Berlin: 2 Milliarden Euro für Flüchtlings-Wohnungen – Wohnungsnot steigt rasant

Epoch Times3. Juni 2016 Aktualisiert: 7. Juli 2016 15:19
Die Berechnungen des Maklerhauses Aengevelt auf Basis der Zahlen der Bundesregierung lassen erahnen, welch große Herausforderungen bei der ohnehin schon vorherrschenden Wohnungsknappheit in Berlin auf die Bundeshauptstadt noch zukommen.

Den Berechnungen zufolge werden bis zum Jahr 2017 rund 120.000 Einwanderer der aktuellen Migrationskrise in Berlin leben. Für die Unterbringung der Geflüchteten muss das Land knapp 23.000 Wohneinheiten mit einer durchschnittlichen Fläche von jeweils 80 Quadratmetern zur Verfügung stellen – Kostenpunkt: 2,2 Milliarden Euro.

Die nächsten fünf Jahre werde es eine große und dauerhafte Herausforderung für die Stadt, diese Menschenmassen unterzubringen, trotz Wohnungsnot und den explodierenden Zahlen an Wohnungslosen.

Zeitgewinn durch Tempohomes

Es gibt Übergangslösungen, wie zum Beispiel die "Tempohomes". Gerade werden die ersten dieser Container-Unterkünfte gebaut. Am Flughafen Tempelhof sollen vier davon stehen und damit die überfüllten Hangars entlasten.

Damit verschafft sich Berlin einen zeitlichen Spielraum von drei Jahren, denn diese Container-Unterkünfte können nicht dauerhaft als Wohnung herhalten. Wie auch immer: Hier sollen 15.000 Menschen vorerst eine Bleibe finden.

Für viele der Zuwanderer werden diese Container Heimat über Jahre sein. Doch Berlin arbeitet auch an langfristigen Wohnmodellen.

Mufs – Die Asyl-Plattenbauten

Neben der traditionellen Methode der Wohnungssuche werden für 24.000 Menschen sogenannte Mufs gebaut. Die ersten beiden befinden sich bereits im Bau und sollen Platz für 900 Personenbieten.

Diese Modularen Unterkünfte, also industriell vorgefertigte Plattenbauten, reichen aber bei Weitem nicht aus, den Platzbedarf der Neu-Berliner zu decken.

"Wenn wir die Mufs abziehen, bleibt ein Bedarf von 17.000 Wohnungen", rechnet Walter Zorn vom Maklerhaus Aengevelt, welches die Untersuchungen durchführte.

Bis 2017: 120.000 Geflüchtete in Berlin

Als Basis der Berechnungen wurde ein rechnerischer Bedarf von 15 Quadratmetern pro Person genommen. Die Rechnung geht bei Familien mit Kindern gut auf. Für Ein-Raum-Wohnungen für allein Geflüchtete passt dies aber schon nicht mehr.

Doch wie kommen die Makler auf eine Zahl von 120.000 in Berlin verbleibenden Migranten? Zorn glaubt, dass die Zahlen realistisch sind. Er greift auf die Zahlen des BAMF zurück und wendet den "Königsteiner Schlüssel" zur Verteilung der Einwanderer durch Bund und Länder an.

Die hohe Zahl an Personen begründet Zorn damit, dass, "wer eine geringe mutmaßliche Anerkennungsquote zum Maßstab" nehme eine "unmittelbare Abschiebung von Tausenden" voraussetze. Bisher käme es aber nur vereinzelt zu Abschiebungen.

Die meisten der Geflüchteten bleiben vorerst im Land: 50.000 waren es 2015, in diesem Jahr sei mit 35.000 zu rechnen, ebenso im Folgejahr, wobei dann der Familien-Nachzug den Zuzug präge.

Neubauten, Altbau-Sanierungen und bestehende Wohnungen

Die Schaffung von Neubauten berechnete Zorn "konservativ" mit 1.200 Euro pro Quadratmeter, was einem eher moderaten Durchschnittswert entspräche. 

Rund 30 Prozent der Wohnungen würden als Neubau entstehen, weitere 30 Prozent entstünden durch gründliche Sanierung von Altbauten, weitere 30 Prozent durch weniger aufwendige Sanierungen. Bei den verbleibenden zehn Prozent genügen Schönheitsreparaturen an bestehenden Wohnungen.

Problem Notunterkünfte

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Die große Frage ist allerdings: Woher kommen diese ganzen Wohnungen? Darauf weiß die Studie auch keine Antwort. Vielleicht aus leer stehenden Bürobauten. Diese würden allerdings einen eher schlechten Wohnstandard bieten.

Viele der Migranten würden noch in Notunterkünften untergebracht sein, beispielsweise in Turnhallen. Der Senat plane diese bis Ende des Jahres wieder freizumachen. Die darin befindlichen rund 9.000 Menschen sollen dann in die sich im Bau befindlichen Container-Wohnungen umziehen oder in anderen Notunterkünften untergebracht werden, wie der Messehalle am ICC.

Doch auch die Messehalle muss mittelfristig auch wieder für den Geschäftsbetrieb frei werden, ebenso die anderen 90 Notunterkünfte, inklusive der 58 Turnhallen.

Wohnungsnot steigt rasant

Die Modularbauten und die Container könnten zusammen Platz für etwa 40.000 Menschen bieten, gerade einmal ein Drittel der benötigten 120.000 Plätze bis 2017.

Die Berliner Senatsverwaltung zählte 2015 rund 55.000 Migranten, die in der Hauptstadt blieben. In diesem Jahr kamen schon weitere 11.000 Menschen dazu. 

Einige wenige konnten in reguläre Wohnungen wechseln. Von Januar bis April zogen 1.234 Personen in 513 Mietwohnungen um. Weiterhin leben rund 3.000 Menschen in Unterkünften der Sozialverwaltung, obwohl sie sich inzwischen selbst auf dem Markt versorgen müssten. Doch sie finden keine Wohnung.

Immer mehr sind wohnungslos

Auch die Zahl der als "wohnungslos" gemeldeten Menschen explodiere in den Bezirken. Wurden Ende 2014 noch 10.000 Wohnungslose gezählt, stieg diese Zahl bis Ende 2015 auf 17.000 an. Der größte Teil des Anstiegs dürfte auf anerkannte Flüchtlinge zurückzuführen sein.

Momentan leben rund 40.000 Menschen in Unterkünften des Senats: 25.000 in den 98 Notunterkünften, 12.500 in 46 Gemeinschaftsunterkünften und 2.600 in den Erstaufnahmestellen.

Mittelfristig scheinen Gemeinschaftsunterkünfte am ehesten für die Unterbringung geeignet. Ihr Vorteil: separate Einzel- und Doppelzimmer, Gemeinschaftsküchen für eine eigenständige Verpflegung und ein Platz von neun Quadratmetern pro Person im Einzelzimmer und 15 Quadratmeter im Doppelzimmer. (Quelle: "Tagesspiegel")(sm)