieren?

Das Grauen war furchtbar, aber ich will den Angehörigen derer, die dort gekämpft haben, zumindest im Nachhinein das Gefühl geben, dass ihre Väter und Brüder nicht nur Falsches gemacht haben. Nach der Rede sind mir alte Mütterchen um den Hals gefallen, die nun die Bilder ihrer Väter und Brüder wieder respektvoll und dankbar ansehen können.

Müsste sich die AfD aus Ihrer Sicht stärker gegen völkische und nationalistische Tendenzen in der Partei abgrenzen?

Ich weiß gar nicht, was völkische und nationalistische Tendenzen sind.

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Sie haben nicht den Eindruck, dass Sie sich radikalisiert haben?

Nein. Ich habe aber den Eindruck, dass es die Gefahr gibt, dass sich Menschen radikalisieren, weil sie ununterbrochen angegriffen werden. Vor allem in den Wahlkämpfen. Manche Menschen haben inzwischen eine Reaktion entwickelt:

Ich will nie einem CDU-Mann oder einem Grünen oder einem SPD-Mann die Hand geben. Denn die haben mich im Wahlkampf behandelt wie den letzten Dreck oder wie Nazis. Und wir sind Rassisten genannt worden. Das gilt für alle, mich eingeschlossen. Ich habe auch einen Teil meiner Freunde verloren, einen Teil meiner Familie.

Sie klingen verbittert. Liegt das auch daran, dass Sie die CDU verlassen haben, weil Sie dort mit Ihren Ansichten nicht mehr durchkamen?

Das hat mit verbittert gar nichts zu tun. Ich hatte in meinem Leben Erfolg. Ich kann der CDU nichts vorwerfen. Mein Gott, ich bin Spitzenbeamter geworden, Staatssekretär, warum soll ich der CDU etwas vorwerfen? Ich bin nie irgendwie belastet gewesen, in der Karriere gehemmt worden. Nichts davon. Warum sollte ich der CDU aus persönlichen Gründen kritisch gegenüberstehen? Ich stehe ihr politisch kritisch gegenüber.

Die CDU wird genauso untergehen wie es bei der Democrazia Cristiana in Italien war. Ich glaube, dass Frau Merkel die CDU in einer Weise geistig entleert hat, ausgehöhlt hat, dass diese Partei irgendwann zusammenklappen wird. Aber ich mit meinen 76 Jahren werde das wahrscheinlich nicht mehr erleben.

Das gesamte Interview finden Sie hier: DER TAGESSPIEGEL

(mcd)

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