Gründungskongress in Gießen
AfD plant neue Jugendorganisation „Generation Deutschland“ - Gießen rüstet sich für Proteste
Am letzten Novemberwochenende will die AfD in Gießen eine neue Jugendorganisation gründen. Parallel dazu formieren sich breite Protestbündnisse, während die Sicherheitsbehörden von einer möglichen Eskalation ausgehen. Die Neugründung soll einen Bruch mit der früheren „Jungen Alternative“ markieren.

Der Landtagsabgeordnete Jean-Pascal Hohm soll Vorsitzender der neuen Jugendorganisation der AfD werden.
Foto: RALF HIRSCHBERGER/AFP via Getty Images
In Kürze:
- AfD gründet am 29./30. November in Gießen ihren neuen Jugendverband „Generation Deutschland“.
- Der Verband ersetzt die im März aufgelöste Junge Alternative und soll eng an die Partei angebunden sein.
- Polizei rechnet mit zehntausenden Gegendemonstranten und möglichen Störungen.
- Linksextreme Gewaltaufrufe sorgen im Vorfeld für zusätzliche Sorge.
Am letzten Novemberwochenende, 29./30. November, will die AfD in Gießen eine neue Jugendorganisation gründen. Damit soll es erstmals seit der Selbstauflösung der „Jungen Alternative“ (JA) zum 31. März des Jahres einen Dachverband für Parteimitglieder unter 36 Jahren geben. Bis zu 6.000 AfD-Mitglieder in dieser Altersgruppe wären berechtigt, sich dem neuen Verband anzuschließen.
Als wahrscheinlicher Name der neuen Organisation gilt „Generation Deutschland“. Als erster Vorsitzender ist der 28-jährige brandenburgische Landtagsabgeordnete Jean-Pascal Hohm vorgesehen.
Neuer Jugendverband steht nur AfD-Mitgliedern offen
Der Bundesparteitag der AfD in Riesa hatte im Januar 2025 mit deutlicher Mehrheit für eine Neugründung einer Jugendorganisation gestimmt. Diese solle enger an die Bundespartei angegliedert sein. Zudem soll – anders als im Fall der Jungen Alternative – die Mitgliedschaft im künftigen Jugendverband nur AfD-Mitgliedern möglich sein.
Ausnahme sollen Jugendliche bilden, die zwischen 14 und 16 Jahre alt und deshalb zu jung für eine Mitgliedschaft in der Mutterpartei sind. Nach dem Beschluss zur Satzungsänderung hatte der damalige JA-Chef Hannes Gnauck selbst die Selbstauflösung vorgeschlagen. Mit deren Inkrafttreten, so Gnauck, wäre die JA ein Verein ohne Parteibindung gewesen, was ein mögliches Verbot erleichtert hätte.
Bereits im April 2023 hatte das Bundesamt für Verfassungsschutz die JA als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft – gemeinsam mit dem Verein „Ein Prozent“ und dem „Institut für Staatspolitik“ (IfS). Letztgenanntes erklärte im Mai 2024 seine Selbstauflösung.
Unterschied zur JA vor allem in „satzungstechnischen Fragen“
Das Verwaltungsgericht Köln erklärte die Einstufung der JA durch den Bundesverfassungsschutz im Februar 2024 im Eilverfahren für zulässig. Auf Grundlage der dort gebotenen summarischen Prüfung kam das Gericht zur Überzeugung, dass sich die tatsächlichen Anhaltspunkte für die Einstufung hinreichend verdichtet hätten.
Als solche nannte das Gericht unter anderem einen „völkisch-abstammungsmäßigen Abstammungsbegriff“ sowie fortgeführte ausländer- und islamfeindliche Agitation. Zudem nannte das Gericht eine vom Verfassungsschutz dokumentierte „Agitation gegen das Demokratieprinzip“ und anhaltende Verbindungen zu verfassungsfeindlichen Vereinigungen. Über eine dagegen gerichtete Beschwerde der JA vor dem Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen (OVG NRW) in Münster wurde infolge der Selbstauflösung nicht mehr entschieden.
