Londons Finanzmacht und der „Brexit“: Inszenierte Täuschung vor dem Crash?

Epoch Times25. Juni 2016 Aktualisiert: 7. Juli 2016 17:33
Der Brexit ist ein idealer Sündenbock für die Wirtschafts- und Finanzeliten. Egal ob in naher Zukunft schlechte Bilanzen, Pleiten, Massenentlassungen oder Crashs kommen, den „dummen Briten“ kann man jetzt bequem die Schuld geben. Und wer weiß schon, dass die finanzmächtige "City of London" gar nicht zu Großbritannien gehört ...

Wozu der Brexit? Was steckt dahinter? Welche Beziehungen gibt es zur globalen Wirtschaftslage und dem sich abzeichnenden Crash der Finanzindustrie? Einige Autoren im Web hinterfragen diesen Zusammenhang.

Der Brexit war "ein schwarzer Schwan mit Ansage", schreiben die Deutschen Wirtschafts Nachrichten. Sie vermuten hinter dem Brexit eher den „Katalysator eines morschen globalen Finanzsystems“. Er sei kein Konflikt des „Alt gegen Jung“ oder „Stadt gegen Land“ oder „Gebildet gegen Ungebildet“. Der Brexit mache „die Bruchlinie sichtbar zwischen dem einen Prozent und den 99 Prozent auf aller Welt.“

Und weiter: „Der Brexit beendet den Alptraum vom Crash, indem der Crash zur Realität wird.“ Der Brexit ist ein idealer Sündenbock, denn die „dummen Briten“ sind jetzt an allem Kommenden Schuld. „Doch hinter dem Brexit lauert der echte Crash: Er geht nicht auf das Konto von Wutbürgern. Er ist das eiskalte Kalkül von zynischen Geschäftemachern in Politik und Finanzwirtschaft, die bisher noch bei jedem Crash unerkannt und unbestraft geblieben sind.“

Auch die Neopresse nennt den Brexit „eine im Interesse der Finanzindustrie inszenierte Täuschungskampagne“ um von den immer dreisteren Manipulationen an den Finanzmärkten abzulenken. Der Brexit sei deshalb ein noch besseres Mittel als die Fußball-EM, um von der Finanzkrise und einem kommenden Crash abzulenken. Den Menschen werde dabei noch ein bisschen demokratisches Mitspracherecht vorgegaukelt.

Ist Fairness mit Großbritannien erwünscht?

Norwegen und die Schweiz haben ähnliche Beziehungen mit der EU, wie Großbritannien sie nun entwickeln kann. Das kann sehr gut funktionieren wie der Schweizer Franken zeigt. Auch wenn viele komplexe Verträge neu angehandelt werden müssen, wäre es leicht, nun eben auch mit London einen neuen Anfang zu machen.

„Der Preis, den beide Parteien zahlen müssen, ist überschaubar und hält sich die Waage: Die EU bekommt keine Netto-Zahlungen mehr, dafür können die Briten nicht mehr mit- und reinreden“ schreiben die Deutschen Wirtschaftsnachrichten.

Es sollte machbar sein, einen fairen Deal mit Großbritannien und Schottland und nach dem Brexit zu finden. Wie leicht jedoch Menschen – auch über den Nationalismus – aufeinander gehetzt werden können, ist jedoch rund um Griechenland, Russland und der Türkei zu beobachten. Ist ein fairer Deal gewünscht?

Über die Ursachen des Brexit lässt sich gut spekulieren: Vielleicht ist es eine Mischung an Ohnmacht gegenüber Brüssel, der Ablehnung der Migration oder doch eher eine fundierte Sorge bezüglich einem Wirtschaftssystem von falschen Versprechungen? Oder ist es die wachsende Unzufriedenheit der britischen Bevölkerung mit den sozialen und politischen Verhältnissen in ihrem Land?

Fakt ist: Die globale Wirtschaft steckt in einer Krise, das Bankensystem steht am Abgrund. Die Londoner City ist eine exterritoriale Steueroase, die bisher allen für Geldwäsche und Steuerhinterziehung offen stand. Dieses Geschäft wird sich verlagern und abwandern.

Wolfgang Berger: Die City of London ist der mächtigste Staat der Erde

Wolfgang Berger, Ökonom und Philosoph, schreibt: "Kaum jemand weiß, dass die City of London – der größte Finanzhandelsplatz der Welt – exterritoriales Gebiet ist und nicht zu Großbritannien gehört. Wenn die Queen die City of London – im Volksmund „Square Mile" (Quadratmeile) genannt – betreten möchte, muss sie sich wie bei einem Staatsbesuch anmelden."

Und: "Britische Gesetze greifen in der City nicht, die City of London Corporation hat eine eigene Staatlichkeit, eigene Gesetze und überwacht sich selbst. Ihre Manager handeln mit Wertpapieren und Devisen über alle Grenzen hinweg, aber kein Gericht kann sie belangen und keine Regierung ihre Geschäfte kontrollieren."

Politik und Finanzen sind eng verflochten, wie der EU-Gegner Nigel Farage zeigt: „Er war der erste, der bekanntgab, dass die EU-Befürworter gewonnen hätten. Das Pfund schoss in die Höhe. Wenige Stunden später stellte sich heraus, dass das Gegenteil der Fall war. In der Zwischenzeit könnten Spekulanten ein Vermögen verdient haben. Welche Rolle Farage spielte, wird nie bekannt werden“, schreiben die DWN.

