Bundeskanzler Olaf Scholz und Bundesbauministerin Klara Geywitz im Oktober in Berlin.Foto: TOBIAS SCHWARZ/AFP via Getty Images

Bundesbauministerin fordert ein Umdenken beim Eigenheim

Epoch Times16. Dezember 2022
Bundesbauministerin Klara Geywitz hat ihr diesjähriges Ziel, 400.000 neue Wohnungen zu schaffen, verfehlt. Für die weitere Umsetzung hat sie jedoch neue Pläne.

Nach den Worten von Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) wird sich der Traum vom neuen Einfamilienhaus für die nächsten Generationen nicht mehr erfüllen können. „Mathematisch ist das ganz klar. Wenn wir jetzt noch drei, vier Generationen weiterdenken, können wir nicht alle nebeneinander diese Einfamilienhausgebiete haben“, sagte Geywitz im Gespräch mit der „Augsburger Allgemeinen Zeitung“.

Das Problem sei, dass bei einem Hausbau viel zu viel Fläche verbraucht werde. Weil früher die Häuser an die nächsten Generationen weitergegeben wurden, sei dies ein ständiger Kreislauf gewesen, den es so nicht mehr geben würde, so Geywitz.

Um mehr Wohnraum zu schaffen, will die Bundesbauministerin das Ziel der Bundesregierung, jährlich 400.000 Wohnungen zu bauen, nach wie vor umsetzen. Dass das dieses Jahr nicht geklappt habe, sei ein Verschulden der Vorgängerregierung, wie Geywitz dem „Deutschlandfunk“ im Oktober berichtete.

Bestehende Siedlungen nachverdichten und Bestand nutzen

Im Interview mit der „Augsburger Allgemeine“ wird sie zu ihrer Sichtweise bezüglich des „seriellen Bauens“ befragt. Laut Geywitz sei dieser Wohnungsbau „schön und individualisierbar“. „Wir müssen endlich unser Bild vom Fertigbau ändern. Das mag nach einer Kleinigkeit aussehen, ist aber für die Akzeptanz in unseren Köpfen entscheidend“.

Da man heute eine komplett andere Städteentwicklung anstrebe, würde das nicht mehr so aussehen, dass man auf der grünen Wiese eine „homogene Bevölkerungsstruktur mit 20.000 Wohneinheiten“ aufbaue.

Die große Aufgabe sei laut der Bauministerin, den jetzigen Bestand zu nutzen und bestehende Siedlungen nachzuverdichten. „Wir müssen auch in die Lücken-Bebauung gehen, weil der Flächenverbrauch nicht mehr so hoch sein darf, wie das früher der Fall war“, so Geywitz. Auch Aufstockungen müsse man in Betracht ziehen.

„Serielles Bauen“ sei in den letzten Jahren im Mehrfamilienbereich noch eine Nische gewesen, während es beim Einfamilienhaus, dem sogenannten „Fertighaus“, schon etabliert sei.

Die Bundesländer hätten auch die Wichtigkeit erkannt, diesbezüglich einheitliche Gesetzesänderungen voranzubringen. Durch die große Nachfrage an Wohnraum sei der Druck für diese Umsetzung gestiegen. Sie sehe die Gefahr, dass die Leute sich die Kaltmiete irgendwann nicht mehr leisen könnten, wenn nicht schnell neuer Wohnraum geschaffen werde.

Steigerung der Produktivität durch „Serielles Bauen“

Obwohl viele Sachen nicht beeinflussbar seien, plane sie durch „Digitalisierung in den Bauämtern, durch serielle und modulare Bauweisen“ die Produktivität zu steigern, so Geywitz gegenüber „Augsburger Allgemeine“.

„Wenn wir also unser Ziel von 300.000 auf 400.000 erreichen wollen, dann müssen einfach pro Mann und Frau auf dem Bau mehr Wohnungen entstehen.“ Weiterhin betonte sie, das Flächensparziel nicht aus den Augen zu lassen, obwohl Bauland nicht das drängendste Problem sei. Als Beispiel dafür benennt sie den Bauüberhang von mittlerweile 750.000 genehmigten, aber nicht gebauten Wohnungen.

Des Weiteren betont Geywitz die Schwierigkeiten der jetzigen Zeit. Sie verweist auf Zinssteigerungen und durch den Ukraine-Krieg verursachte Lieferengpässe am Bau. Der Fachkräftemangel sei ebenfalls ein Problem. Mit Blick auf das letzte Jahr stelle sie aber fest, dass auch damals – trotz milliardenschwerer Förderung des damaligen Wirtschaftsministeriums, nur 300.000 Wohnungen fertiggestellt worden seien. Obwohl es „historisch niedrige Zinsen“ und noch keine „Russland-Sanktionen“ gab. (il)



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