Berlins Bürgermeister bei Breitscheidplatz-Demo: „Wollen tolerantes, weltoffenes und lebenswertes Berlin für alle“

Von 16. März 2017 Aktualisiert: 16. März 2017 19:49
Unter dem Motto „Religionen für ein weltoffenes Berlin“ fand in Berlin heute ein Friedensdemo vor der Gedächtniskirche statt. Bürgermeister Michael Müller hielt eine Rede. Eine jüdische Organisation warnte im Vorfeld vor islamistischer Beteiligung.

+++ Ende des Live-Tickers +++

18:37  Jetzt haben sich die verschiedenen Gruppen mit je einem Vertreter auf der Bühne aufgestellt. Es folgen Ansprachen/Gebete in verschiedenen Sprachen. Ein jüdischer Vertreter macht den Anfang. Danach ein Vertreter der syrisch-orthodoxen Christen in deutscher Sprache, stellvertretend für alle Christen. Ein Imam der schiitischen Gemeinde vertritt die Muslime (und zwar alle Muslime aller Strömungen, so der Moderator). Er bittet um Eintracht, Wohlwollen und Friedlichkeit für alle Völker. Danach ein Hindu-Priester und weitere.

Ein gemeinsames Foto wird gemacht. Die Veranstaltung endet mit Musik.

18:31  Nun singt der vor einundhalb Jahren gegründete Berliner „Begegnungschor“ das Lied „We want Peace“. Jeder Altberliner dürfe dort nur mitmachen, wenn er einen Neuberliner mitbringe. Deshalb sei Begegnung dort Programm.

18:25  Michael Müllers Rede:

Am 19. Dezember sei der Breitscheidplatz ein Ort des Schreckens und der Trauer gewesen. Heute treffe man sich um zu Trauern und zu Gedenken. Die Täter solcher Verbrechen versuchten die Gesellschaft zu spalten. Gegen diesen Missbrauch von Gewalt und Spaltung zwischen Religionen setze man heute ein eindeutiges Zeichen des Zusammenhalts. Es gehe bei dieser Kundgebung um das ernste Versprechen, „Verantwortung für unser Zusammenleben zu übernehmen“, so der Bürgermeister.

Wir wollen ein tolerantes, ein weltoffenes und lebenswertes Berlin für alle.“ Während nationalistische und populistische Kräfte Aufwind verspürten, würde man für Demokratie eintreten. Man bekenne sich für Glaubens- und Religionsfreiheit für alle.

Jeder, der hier lebt, soll sagen können: Das ist meine Gesellschaft, das ist meine Demokratie, ich gehöre dazu“, so Müller.

Es genüge nicht, zu Hause vom Sofa aus das Elend der Welt zu beklagen. Man müsse etwas tun. Bei dieser Kundgebung komme es zu aktiver Begegnung.

Nichts rechtfertige, Religion als politische Waffe einzusetzen und Menschen gegeneinander aufzuhetzen, bekräftigt er noch einmal.

Danke für Ihren Einsatz für unseren Zusammenhalt in dieser Stadt“, schließt Müller, der das unten zitierte Gauck-Zitat sehr wichtig nannte: „Die entscheidende Trennlinie in unserer Demokratie verläuft nicht (…) zwischen Christen, Muslimen, Juden oder Atheisten. Die entscheidende Trennlinie verläuft zwischen Demokraten und Nicht-Demokraten.“

Es liege an jedem einzelnen, dass Berlin so bleibe, wie es ist. „Frei, tolerant, weltoffen und lebenswert.“

18:15  Berlins Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein spricht.

Sie meint, sie sei neulich beim Spazierengehen im Sonnenschein in Berlin auf so viele unterschiedliche Menschen jeden Alters und so vieler verschiedener Sprachen und Kulturen getroffen. Das habe sie mit Glück erfüllt. Und daran erinnert, dass jeder Mensch eine einzigartige Würde habe, die man nicht niedermachen oder ihm absprechen dürfe.

