Berlin: Gangs machen Alexanderplatz unsicher – Starker Anstieg von Brennpunkt-Gewalt – Polizei schweigt

Von 15. September 2017 Aktualisiert: 15. September 2017 23:38
An bestimmten Brennpunkten verdoppelte sich die Gewalt fast innerhalb der letzten acht Jahre. Weist diese Entwicklung auf eine gesamtgesellschaftliche Veränderung hin? Haben diese Hotspots der Kriminalität eine Indikatorfunktion?

Mord, Totschlag, Körperverletzung, Raub, Vergewaltigung & Co.: Berlin wird von einer seit Jahren ansteigenden Flut von Gewaltverbrechen erschüttert. Andersherum: Der Sicherheitspegel der deutschen Hauptstadt sinkt dramatisch ab.

Dieses Phänomen wird in dieser Dramatik bisher nur an den bekannten Kriminalitätsschwerpunkten verzeichnet. Doch sagt man nicht, dass der Damm an der schwächsten Stelle zuerst bricht?

Banden-Aktivitäten am Alexanderplatz – Polizei ratlos?

13. September 2017: Gegen 17.50 Uhr attackierte ca. 500 Meter vom Fernsehturm entfernt in der Karl-Liebknecht-Strasse im Park am Marx-Engels-Forum eine größere Gruppe vier junge Männer (26, 23, 20, 20). Der 26-Jährige war zuvor aus der Gruppe heraus gefragt worden, ob er eine Zigarette habe. Als er dies verneinte, wurde er von diesem Mann mit Schlägen und Tritten angegriffen. Als der Attackierte zu Boden ging, griffen ihn weitere Gang-Mitglieder an. Seine drei Begleiter wurden von den übrigen Personen aus der Bande festgehalten und standen nach eigenen Angaben unter Schock. Der 26-Jährige wurde mit Prellungen an Kopf und Oberkörper ins Krankenhaus gebracht und ambulant behandelt.

13. September 2017: In der Panoramastraße neben dem Alexanderplatz wurde gegen 1.50 Uhr eine Frau von fünf Männern bedrängt. Ein Augenzeuge (23) ging daraufhin auf die Gruppe zu, um der Frau zu helfen, berichtet die Polizei. Daraufhin wurde er sofort mit Pfefferspray ins Gesicht gesprüht und mit Fäusten zu Boden geschlagen. Dann traten die Mitglieder der Gruppe mehrfach auf den am Boden liegenden jungen Mann ein und flüchteten unerkannt. Die zum Glück nur leichten Verletzungen des couragierten Helfers wurden noch vor Ort von Rettungskräften behandelt.

10. September 2017: Zwei Verletzte meldet die Polizei Berlin bei Konflikten zwischen zwei Gruppen am Alexanderplatz. Im Nahbereich der „Wasserspiele“ gerieten rund 30 Personen aneinander. Auf einen verbalen Streit folgte eine Massenschlägerei mit Reizgaseinsatz. Nebenbei wurde ein 25-Jähriger ausgeraubt und mit Reizgas ins Gesicht gesprüht. Ein an der Schlägerei Beteiligter (30) erlitt einen Nasenbeinbruch durch eine Flasche. Acht Tatverdächtige zwischen 15 und 25 Jahren wurden festgenommen und nach erkennungsdienstlichen Maßnahmen laufen gelassen.

9. September 2017: Gegen 0.30 Uhr gerät eine zehnköpfige Gruppe mit einer zwanzigköpfigen Gruppe am Alexanderplatz aneinander. Flaschen und Messer kommen bei einer Massenschlägerei zum Einsatz. Die Polizei kann acht Tatverdächtige zwischen 15 und 27 Jahren vorläufig festnehmen. Vier Personen erlitten dabei Schnitt- und Stichverletzungen. Ein 13-Jähriger, der offenbar zufällig vorbeikam, wurde mit einem Messer am Gesäß verletzt. Ein 18-Jähriger musste mit einem Messerstich im Rücken notoperiert werden, berichtet die Polizei.

6. September 2017: Ein 21-Jähriger bittet gegen 21 Uhr die Polizei um Hilfe, weil er am Alexanderplatz angegriffen wurde. Er hatte sich mit Freunden in der Nähe der Kirche befunden, als sie von einer 20-köpfigen Gruppe zunächst verbal attackiert und mit Reizgas besprüht wurden. Bald darauf wurde der junge Mann von einem Mann (27) aus der Gruppe mit dem Messer am Arm verletzt. Die Gruppen liefen dann auseinander. Der 21-Jährige musste zur stationären Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden. Die Kriminalpolizei ermittelt.

Als unsere Redaktion schriftlich bei der Polizei nach der Herkunft der Tätergruppen der Angriffe vom 6. bis 10. September fragte, ob Zusammenhänge zur aktuellen Flüchtlingskrise zu erkennen seien und ob es sich möglicherweise immer wieder um dieselben Banden handelt, bekamen wir auch nach Tagen keine Antwort. Auch nicht auf die Frage, was die Polizei gegen die Eskalation der Gewalt in den letzten Tagen tun werde. Zwischenzeitlich ereigneten sich zwei weitere Gang-Straftaten am 13. September.

Offenbar sollen hier Hintergründe und Zusammenhänge – vielleicht weil die Bundestagswahlen ins Haus stehen – verheimlicht werden. Da die neue Polizeiwache am Alexanderplatz erst im Dezember fertiggestellt sein soll, bleibt die Frage offen, wie mit diesen Bandenaktivitäten bis dahin verfahren werden soll.

