Birgit Kelle.Foto: screenshot/youtube/Tichys Einblick

Birgit Kelle warnt vor Legalisierung der Leihmutterschaft: „Wir steigen ein in den Kinderhandel“

Von 26. November 2019 Aktualisiert: 26. November 2019 17:14
Die FDP fordert die Legalisierung der Leihmutterschaft in Deutschland und erhält dafür Beifall von links. Publizistin Birgit Kelle hält dies für einen Zivilisationsbruch. Dass von einer „nicht kommerziellen“ Lösung die Rede sei, mache es im Zweifel noch schlimmer.

Im Gespräch mit Roland Tichy, dem Herausgeber des Magazins „Tichys Einblick“, hat die Publizistin Birgit Kelle scharfe Kritik an der Forderung der FDP geübt, allen Menschen „unabhängig vom Familienstand den Zugang zu reproduktionsmedizinischen Angeboten“ zu ermöglichen. Gemeint ist damit vor allem die sogenannte Leihmutterschaft.

Aus Sicht der FDP sei darin überhaupt kein Problem zu sehen. Dem technologischen Fortschritt, der diese Formen der Sicherung von Nachwuchs faktisch ermögliche, müsse nach deren Einschätzung auch ein „gesellschaftlicher Fortschritt“ folgen, der dessen Nutzung auch akzeptiere. Auf der Webseite der Liberalen heißt es dazu:

„Das Kindeswohl hängt von der Liebe der Eltern ab, nicht von der Art der Zeugung. Der Staat sollte sich aus den intimen Angelegenheiten heraushalten und freie Entscheidungen ermöglichen, die ethisch vertretbar sind. Eizellspenden und nichtkommerzielle Leihmutterschaft sind in vielen Staaten der EU bereits legal und sollten auch in Deutschland unter Auflagen erlaubt werden.“

Nicht anders als beim Autokauf

Birgit Kelle hingegen hält diese Entwicklung für einen ethisch-moralischen Dammbruch. Sie spricht von „Kinderhandel“. Kinder seien zu einem Objekt der Begierde geworden. Der nächste Schritt nach der „Ehe für alle“ wäre das „Kind für alle“. De facto würden Eizellen, Frauen, die Kinder austragen, und die Kinder selbst nicht anders gehandelt als Kraftfahrzeuge:

Was passiert da? Ein Paar bestellt ein Kind, eine andere Frau muss das Kind ‚ausbrüten‘, Klinik und Arzt werden bezahlt, dann geht es ab damit nach Hause, das ist nichts anderes als mit einem Auto.“

Auch die Ansprüche seien hoch. Es gebe regelrechte Kataloge, in denen nach bestimmten Kriterien ein „Designerkind“ ausgesucht werden könne. Dies habe zur Folge, dass eine Mutterschaft nicht einmal mehr bestimmbar bleibe – etwa wenn die Eizelle einer Frau aus Polen einer Frau aus Indien zum Ausbrüten eingesetzt werde, um einem lesbischen Paar aus den USA ein Adoptivkind zu ermöglichen. Das „Design“ lasse sich über die Agenturen bestimmen. Dies führe so weit, dass die falsche Hautfarbe eines Kindes zu Schadensersatzklagen berechtigen würde.

Dass es eigene Kataloge für Eizellen und Leihmütter gebe, habe den Zweck, zu verhindern, dass zwischen den Müttern und dem Kind eine emotionale Bindung entstehe. „Wir initiieren Schwangerschaften, bei denen von vornherein darauf geachtet wird, dass keine Muttergefühle entstehen“ – für Birgit Kelle ein Zivilisationsbruch.

„Jeder soll alles haben dürfen“ macht Frauen und Kinder zu Verlierern

„Wir verurteilen Organhandel, aber Kinderhandel durch Leihmutterschaft ist in Ordnung“, fügt sie hinzu. In Indien hätten die Frauen, die die Kinder austragen, auch keine Rechte, der Westen nutze arme Frauen aus und verkaufe dies hier als „Ermöglichen“ eines Kindersegens für Menschen, die auf natürlichem Wege keinen Nachwuchs bekommen könnten.

Tatsächlich sei die Leihmutterschaft die „letzte finale Degradierung der Frau durch Reduzierung auf ihre Geschlechtsmerkmale“ – in den USA werde treffenderweise von „Rent-a-womb“ gesprochen. Die Idee des „Jeder muss alles haben dürfen“ mache Kinder und Frauen zu Verlierern: „Jetzt wird nicht mehr nur Sexualität, sondern auch ihre Fruchtbarkeit ausgebeutet.“

Dass die FDP nur die „nicht kommerzielle“ Leihmutterschaft zulassen möchte, mache die ganze Sache nur noch schlimmer: „Der beteiligte Arzt, die Klinik und die Agentur stellen ja trotzdem ihre Rechnung – die einzige, die dann leer ausgeht, ist diejenige, die die eigentliche Arbeit macht, nämlich die Frau selbst.“

Das Argument, dass die Leihmutterschaft in vielen Ländern legal ist und sich Deutschland nur internationalen Standards anpassen würde, zieht aus Kelles Sicht nicht:

„Auch internationale Standards sind unbeachtlich, wenn etwas gegen unsere moralischen Grundüberzeugungen geht. […] Bei Sklaverei oder Organhandel würden wir ja auch nicht mitgehen. Und auch bei der Atomkraft gehen wir ja einen Sonderweg.“


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