18:14  Der nächste Redner ist ein Imam. Er sagt, es sei die Religion, die uns heute hier zusammen gebracht hat. „Unsere Weltanschauungen und unser Glaube mögen verschieden sein, doch eins vereint uns, wir wollen Frieden.“ Die Gedächtniskirche sei ein Mahnmal dafür, dass sich solch ein Grauen wie der zweite Weltkrieg niemals wiederholen dürfe.

Bezogen auf den Anschlag auf dem Breitscheidplatz sagte er, „das nichts mit was diese Täter anrichten, mit dem Islam gemeinsam“ habe. Der Islam stehe für Frieden. „Die Terroristen aber bringen nur Krieg.“ Der Islam rufe zur Vernunft auf, „aber diese sind dem Wahnsinn anheimgefallen“. Anders als Wahnsinn, könne man solche Taten nicht nennen.

Die Terroristen, die sich Muslime nennen, seien nichts anderes als Handlanger einer faschistischen Ideologie.

Man unterscheide sich durchaus in vielen Fragen. Aber es gebe viele Gemeinsamkeiten, so der Imam.

„Die größte Gemeinsamkeit, Sie, ich, wir alle, möchten einfach nur in Frieden gemeinsam leben. Gott schütze Berlin. Gott schütze uns alle.“

18:07  Germer sagt, die Initiative sei von einer muslimischen Vereinigung gekommen und von der Begegnungsstätte Neukölln. Dafür sei er dankbar. Auch am Tag nach dem Anschlag hätten Muslime von der Ahmadiyya-Gemeinde sofort gezeigt, dass sie für Liebe und Frieden eintreten.

18:00 Die Kundgebung begann schweigend und Teilnehmer stellten Kerzen an der improvisierten Gedenkstätte ab. Dann gingen sie zu einer Bühne, die am anderen Ende des Platzes aufgebaut wurde. Dort spricht nun Pfarrer Martin Germer von der Gedächtniskirche.

+++ Beginn des Live-Tickers +++

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Ein Bündnis christlicher, jüdischer und muslimischer Religionsgemeinschaften veranstaltet heute eine Friedenskundgebung auf dem Breitscheidplatz in Berlin. Die Eröffnungsrede hält Bürgermeister Michael Müller (SPD). Tausend Teilnehmer werden erwartet.

Das Programm:

Bereits für 17.30 Uhr laden die Veranstalter dazu ein, auf dem Breitscheidplatz Opfern religiös motivierter Gewalt weltweit schweigend zu gedenken. Um 18 Uhr beginnt die Kundgebung, die von Michael Müller eröffnet wird. Danach sprechen unter anderem Berlins Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein und Imam Mohamed Taha Sabri. Anschließend gibt es ein gemeinsames Friedensgebet. Es wird außerdem der „Begegnungschor“ singen, der aus Geflüchteten und Berlinern besteht.

Das Motto der Kundgebung lautet: „Religionen für ein weltoffenes Berlin.“ Die Idee kam von der Neuköllner Begegnungsstätte, berichtet die „Berliner Zeitung“. „Wir haben nach interner Diskussion beschlossen, darauf einzugehen“, sagte Pfarrer Martin Germer laut dem Medium. Bei der Veranstaltung kämen Sunniten, Schiiten, die Ahmadiya-Gemeinde und ein Vertreter der Gülen-Bewegung zusammen. „Es ist ja umgekehrt auch so, dass konservative Muslime das, was wir als moderne evangelische Kirche vertreten, befremdlich finden. Wichtig ist, dass wir ein gemeinsames Thema haben“, so der Pfarrer.

Die Liste der Unterstützer der Veranstaltung ist lang (siehe unten).

Jüdische Vereinigung entsetzt

Harsche Kritik kam gestern vom Berliner „American Jewish Comittee“, das in einer Pressemitteilung darauf hinwies, dass drei teilnehmende Gruppen – darunter auch die Neuköllner Begegnungsstätte – vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Außerdem betrifft die Kritik das Interkulturelle Zentrum für Dialog und Bildung (IZDB) und das Islamische Kultur- und Erziehungszentrum Berlin (IKEZ).

Der aktuelle Verfassungsschutzbericht nennt die Einrichtungen von den Muslimbrüdern dominiert, die Koran und Sunna zur Richtschnur des politischen Handelns erheben und die umfassende Anwendung der Scharia sowie die Schaffung eines islamischen Staates fordern. Auch gilt das IKEZ gilt als Treffpunkt von Hamas-Anhängern, die den Staat Israel eliminieren wollen, so die „Berliner Zeitung“.

Deshalb ist das American Jewish Commitee (AJC) entsetzt und spricht von einer „scheinheiligen Veranstaltung“. Es sei „empörend, wenn unter dem Deckmantel einer Friedenskundgebung sich islamistische Akteure beteiligen, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden und in einem Fall sogar eine Nähe zur palästinensischen Terrororganisation Hamas aufweisen.“

„Erstaunt und besorgt“ über Müllers Teilnahme

Insbesondere über die Teilnahme des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller als Ehrengast sei man „erstaunt und besorgt“: „Wir hoffen, dass er seine Beteiligung an der Kundgebung zurückzieht, denn im Umgang mit den Gegnern der liberalen Demokratie darf es keine Missverständnisse geben“, so AJC-Direktorin Deidre Berger in der Pressemitteilung. Auch das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA) schloss sich der Kritik an.

EPOCH TIMES erhielt vom Berliner Rathaus die Bestätigung, dass Michael Müller teilnehmen wird.

Ab 18:00 berichten wir seine Rede im Live-Ticker.

Im Aufruf zur Veranstaltung wurde der scheidende Bundespräsident Joachim Gauck zitiert der am 18. Januar sagte: „Die entscheidende Trennlinie in unserer Demokratie verläuft nicht (…) zwischen Christen, Muslimen, Juden oder Atheisten. Die entscheidende Trennlinie verläuft zwischen Demokraten und Nicht-Demokraten. Es zählt nicht die Herkunft, es zählt die Haltung.“

Unterstützer der Veranstaltung:

Martin Germer, Pfarrer der Evangelischen Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche

Dr. Gerdi Nützel – Interreligiöse Initiative „Religionen auf dem Weg des Friedens“

Dr. Andreas Goetze, Landespfarrer interreligiöser Dialog in der Evang. Kirche Berlin Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO)

Generalsuperintendentin der Evangelischen Kirche Berlin- Brandenburg-schlesische- Oberlausitz

Dr. Thomas Schimmel, Geschäftsführer franziskanische Initiative für Religions- und Kulturdialog 1219 e.V.

Bernd Streich, Vorsitzender des Diözesanrats der Katholiken im Erzbistum Berlin

Thorsten Schacht, Landesverband Berlin- Brandenburg im Bund Evangelisch- Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland K.d.ö.R.

Koordinierungskreis des Berliner Forums der Religionen

Rabbiner Elias Dray, jüdische Gemeinde Amberg

Salam-Schalom-Initiative

Christine Hoffmann, Generalsekretärin von Pax Christi Berlin (Internationale Katholische Friedensbewegung)

Haladhara Thaler, Hindu Gemeinde – Koordinierungskreis Berliner Forum der Religionen

Ranjit P. Kaur, freundinnen und Freunde des Berliner Forums der Religionen e.V.

Bernhard Heider, Geschäftsführer Leadership Berlin – Netzwerk Verantwortung e.V.

Dr. Martin Ramstedt, Deutsche Buddhistische Union (DBU)

Juanita Villamor-Meyer, Geschäftsführerin Berliner Forum der Religionen

Imam Ahmad Arif, Ahmadiyya Muslim Jamaat Khadija Moschee in Berlin

Imam Osman Örs, Forum Dialog Berlin, Koordinierungskreis des Berliner Forums der Religionen

Islamische Föderation Berlin e.V. (IFB)

Interkulturelles Zentrum für Dialog und Bildung (IZDB Berlin e.V.)

Islamisches Erziehungs und Kulturzentrum (IKEZ e.V.)

Inssan e.V.

Initiative Berliner Muslime e.V. (IBMUS e.V.)

Islamisches Jugendzentrum Berlin e.V. (IJB e.V.)

Zentralrat der Muslime (ZMD)

Musikalische Gestaltung durch das Begegnungschor