Cannabis-Legalisierung: Wer macht dabei das große Geld?

Eine Freigabe von Cannabis für den Freizeitkonsum könnte in Deutschland einen neuen Wirtschaftszweig entstehen lassen. Einige Unternehmen wittern dabei das große Geschäft und bereiten sich auf die Legalisierung vor. Nutznießer wäre aber auch der Staat, der sich auf erhebliche Steuermehreinnahmen freuen kann.
Nach Auffassung des Drogenbeauftragten  Burkhard Blienert hat die kontrollierte Freigabe von Cannabis zum Ziel, die Gesundheitsrisiken zu reduzieren.
Die Cannabis-Branche hofft auf eine schnelle Legalisierung.Foto: Fabian Sommer/dpa
Von 28. Januar 2023

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Eine der großen Versprechungen der Ampelregierung ist die Legalisierung von Cannabis in dieser Legislaturperiode. Im Moment plätschert das Projekt vor sich her. Ab wann man in Deutschland legal Cannabis kaufen kann, ist noch unklar. Unternehmen bereiten sich aber schon jetzt auf das Geschäft mit der Pflanze vor.

Von der medizinischen Nutzung zum Genussmittel

Die Muster der Debatte um Legalisierung läuft weltweit immer nach dem gleichen Muster ab: Am Anfang steht die medizinische Nutzung und am Ende wird die Cannabis-Pflanze als Genussmittel legalisiert. Ein Land, wo man das sehr gut beobachten konnte, ist Kanada. 2011 wurde dort „Cannabis als Medizin“ erlaubt. Seit Oktober 2018 können Erwachsene auch „Recreational marihuana“, also Marihuana zur Entspannung, straffrei konsumieren. Dieser Schritt sorgte für einen Boom: Neue Cannabis-Unternehmen wurden gegründet, die Anbaukapazitäten schnellten hoch, zahlreiche Firmen gingen an die Börse.

Das Gras wird oftmals in gigantischen Gewächshäusern angebaut. Die benötigten Arbeitskräfte wandern nicht selten aus der Landwirtschaft ab und fehlen dort. Das sorgte nach der Legalisierung 2018 im Land aber auch für eine große Diskussion, da das die landwirtschaftlichen Industriezweige sehr stark unter Druck setzte.

Unternehmen hoffen auf Cannabis-Boom

In Deutschland hoffen Unternehmen nun auf einen ähnlichen Boom der Cannabis-Branche wie in Kanada. In Sachsen produziert beispielsweise die Firma Demecan medizinisches Cannabis. Nun bereitet sie sich auf die komplette Legalisierung vor. Heute bauen sie etwa eine Tonne Gras pro Jahr an. Zukünftig sollen das mindestens zehn Tonnen werden.

In Berlin ist es ein Konzern, der in den Startlöchern steht: Die Sanity Group gehört schon heute mit einer großen Produktionsanlage im Rhein-Main-Gebiet zu den führenden Cannabis-Unternehmen in Deutschland. Im September hat der Konzern gerade erst 37,6 Millionen Euro an Investoren-Geldern eingesammelt. „Diese Finanzierungsrunde ist ein wichtiger Meilenstein für uns und ein starkes Signal für die Entwicklung des Cannabismarkts in Deutschland und Europa“, sagt Finn Age Hänsel, Gründer und CEO der Sanity Group gegenüber dem „Handelsblatt“. Nach Einschätzung des Unternehmens war die Investoren-Runde damals die bisher größte eines europäischen Cannabis Unternehmens und eine der wenigen Aufstockungsrunden in der deutschen Start-up-Szene. Für diese ist die Suche nach Investoren in der aktuellen wirtschaftlichen Lage schwieriger geworden. Das Unternehmen möchte mit dem Kapital vor allem in zwei Bereichen investieren: Zum einen soll das Produktportfolio mit verschreibungspflichtigem Medizinalcannabis ausgebaut werden. Zum anderen will das Unternehmen auch ein maßgeblicher Player im Geschäft mit Cannabis für den Freizeitkonsum werden.

