Broder zum Erdoğan-Besuch: „Erniedrigendes, unwürdiges Schauspiel“ der Bundesregierung

Von 29. September 2018 Aktualisiert: 11. Oktober 2018 12:46
In einem Interview mit der „Welt“ hat der Journalist Henryk M. Broder kritisiert, dass der türkische Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan „mit einem roten Teppich“ in Deutschland empfangen werde. Es sei schon angebracht, Gespräche zu führen, es gäbe aber keine Notwendigkeit, sich „so tief zu bücken wie die Bundesregierung“.

Der bekannte Journalist Henryk M. Broder hat in einem Interview mit Thomas Klug von der „Welt“ die deutsche Bundesregierung für deren Gebaren im Umfeld des Besuches des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan kritisiert. Auf die Frage, wie aus seiner Sicht ein für beide Seiten zufriedenstellendes Ergebnis aussähe, antwortete Broder:

„Muss es ein Staatsbesuch sein? Wäre ein Arbeitsbesuch wie neulich bei Putin nicht genug gewesen?“

Man könne, so der Kolumnist, mit jedem reden, man müsse auch mit jedem reden. Man könne auch „mit jedem Gauner Geschäfte machen“, aber man müsse sich nicht so tief bücken wie die Bundesregierung.

„Unter der Türschwelle durchgekrochen“

Es sei ein „erniedrigendes, unwürdiges Schauspiel“, das die Bundesregierung vollführe. Mit jemandem, der eine solche Diktatur aufbaue, abgesehen davon, was er außenpolitisch tue, gehe man nicht so um. Broder erklärt, dafür müsse man wirklich nicht unter der Türschwelle hindurchkriechen.

Die wechselseitige Abhängigkeit könne auch nicht der Grund für die Art und Weise sein, in der Erdoğan nun empfangen werde:

„Er braucht uns. Und für das, was er für uns tut, wird er von uns auch bezahlt.“

„Gestern beschimpft er uns als Nazis – heute gehen wir mit ihm essen“

Ganz im Unterbewusstsein, so mutmaßt Broder, spiele es bei unseren Politikern eine Rolle, dass Erdoğan ein Despot sei. So durchregieren, wie er es tut, das mache schon Eindruck. Diese Art der Machtausübung sei brutal, gemein, aber sexy.

Der Ankündigung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, mit Erdoğan auch über die Menschenrechtssituation in der Türkei zu sprechen, misst Broder keine allzu große Bedeutung zu. Es gäbe laufend und konstant schon Gespräche und Beziehungen auf verschiedensten Ebenen. Die Gelegenheit, über etwas zu reden, wäre also permanent da. Dazu müsse man nicht „diesen Zirkus inszenieren“.

Was „ihn als Beutedeutschen“ am meisten ärgere, so Broder, sei jedoch, was Erdoğan schon alles über dieses Land gesagt habe und was er nicht alles unternommen habe, um seine Leute hier aufzustacheln. Die Bundesregierung lasse sich „als ‚Nazi‘ beschimpfen und sich am nächsten Tag zum Essen einladen, das nehme ich ihr übel“.

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