Alexanderplatz – Platz der Kriminalität

Der Berliner Alexanderplatz führt die Top Ten der besonders „kriminalitätsbelasteten Orte (kbO)“ an – zurecht. Im Juni musste die Berliner Polizei auf Senatsanweisung diese Top Ten mit Zahlen veröffentlichen. Wie dem Datenmaterial zu entnehmen ist, gibt es deutlich mehr Gewaltverbrechen wie noch vor einigen Jahren, was sich auch in Zahlen ausdrücken lässt.

Aus den Daten, die dem „RBB“ vorliegen, geht folgende Polizei-Statistik für den Alexanderplatz und die beiden anderen führenden Kriminalitäts-Hot Spots Kottbusser Tor und Warschauer Brücke hervor.

Deutlich zu erkennen ist ein markanter Anstieg der Kriminalität in den Jahren 2014/2015, auf den man offenbar erst im Verlauf des Jahres 2016 eindämmend reagieren konnte. Wurde die Polizei Berlin von etwas kalt überrascht?

2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016
Alexanderplatz 4.164 3.966 4.356 4.832 4.949 4.977 6.849 8.644 7.820
Kottbusser Tor 3.304 3.732 3.090 3.534 3.229 3.600 4.614 5.645 6.027
Warschauer Brücke 2.165 2.237 2.383 2.799 3.491 3.892 5.291 6.677 4.562

Für den Alexanderplatz bedeutet das, dass einen Anstieg von 2008 auf 2016 um den Faktor 1,87. Dies stellt fast eine Verdoppelung der Straftaten in diesen acht Jahren dar. Vor der „Eindämmung“ im Jahr 2016 wurde mit dem Höchstwert von 2015 sogar ein Faktor von knapp 2,08 erreicht oder eben 208 Prozent des 2008-Wertes.

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Besonders markante Sprünge machten die Deliktbereiche Laden- und Taschendiebstahl in den Jahren 2014-2016. Stabil auf hohem Niveau blieben die Rohheitsdelikte, wie Körperverletzung, Raub, Mord, Totschlag, Vergewaltigung und andere Sexualdelikte.

Laden-

diebstahl

Taschen-

diebstahl

Drogen

Rohheits-

delikte

2008

591

413

71

463

2013

806

771

193

601

2014

1.187

1.128

291

574

2015

1.944

1.779

216

635

2016

1.773

1.885

266

636

Neue Polizeiwache am Alex

Vergangenen Donnerstag wurde der erste Spatenstich für den Bau einer neuen Polizeiwache auf dem Alexanderplatz gesetzt. Anwesend waren neben Innensenator Andreas Geisel, SPD, Polizeipräsident Klaus Kandt sowie Vertreter des Bezirks und der Bundespolizei, wie die „B.Z.“ berichtete. Die geplante Kombi-Wache solle Mitte Dezember in Betrieb gehen und verschiedene Behörden in einem 70 Quadratmeter großen Gebäude vereinen.

Seit dem gewalttätigen Angriff auf den 20-jährigen Jonny K. im Oktober 2012, der zum Tod des jungen Mannes führte, erhöhte die Polizei ihre Präsenz am Alex. Tagsüber und an den Wochenenden auch nachts steht hier das Kontaktmobil, ein mit Polizisten besetzter Bus.

Zur Erinnerung: Jonny K. traf mit drei Freunden nach einer Geburtstagsfeier in einem Club am Fernsehturm am Alexanderplatz auf eine sechsköpfige Gruppe „Südländer“, wie der „Tagesspiegel“ schrieb. Diese seien aus dem Lokal „Cancun“ gekommen, in dem in dieser Nacht eine Party mit einem türkischen Sänger stattfand. Es kam zum Streit, bei dem u.a. Jonny K. am Boden mehrfach gegen den Kopf getreten wurde. Er starb nach Tagen im Koma.

Festnehmen, laufen lassen, festnehmen …

Der Polizist auf der Straße steht dem offenbar relativ machtlos gegenüber. Als beispielsweise im Mai aggressive afghanische Flüchtlinge in der U7 randalierten und außerhalb des Bahnhofs noch eine Frau vom Fahrrad traten, mussten sie letztendlich doch wieder laufen gelassen werden.

Damals sagte ein Polizist:

Die haben wir jede Woche, müssen sie immer wieder laufen lassen. Das ist frustrierend.“

(Polizist)

Laut dem innenpolitischen Sprecher der FDP, Marcel Luthe (39) werde oft nicht einmal versucht, einen Haftbefehl zu erwirken.

So können mehrfach straffällige, auch abgelehnte Asylbewerber unbehelligt immer weitere Straftaten begehen. Wir schulden auch unbescholtenen Asylbewerbern eine konsequente Durchsetzung des Rechts gegenüber diesen Straftätern, um allen Menschen die Sicherheit zu bieten, die sie von Deutschland erwarten.“

(Marcel Luthe, FDP, innenpolitischer Sprecher)

Der ehemalige Bürgermeister des Berliner Problem-Bezirks Neukölln, Heinz Buschkowsky, spricht aus, was die Politiker nicht auszusprechen wagen.

Siehe auch:

Gegen deutlich gestiegene Kriminalität: Berliner Alexanderplatz bekommt eigene Polizeiwache 

Berlin: Alexanderplatz, Görlitzer Park, Kottbusser Tor & Co. – Polizei musste Liste der kriminellen Orte (KBO) veröffentlichen

Berlins neue Drogenpolitik: Das Ende der alten Null-Toleranz-Strategie im Görlitzer Park – Polizeieinsätze weiter reduziert

Nach Willkommenspolitik folgt Massenüberwachung: Städtebund will mehr Videoüberwachung und weniger Datenschutz

Berlin: 250 Antänzer, 700 Delikte dieses Jahr – Enthemmer „Rivotril“ auf Rezept für traumatisierte Flüchtlinge

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