Start-up-Unternehmer Finn Age Hänsel hat in der Vergangenheit immer wieder die Legalisierung von Cannabis befürwortet. Als Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) im Oktober das vom Kabinett beschlossene Eckpunktepapier vorstellte, begrüßte Hänsel dieses Papier ausdrücklich in einer Pressemitteilung. „Wir freuen uns sehr, dass die Bundesregierung die geplante kontrollierte Abgabe von Cannabis zu Genusszwecken an Erwachsene aktiv vorantreibt.“ Viele Eckpunkte entsprächen „unseren Erwartungen“, heißt es weiter. Ausdrücklich wird hier der „Wegfall einer THC-Obergrenze“, „strenge Alterskontrollen bei der Abgabe in lizenzierten Geschäften“ und die „Streichung von Cannabis aus dem Betäubungsmittelgesetz“ hervorgehoben. Kritik kommt an den Punkten wie dem generellen Werbeverbot, keinem Versandhandel und den fehlenden Importmöglichkeiten aus anderen Ländern. Das sei nicht sinnvoll, gerade im Hinblick auf die Bekämpfung des illegalen Markts.

CDU-Mann führt größtes Cannabis-Start-up

Finn Age Hänsel engagiert sich auch schon viele Jahre politisch. Nicht bei der FDP oder den Grünen, wie man glauben könnte. Nein, der Unternehmer ist heute Beisitzer im Bundesvorstand der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT), der CDU-Wirtschaftsvereinigung. Dort ist er unter anderem Mitglied in der Fachkommission Gesundheit und Pflege.

Dass sich Hänsel in der CDU engagiert, ist ungewöhnlich. Hat sich die Partei doch bisher immer gegen die Legalisierung von Cannabis ausgesprochen. Zuletzt übte CDU-Generalsekretär Mario Czaja nach Vorstellung der Eckpunkte durch den Bundesgesundheitsminister Kritik an den Plänen der Ampelkoalition. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) spiele mit der Gesundheit der Kinder, sagte Czaja damals der „Deutschen Presse-Agentur“. „Mit dieser Debatte wird vor allem jungen Menschen der Eindruck vermittelt, es handele sich um eine harmlose Droge. Das Gegenteil ist der Fall.“ Der frühe Konsum habe erheblichen negativen Einfluss auf das Wachstum und die Entwicklung des Gehirns.

Langzeitstudie weist Hirnschäden nach

Tatsächlich hatte ein internationales Forschungsteam in einer Langzeitstudie 2021 festgestellt, dass sich das Gehirn von Cannabis-Konsumenten deutlich verändert. Die betroffenen Jugendliche waren impulsiver und konnten sich schlechter konzentrieren. Mit 800 Teilnehmern ist das die bisher größte Langzeitstudie zu diesem Thema.

Beim Start der Studie waren die Teilnehmer etwa 14 Jahre alt und hatten noch keinen Kontakt zu Cannabis. Die Forschenden überprüften die Hirnstruktur der Probanden durch MRT-Aufnahmen. Zu Beginn der Studie sahen alle Hirnscans ähnlich aus. Fünf Jahre später war das ganz anders: Ein Teil der Probanden hatte angefangen zu kiffen – manche nur gelegentlich, andere sehr häufig.

Die Aufnahmen bei den Cannabis-Konsumenten zeigten nun ein verändertes Bild: Die Hirnrinde war dünner als bei der Vergleichsgruppe. Die Veränderungen zeigten sich in einem besonders wichtigen Bereich des präfrontalen Kortex. Dort befinden sich viele Andockstellen für Inhaltsstoffe aus Cannabis. Diese Hirnregion hilft uns, Impulse zu kontrollieren, Probleme zu lösen und Handlungen zu planen.

