Die Bekassine ist Vogel des Jahres 2013.Foto: NABU/W. Rolfes

Bekassine ist (Pech-)Vogel des Jahres 2013

Von 12. Oktober 2012 Aktualisiert: 12. Oktober 2012 15:09

The Winner is … mal wieder ein Verlierer. Zum Vogel des Jahres wird ja immer eines der Vogel-Arten gewählt, die massiv an Bestand verloren hat. Meist liegt es am Verlust von Lebensraum. So auch wieder beim Vogel des Jahres 2013, der Bekassine. Die Heimat dieses braunen Schnepfenvogels von der Größe einer Taube sind Moore und Feuchtwiesen, auch Marschlandschaften, Seichtwassergebiete und Sümpfe. Hierfür ist sie perfekt ausgestattet: mit einem sieben Zentimeter langen, geraden Schnabel, mit dem sie im weichen Boden nach Schnecken, Würmern und Insekten stochert.

Halb so viele Brutpaare wie vor 20 Jahren

Moore. Wie viele Orte es wohl geben mag, die einen Moorweg haben, wo aber seit Jahrzehnten weit und breit kein Moor mehr ist. Genau das ist das Problem der Bekassine: 95 Prozent der Moore in Deutschland sind zerstört, aber ein anderes Werkzeug, als diesen Weichbodenbohrer hat die Bekassine nicht. Feuchtwiesen? Die meisten wurden entwässert, um sie nutzbar zu machen, etwa für den Ackerbau. Als wäre das nicht genug, um die Bekassine zum Pech-Vogel des Jahres zu küren, wird die beige-braune Bekassine auch noch vor die Flinte genommen. Nach Angaben von LBV (Landesbund für Vogelschutz in Bayern) und NABU (Naturschutzbund Deutschland e.V.) werden allein in der Europäischen Union jedes Jahr eine halbe Million Bekassinen geschossen. Die Schätzungen für den aktuellen Bestand in ganz Europa schwanken zwischne 930.000 und 1,9 Millionen Brutpaaren. In Deutschland leben heute nur noch 5.500 bis 6.700 Brutpaare – etwa rund halb so viel wie vor 20 Jahren. „Mit der Jagd auf Bekassinen muss endlich Schluss sein. Die Art gehört in der gesamten Europäischen Union dringend ganzjährig unter Schutz gestellt“, fordern der LBV-Vorsitzender Ludwig Sothmann und der NABU-Vizepräsident Helmut Opitz.

Die Bekassine wurde außerdem zur Botschafterin für die Lebensräume Moor und Feuchtwiesen ernannt.Die Bekassine wurde außerdem zur Botschafterin für die Lebensräume Moor und Feuchtwiesen ernannt.Foto: NABU/W. Rolfes

Flugkünstler

Dabei hätte die Bekassine beste Vorraussetzungen, um als Gewinnertyp zu gelten. Mit ihren spektaktulären Kunstflügen, mit denen sie bei der Balz dem anderen Geschlecht imponiert, könnte sie Medaillen gewinnen: im scharfen Zickzack steigt die Bekassine in 50 Meter Höhe und höher auf, kippt dann plötzlich zur Seite und schießt im Sturzflug durch den Wind. Durch das Abspreizen der beiden äußeren Schwanzfedern entsteht bei diesem Sturzflug ein lautes Geräusch, das wie Meckern klingt.

Meckervorgel als Botschafter

Der „Meckervogel“ oder die „Himmelsziege“, wie die Bekassine wegen ihres lauten Meckerns beim Balzflug genannt wird, hätte also allen Grund zu meckern. Und mit ihrer Ernennung zum Vogel des Jahres 2013 „meckert“ die Bekassine gleich für andere Arten mit; etwa für den Großen Brachvogel und die Uferschnepfe. Denn auch denen fehlen die feuchten Lebensräume. Der NABU und der LBV haben die Bekassine darum auch zur Botschafterin für die Lebensräume Moor und Feuchtwiesen ernannt.

Biotope erhalten und wiederherstellen

NABU und LBV helfen, indem sie für die Bekassine und ihre Mitbewohner Flächen ankaufen und diese fachkundig für diese Moor- und Feuchtwiesen-Bewohner herrichten. Außerdem fordern sie von der Politik, Wiesen und Weiden zu erhalten und wiederzuvernässen. Was kann der Einzelne für die Bekassine tun? Keine Blumenerde kaufen, die Torf enthält.

 



Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion