AfD-Mann holt im Spendenstreit aus: Diakonie und Kirche „haben das Christentum verraten und verkauft“

Epoch Times28. December 2017 Aktualisiert: 28. Dezember 2017 19:31
"Liebe Diakonie, liebe Sonnenberger Tafel, Sie haben völlig recht: Die Positionen der AfD sind mit denen der Evangelischen Kirche unvereinbar. Die AfD nämlich hält an christlichen Werten fest, während Sie das Christentum verraten und verkauft haben," so AfD-Mann Friesen.

Anfang Dezember besuchte ein AfD-Abgeordneter die Diakonie-Tafel in Sonnenberg und wollte etwas spenden.

Doch die „Sonnenberger Tafel“ will keine Spenden von der AfD. Das Geld wurde dem Politiker dankend zurückgeschickt.

In einem Brief begründen sechs Chefs von Tafel und Diakonie den Schritt damit, dass das „Menschenbild von Diakonie und Kirche mit dem der AfD nicht vereinbar ist“. Mit der Nichtannahme der Spende würden sich die Geistlichen „klar davon abgrenzen.“

Nach dem Vorfall schlugen die Wogen hoch. Viele User in den sozialen Medien zeigten sich von der Entscheidung der Kirche, das Geld für die Bedürftigen nicht anzunehmen, empört. Andere begrüßten den Schritt.

Der betroffene AfD-Politiker Anton Friesen schrieb:

Liebe Diakonie, liebe Sonnenberger Tafel, Sie haben völlig recht: Die Positionen der AfD sind mit denen der Evangelischen Kirche unvereinbar. Die AfD nämlich hält an christlichen Werten fest, während Sie das Christentum verraten und verkauft haben.“

Die „Bild“-Zeitung befragte nun einige Politiker, Tafel-Mitarbeiter und Bedürftige was sie von der Entscheidung der „Sonnenberger Tafel“ halten würden.

„Die Tafel hat vollkommen richtig reagiert“

Der Zeitung zufolge sagte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow von den Linken: „Als Ministerpräsident habe ich dazu nichts zu sagen – aber als Christ habe ich Respekt vor der Entscheidung der Diakonie in Sonneberg. Die Reaktionen von anderen AfD-Politikern auf die Ablehnung, die Beschimpfungen gegen die Kirche, zeigen, dass die Entscheidung der Diakonie richtig war.“

Die Leiterin der Leiterin Tafel Bornheim/Nordend meinte auch, dass die Entscheidung der Diakonie-Verantwortlichen „absolut richtig“ gewesen sei.

Der sozialpolitische Sprecher vom Straßenmagazin „Hinz&Kunzt“ sagte: „Unser Menschenbild unterscheidet sich ebenfalls von dem der AfD. Darum hätten auch wir das Geld nicht angenommen. Wir würden aber das Gespräch suchen, um auch der AfD das Thema Obdachlosigkeit näher zu bringen. Wir nehmen grundsätzlich kein Geld an, wenn damit Politik gemacht werden soll.“

Ein Obdachloser sagte der Zeitung, dass die Tafel „vollkommen richtig reagiert“ hätte. „Ich würde von denen auch nix annehmen. Klar, man kann jetzt sagen, dass es ja ein guter Zweck sei. Aber ich bin auch viel mit Ausländern auf der Platte. Von Leuten, die gegen die was haben, braucht man nix. Wir haben alle das gleiche Blut.“

„Gott öffnet jedem Menschen immer wieder eine Tür“

Es gibt aber auch Stimmen, die meinen, die „Sonnenberger Tafel“ hätte das Geld annehmen sollen.

„Es ist ja eine Spende für einen guten Zweck. Da ist es ja eigentlich egal, woher sie kommt. Auch wenn ich die Partei und deren Ansichten nicht mag. Aber ich hätte das Geld angenommen. Eine Spende ist grundsätzlich eine gute Sache. Und viele sind halt einfach auf solche Gaben angewiesen,“ sagte Kö-Peter, der seit 50 Jahren auf der Platte ist.

Der Diakonie-Präsident Ulrich Lilie sagte der „Bild“: „Von echter Überzeugung getragene Spenden für unsere Arbeit, die sich bedingungslos allen Menschen zuwendet, sind für uns immer Grund zur Freude.“

Peter Hahne, ein TV-Moderator, Bestsellerautor und 18 Jahre Mitglied des EKD-Rates, meinte: „Konsequente Kirchen werden jetzt sicher auch alle Listen durchforschen, um die Kirchensteuer der AfD-Funktionäre und der über 6 Millionen AfD-Wähler zurückzuzahlen. Die AfD kann sich über dieses Weihnachtsgeschenk kostenloser Wahlkampfhilfe nur freuen!“

Ein Bürgerrechtler aus DDR-Zeiten sagte, dass die Aktion der „Sonnenberger Tafel“ „ausgesprochen dumm“ gewesen wäre. „Hier wurde die Chance vertan, zumindest mit dem Mann zu reden. Ohne den Austausch geht es aber nicht. Der konkrete Mensch, der ja offensichtlich den Wunsch verspürte, den Armen zu helfen, wurde ignoriert, seine Anteilnahme nicht ernst genommen.“

Der CDU-Innenexperte Patrick Sensburg sagte der „Bild“: „Nach dem christlichen Glauben eröffnet Gott jedem Menschen immer wieder eine Tür. Wenn jemand etwas Gutes tun möchte, sollte man es annehmen. Klüger wäre es wohl gewesen, mit dem Spender einmal die Zeit im Gespräch zu verbringen und kritisch zu hinterfragen, ob er in der AfD wirklich gut aufgehoben ist.“ (so)

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