„Bombeneinschlag im politischen Establishment“: Klartext eines Schweizers zum deutschen Wahlergebnis

Epoch Times27. September 2017 Aktualisiert: 27. September 2017 16:04
Trotz der permanenten „Selbstzerfleischung“ der AfD aus dem Stand ein zweistelliges Ergebnis zu erreichen, das sei Ausdruck eines „großen Unbehagens mit den herrschenden Verhältnissen“, weiß der Schweizer Chefredakteur der "Weltwoche", Roger Köppel. In einem Videobeitrag erklärt er seine Sicht der Dinge in Bezug auf die deutschen Wahlen.

Roger Köppel, Chefredakteur der Schweizer „Weltwoche“ freut sich, dass nach den Bundestagswahlen in Deutschland endlich wieder eine „parteipolitische Vielfalt“ herrscht. Auch freue er sich, dass der „Mehltau dieser Einheitsbrei-Koalition – die sich wie Blei, wie eine Art Schleiernebel über das Land gelegt hatte – jetzt etwas zerstoben wird.“ Jetzt gebe es endlich wieder Wettbewerb, Auseinandersetzung, unterschiedliche Perspektiven, unterschiedliche Parteien, die um Lösungen ringen – das sei für Deutschland eine positive Sache.

Der Schweizer Journalismus-Fachmann weiß, wovon er spricht. Er sei selbst ein Deutschlandkenner, einer der schon als Kind vor vielen Jahrzehnten die heftigen Polit-Debatten im deutschen Fernsehen miterlebt habe. Durch das diesjährige Wahlergebnis sei den Deutschen endlich ein Befreiungsschlag gelungen gegen das „Konsens-Kartell“, jetzt würden plötzlich diese „Zwangsjacken“ wegfallen und die Leute könnten an den Bildschirmen wieder engagierte Politiker erleben.

Martin Schulz als „grawandelnde Karikatur eines Deutschen“

Die „wesentlichen Befunde“ zur Bundestagswahl sieht er in einer „gigantischen Abstrafung für Kanzlerin Merkel – CDU und CSU sei gewaltig das Vertrauen entzogen worden – und die SPD folge dem internationalen Trend, bei dem die Linken „wegschmelzen“ würden. Martin Schulz erinnere ihn dabei an „eine Art grawandelnde Karikatur eines Deutschen“.

Und wer sind die Gewinner? Köppel erkennt insgesamt 23 Prozent „bürgerliche Stimmen“, damit sei die FDP mit ihren rund zehn Prozent und die AfD mit ihren knapp 13 Prozent gemeint.

Und hier die ganz persönliche Analyse des Journalisten:

Die FDP sei zurückgekommen mit einem aus Köppels Sicht etwas „merkwürdigen Zeitgeistkurs“ und mit Christian Lindner, dem Rhetorik-Genie, das für alle Situationen immer eine geschliffene Lösung aus dem Ärmel schüttele – Köppel bewundere diese Eloquenz.

Größter Sieger die AfD, die aus dem Stand heraus ein zweistelliges Ergebnis erzielen konnte. Köppel: Die AfD, „um die jetzt alle in dämonischer Gebanntheit herumstehen würden wie vor einem gefährlichen Tier“. Dabei möchte er aber mal eines klarstellen:

„Die AFD ist aus meiner Sicht eine bürgerliche Partei, vom Ansatz und vom Ursprung her, der etwas professoral ist. Die AfD ist eine Partei, die damals im Widerstand gegen die Euro-Politik der Kanzlerin stand, dann ist sie im Zuge der Flüchtlingspolitik etwas nach rechts gerutscht.“

„Suizidale politische Manöver“ von Gauland

Natürlich würden da zum Teil Figuren mit herumschwelen, ja da laufe es einem kalt den Rücken herunter, meint Köppel. Das sei zum Teil unglücklich und peinlich.

Vor allem spricht er hier von Gauland, der „in einer Umnachtung plötzlich seinen Stolz auf die Leistungen der deutschen Wehrmacht der Welt öffentlich kundtun musste“. Das seien fast schon suizidale politische Manöver, wenn man das in Deutschland mache, so Köppel.

Doch trotz der permanenten „Selbstzerfleischung“ aus dem Stand ein zweistelliges Ergebnis zu erreichen, das sei Ausdruck eines „großen Unbehagens mit den herrschenden Verhältnissen“, weiß der Schweizer.

Und dann nimmt Köppel Bezug auf den „andauernden Versuch, die AfD in die rechtsextreme Naziecke zu stellen“:

„Ist die Partei gefährlich?“, fragt er. „Ist sie eine Rückkehr der braunen Horden, wie das in den Medien dargestellt wird?“

Köppel selbst: „Ich glaube das nicht. Wenn man sich das Programm der Partei anschaut, wird man als Schweizer nicht viel Anstößiges erblicken. Sie setzen sich für direkte Demokratie ein, sie plädieren für eine vernünftigere Euro-Finanzpolitik, Grenzkontrollen, Zuwanderungspolitik vereinbar mit wirtschaftlichen Interessen – das Programm ist harmlos.“

Sie spüren, dass ihnen die Felle davonschwimmen

Aber es gebe wie bei allen neuen Parteien eben Leute, die nicht dazugehören sollten, und damit müsse die Partei fertig werden, fügt er hinzu.

Aus Köppels Sicht stehe zudem eins fest:

Ein Politiker oder eine Partei, die ernsthaft mit dem Anliegen antreten würde, zurückzugehen in die Zeit von 33 bis 45, die quasi die Nazizeit wieder aufwärmen möchte, so eine Partei hätte keine Chance – da müsste man den Wähler wirklich mit dem Mikroskop suchen. Der Versuch, die AfD dauernd in diese rechtsextreme Naziecke zu stellen, ist Ausdruck der Verzweiflung, und auch irgendwie der Ratlosigkeit der etablierten Parteien. Sie spüren, dass ihnen die Felle davonschwimmen, sie sehen auch, dass die AfD die richtigen Themenfelder besetzt, gerade auch mit der Flüchtlingspolitik.  Aber in der Politik darf man nicht zugeben, dass der Gegner recht hat, und wenn man schon keine Argumente hat, dann muss man ihn persönlich anschwärzen, um die Wähler abzuschrecken.“

Sehen Sie hier Köppels Videobeitrag:

(mcd)

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