Inwieweit sich die neue AfD-Jugend inhaltlich von der JA unterscheiden wird, ist derzeit Gegenstand von Spekulationen. Der Schriftführer des AfD-Bundesvorstands, Dennis Hohloch, erklärte gegenüber „Euronews“, die neue Organisation unterscheide sich „vor allem in satzungstechnischen Fragen von der Jungen Alternative“. Es zeichnet sich in jedem Fall ab, dass die neue Organisationsform der AfD ein höheres Maß an Kontrolle über das Gebaren der Jugendorganisation ermöglichen wird.
Hohm spricht von knapp 2.000 Interessenten für AfD-Jugend
Die im Juni 2013 gegründete JA war als eigenständiger Verein organisiert und musste wie ihre Landesverbände erst durch die Mutterpartei als Jugendorganisation anerkannt werden. Demgegenüber soll die wahrscheinlich als „Generation Deutschland“ bezeichnete neue Gruppierung selbst eine Parteigliederung sein. Als solche ist sie vollständig an die AfD-Satzung gebunden und unterliegt notfalls der Disziplinargewalt der Parteigremien.
Demgegenüber waren „Euronews“ zufolge nur etwa die Hälfte der zuletzt 2.400 JA-Mitglieder auch Mitglieder der AfD. Der designierte neue Jugendchef Hohm erklärte gegenüber dem Medium, es hätten bereits etwa 2.000 AfD-Angehörige erklärt, Mitglieder der neuen Organisation werden zu wollen. Etwa 900 haben sich für die Versammlung am letzten Novemberwochenende in der Hessenhalle angemeldet.
Im Vorfeld der Gründungsversammlung mehren sich in Gießen unterdessen die Bedenken, die hessische Universitätsstadt könne zum Schauplatz gewalttätiger Ausschreitungen werden. Das Aktionsbündnis „Widersetzen“ hat zu Demonstrationen gegen die Gründungsversammlung aufgerufen.
Polizei rechnet mit bis zu 40.000 Gegendemonstranten
Während das Bündnis von 10.000 Teilnehmern spricht, die es zu Kundgebungen erwarte, hält man bei der Polizei Mittelhessen auch bis zu 40.000 Gegendemonstranten für denkbar. Deshalb habe das Polizeipräsidium Mittelhessen auch bereits vor mehreren Wochen einen Vorbereitungsstab eingerichtet.
Ein Bündnis aus Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen hat ebenfalls zu Protesten aufgerufen. Bis zu 180 Busse aus dem gesamten Bundesgebiet wurden einem „Bild“-Bericht zufolge gechartert, um Gegendemonstranten nach Gießen zu bringen. Es könnte auch zu Blockaden der Zufahrtswege kommen.
Während die Organisatoren der Gegendemonstration betonen, es werde „von uns keine Eskalation geben“, ist auf der linksextremistischen Plattform „Indymedia“ ein „anarchistischer Aufruf“ aufgetaucht. Dort soll es eine Ankündigung gegeben haben, „die Stadt Gießen zum Brennen zu bringen“. Zudem sei dort zu Autobahnblockaden und Sabotage an der Hessenhalle aufgerufen worden.
Minister Poseck verurteilt Gewaltaufrufe
Inwieweit der Aufruf authentisch ist, bleibt unklar. Auf „Indymedia“ ist er mittlerweile zum behaupteten Erscheinungsdatum, 2. November, nicht mehr aufzufinden. Die Plattform kann von jedermann zum Veröffentlichen von Texten genutzt werden und wird nicht durchgehend moderiert. Zuletzt ist es am Rande von Gegenkundgebungen zu AfD-Veranstaltungen mehrfach zu Gewalttaten von Personen aus der sogenannten autonomen Szene gekommen – vorwiegend gegenüber Polizeibeamten.
Hessens Innenminister Roman Poseck spricht jedoch ebenfalls von Gewaltaufrufen der extremen Linken mit Blick auf den Kongress. Gegenüber „Bild“ äußerte er:
„Im Vorfeld der Neugründung der AfD-Jugendorganisation gibt es Gewaltaufrufe seitens der linken Szene. Ich verurteile diese Form der Auseinandersetzung der linken Szene sehr deutlich.“
Reinhard Werner schreibt für Epoch Times zu Wirtschaft, gesellschaftlichen Dynamiken und geopolitischen Fragen. Schwerpunkte liegen dabei auf internationalen Beziehungen, Migration und den ökonomischen Folgen politischer Entscheidungen.
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