Boris Palmer.Foto: Christoph Schmidt/dpa

Boris Palmer vs. Greta: „Nein, wir haben Deine Jugend nicht zerstört“

Von 26. September 2019 Aktualisiert: 26. September 2019 19:09
In einem offenen Brief an „Fridays for Future”-Aushängeschild Greta Thunberg würdigt Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer zwar deren Engagement, widerspricht aber ihrer Panikrhetorik und der Behauptung, ältere Generationen hätten ihr die Jugend zerstört. Stattdessen habe die heutige junge Generation bessere Chancen und Lebensbedingungen als alle vorhergehenden.

Seit 2006 ist Boris Palmer Oberbürgermeister von Tübingen. Innerhalb der Partei „Bündnis 90/Die Grünen“ gilt er dennoch als ungeliebte Randfigur. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass er in Fragen der Migrationspolitik und der Integration häufig Position artikuliert, die zwar in der breiteren Bevölkerung anschlussfähig sind, aber kaum in der eigenen Partei.

Am Montag (23.9.) erschien sein Buch „Erst die Fakten, dann die Moral: Warum Politik mit der Wirklichkeit beginnen muss“ – und damit an jenem Tag, an dem „Fridays for Future“-Aushängeschild Greta Thunberg mit einem bizarren Auftritt vor der UNO-Klimakonferenz in New York auf sich aufmerksam machte.

Nun wandte sich Palmer in einem offenen Brief in der „Bild“-Zeitung und nahm sich der Darstellung der 16-Jährigen an, die in New York der versammelten Politiker- und Forschergemeinde stellvertretend für die älteren Generationen vorwarf, diese hätten ihr „die Jugend gestohlen“.

Unmut in sozialen Medien

Diese Aussage hatte bereits in sozialen Medien für Empörung gesorgt. In mehreren Memes wird das privilegierte Leben der aus der urbanen schwedischen Oberschicht stammenden Greta Thunberg dem Schicksal von Kindern in aller Welt gegenübergestellt, deren Leben von Armut, Krieg und Kinderarbeit gekennzeichnet ist.

Palmer greift die Aussage in seinem Text ebenso auf. Dieser ist mit der Anrede „Liebe Greta, keine Panik!“ überschrieben und beginnt mit der obligatorischen Huldigungsadresse an das mediengemachte Weltgewissen:

Du hast der Welt einen unschätzbaren Dienst erwiesen, indem du es fast alleine geschafft hast, den Klimaschutz in Politik und Gesellschaft endlich zu dem zu machen, was er bei nüchterner Betrachtung ist: das größte Menschheitsproblem im 21. Jahrhundert.“

Gerade weil Greta für ihr Alter etwas ganz „Unglaubliches“ geleistet habe, verdiene sie aber auch ernsthaften Widerspruch:

„Nein, wir haben Deine Jugend nicht zerstört. Wir haben eine Welt erschaffen, die bessere Lebenschancen für junge Menschen bietet als jemals zuvor in der Geschichte.“

Weniger Hunger, weniger Seuchen, weniger Kriegstote

In weiterer Folge zählt Palmer Tatsachen auf, die untermauern, dass der Narrativ von der „krisenhaften“ Entwicklung in allen Lebensbereichen, die die Welt geradewegs auf eine „Katastrophe“ und ihren Untergang zusteuern lasse, auch durch ihre beständige und lautstarke Wiederholung nichts an faktischer Grundlage gewinnt.

So sei seit 1970 der Anteil der unterernährten Menschen weltweit von 28 auf elf Prozent gesunken. Krankheiten wie Pocken und Pest seien ausgerottet. Fast hundert Millionen Kriegsopfer im 20. Jahrhundert stünden zwei Millionen in den letzten 20 Jahren gegenüber. Die Lebenserwartung eines Neugeborenen, die im Jahr 1800 noch bei 30 Jahren gelegen habe, liege heute bei 72 Jahren. Im gleichen Zeitraum sei die Kindersterblichkeit von 44 auf vier Prozent gesunken. Palmer dazu:

Diese fast unglaublichen Leistungen sind die Frucht von planvollem Handeln in komplexen und vernetzten Systemen. Staaten, Institutionen und Firmen arbeiten Hand in Hand für bessere Lebensbedingungen der Menschen.“

Zwar ist auch er der Auffassung, man habe „das Wohl der belebten Natur aus dem Blick verloren“, weshalb Greta Thunbergs Warnungen vor Gefahren für die Ökosysteme und vor dem Klimawandel berechtigt und sofortiges Handeln geboten sei.

„Aber: Wir dürfen nicht in Panik geraten!“

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