Faule Ausrede für alle Finanzkrisen

Banken, Unternehmen, Märkte und Finanzindustrie haben nun das ideale, externe Ereignis, um hausgemachte schlechte Ereignisse, Pleiten, Massenentlassungen und Crashs zu vertuschen.

Die Rentensysteme und Lebensversicherungen in Europa stehen vor dem Zusammenbruch – und keiner redet darüber. 90 Millionen Lebensversicherungen hängen in der Luft, die Rente ist nicht mehr sicher, die Ergo-Versicherung überlegt, das Geschäft mit den Lebensversicherungen in eine eigene Gesellschaft ausgliedern zu wollen – was nicht geschehen würde, wenn diese Gewinn abwerfen.

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Die Zentralbanken kündigten an, die Banken mit Liquidität zu unterstützen – Großbritannien ist stärker verschuldet als Italien. Die britische Regierung wird weitere Einschnitte im Staatshaushalt vornehmen – und hat jetzt ebenfalls die ideale Begründung, während sie den Lebensstandard der breiten Masse weiter senken wird und der Finanzindustrie weiterhin erlaubt, die Märkte nach Belieben zu manipulieren.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag in Großbritannien 2014 die verdeckte Staatsverschuldung bei 410 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – Spitzenreiter ist Irland mit 1.064 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Insgesamt ist Irland damit das am höchsten verschuldete Land in der EU – Griechenland lag im gleichen Zeitraum bei 231 Prozent des BIP. 

Die Neopresse schrieb bereits am 23.Juni dazu: „Die Brexit-Kampagne ist aber nicht nur ein Täuschungsmanöver, sondern auch ein zwischen Politik und Wirtschaft abgekartetes Spiel: Die von Premier Cameron vertretene Finanz- und Wirtschaftselite setzt seit Monaten die ganze Macht der von ihr finanzierten Medien dafür ein, den Ausgang des Referendums zum eigenen Vorteil – also zum Verbleib in der EU – zu beeinflussen.“

Und: „Selbst für den Fall, dass die Entscheidung allen Manipulationsversuchen zum Trotz für einen Brexit ausfallen sollte, ist die Finanzindustrie gerüstet: Sie treibt die Kurse vor dem Referendum auf Rekordhöhen, um der arbeitenden Bevölkerung Europas im Fall einer Niederlage durch Kursstürze zu zeigen: Seht her, was passiert, wenn ihr euch gegen das Diktat der EU auflehnt!"

"Da die EU-Vorschriften für den möglichen Austritt eines Landes eine Übergangsphase von 2 Jahren vorsehen, kann man sicher sein, dass die Finanzelite die Menschen innerhalb dieser Zeit durch Diffamierung, Einschüchterung und unverhohlene Drohungen – unterstützt durch Medien, Politik und weitere Erschütterungen der Finanzmärkte – dazu bringen würde, ihre Entscheidung in einer zweiten Wahl zu widerrufen.“

Die Geldpolitik hat ihre Grenzen erreicht – „Wir können nur beten"

Oder wie Ex-Notenbanker Issing sagte: Die Geldpolitik hat ihre Grenzen erreicht – „Wir können nur beten".

Der Ökonom spricht sich auf „Wallstreet-online“ gegen eine immer engere Zusammenarbeit in Europa aus. „Die EU hat immer mit einem mehr an Integration auf Krisen reagiert. Das überzeugt niemanden mehr. Wir müssen uns sehr genau überlegen, welche Bereiche mit Blick auf die Stabilität der Union unbedingt zentralisiert werden müssen und was in nationaler Hand verbleiben kann oder sogar auf die nationale Ebene zurückverlagert werden sollte.“

Das Referendum ist nicht bindend

Finanzen100.de schreibt zu den Hintertürchen, die sich die britische Regierung offengelassen hat: "Damit ein Referendum die Regierung zum Handeln verpflichtet, muss das ausdrücklich in den Regeln des Referendums festgelegt werden – es ist nicht automatisch so. Nun steht in den Regeln der Brexit-Abstimmung aber eben nicht ausdrücklich, dass sich die Regierung dem Ergebnis beugen muss."

"Cameron könnte also aus der EU austreten, selbst wenn die Mehrheit der Briten das nicht will. Oder eben umgekehrt, in der EU bleiben, auch wenn die Mehrheit hinauswill. Es gibt viele Wege, dies gegenüber der Öffentlichkeit zu begründen. Vielleicht ist der Regierung die Wahlbeteiligung zu niedrig. Vielleicht nutzt sie das Ergebnis, um Druck auf die EU zu machen und einen besseren Deal für Sonderkonditionen auszuhandeln."

Und: Das Referendum kann keinen EU-Austritt in Gang setzen

Die EU hat sich Regeln gegeben, "nach welchem Prozedere ein Staat aus der Gemeinschaft austreten darf. Die wichtigste steht gleich am Anfang: Ein Staat, der austreten möchte, muss dies der Europäischen Kommission melden."

"Konkret bedeutet das, dass die britische Regierung den Prozess manuell in Gang setzen müsste. Ein Referendum kann zwar theoretisch diese Meldung an die Kommission auslösen, aber das muss ein Mitgliedsstaat selbst so festlegen."

Bisher hat es noch keine Meldung der britischen Regierung an die EU gegeben, dass diese austreten möchte. (ks)