4,7 Millionen mehr für den Staat

Wirtschaftsexperten verweisen hingegen auf die Mehreinnahmen für den Staat durch die Legalisierung von Cannabis. Im November 2021 berichtete das „Handelsblatt“ über die Studie des Wettbewerbsökonomen Justus Haucap vom Institute for Competition Economics (DICE) an der Universität Düsseldorf. Haucamp kommt zu dem Ergebnis, dass die Legalisierung von Cannabis dem Staat mehr als 4,7 Milliarden Euro an zusätzlichen Mitteln einbringen könnte. Ausschlaggebend dafür seien nicht nur zusätzliche Steuereinnahmen und Sozialversicherungsbeiträge aus dem legalisierten Geschäft mit der Droge, sondern auch Einsparungen bei Strafverfolgung und Justiz.

Zwischen 380 und 420 Tonnen Cannabis-Bedarf

Euphorie herrscht auch in der Cannabis-Branche. Ökonom Haucamp schätzt den Gesamtbedarf für „Freizeit-Cannabis“ in Deutschland auf 380 bis 420 Tonnen. Da lässt sich, so die Hoffnung vieler Unternehmer, zukünftig ein schönes Geschäft machen. Die größte Herausforderung bei dem Vorhaben der Legalisierung liegt aber darin, an die großen Mengen Cannabis auf legalem Weg zu kommen. Ein Import von Cannabis zu Genusszwecken würde gegen internationales Recht verstoßen. Auch für Deutschland ist das 1961 geschlossene Einheitsabkommen der UN-Staaten über Betäubungsmittel (Single Convention on Narcotic Drugs) bindend. Das verbietet den Handel, also auch Import und Export mit Cannabis für Genusszwecke, im Englischen als „recreational cannabis“ bezeichnet.

Wenn die Ampel-Regierung also keinen Bruch der internationalen Verträge riskieren möchte, muss das Cannabis in Deutschland angebaut werden. Allerdings beschränkt das Einheitsabkommen über Betäubungsmittel auch den Anbau und die Produktion von Cannabis auf ein medizinisches Produkt. Also müssten auch hierfür noch die entsprechenden rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Für den Branchenverband Cannabis steht fest, dass die Produktion der benötigten Mengen auf nationaler Ebene erhebliche Investitionen benötigt. In einem Tweed im sozialen Netzwerk „Twitter“ vom August schreibt der Verband:

Wir gehen davon aus, dass es zumindest anfangs eine nat. Produktion geben muss. Hierfür sind hohe Investitionen notwendig und v. a. eine Vorlaufzeit von 1,5 bis 2 Jahren, um die notwendigen Produktionskapazitäten zur Verfügung zu stellen.“

„Kapitulation vor der Drogenmafia“

Schafft es die Bundesregierung nicht, auch den Einkauf von Cannabis zu legalisieren, kann das ein großes Problem werden. Die Niederlande sind dafür ein gutes Beispiel. Dort wurde Cannabis zwar nicht legalisiert, darf aber seit Jahrzehnten in Coffeeshops für den Eigenbedarf an Erwachsene verkauft werden. In den Niederlanden ist also die Abgabe geregelt, nicht aber der Einkauf. Die Coffeeshops hatten keine Möglichkeit, Cannabis legal einzukaufen – eine Lücke, die Drogenbanden nutzen, um ein großes Netzwerk aufzubauen, über das mittlerweile zunehmend Kokain verkauft wird.

Mag es viele Nutznießer einer Legalisierung von Cannabis geben, weisen Kritiker immer wieder darauf hin, dass der Konsum von Cannabis nach einer Legalisierung weiter zunehmen könnte. Damit könnte die Hemmschwelle zum Konsum härterer Drogen wie Kokain und Heroin gesenkt werden.

So spricht sich beispielsweise die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) gegen eine Legalisierung von Cannabis aus. „Die Bundesregierung plant ein gefährliches und unverantwortliches Experiment mit der Gesundheit von Menschen, insbesondere von Kindern und Jugendlichen“, so der DPolG-Bundesvorsitzende Rainer Wendt im Oktober im Hinblick auf die Eckpunkte der Bundesregierung zur Legalisierung. Wendt spricht in diesem Zusammenhang von einer „Kapitulation vor der Drogenmafia“. Er hoffe, dass nun die EU-Kommission „diesen Irrweg“ stoppen wird.



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