Chaos in Berlin und Hamburg – Nach Sturmtief große Behinderungen im Straßen- und Bahnverkehr

Epoch Times6. Oktober 2017 Aktualisiert: 6. Oktober 2017 22:44
Nicht nur in Berlin sind die Folgen des Sturmtiefs "Xavier" noch tagelang zu spüren, weder Busse noch S-Bahnen fahren fahrplangemäß. Der Großraum Hamburg ist nicht erreichbar, viele Fernverbindungen sind gesperrt. Ein (unvollständiger) Überblick.

Die vom Sturmtief „Xavier“ angerichteten Schäden haben den Bahnverkehr am Freitag weiter empfindlich gestört. Im Norden und Nordosten waren nach Angaben der Deutschen Bahn weiter Strecken gesperrt, die Reparatur- und Aufräumarbeiten werden teilweis über das Wochenende hinaus andauern.

Die Bahn teilt mit, dass Zugtickets für die betroffenen Strecken bis einschließlich 15. Oktober gelten. Diese Regelung gelte auch für Tickets mit Zugbindung. Bei Reiseverzicht könnten Tickets ohne Gebühr zurückgeben werden.

Die Deutsche Bahn meldet (abgerufen am 6. Oktober, 17:55 Uhr):

„Eine Beförderung der Fernverkehrsreisenden kann zum derzeitigen Zeitpunkt nicht sichergestellt werden. Die Deutsche Bahn empfiehlt, Reisen auf den betroffenen Relationen möglichst zu verschieben.“

Die Strecken Hannover – Berlin, Hamburg – Hannover, Berlin – Dresden sowie Hamburg – Kiel – Westerland (Sylt) könnten nach derzeitigen Prognosen erst am Samstag wieder genutzt werden, die Strecke Bremen – Hannover ab Sonntag.

Die Strecken Hamburg – Berlin, Osnabrück – Hamburg und Hannover – Magdeburg – Berlin seien voraussichtlich ab Montag wieder befahrbar, die Strecke Leer – Oldenburg – Bremen jedoch wohl erst ab Mittwoch. Fernverkehrszüge von Berlin Richtung Frankfurt – Mannheim – München/Basel werden laut Bahn weiträumig umgeleitet, halten jedoch nicht in Kassel-Wilhelmshöhe, Göttingen, Hildesheim, Braunschweig und Wolfsburg.

„An mehreren hundert Stellen versperren Bäume, Äste und Dutzende umgeknickte Masten für Signale und Oberleitungen die Gleise“, teilte das Unternehmen mit. „Besonders stark betroffen ist die Strecke Berlin – Hamburg, auf der die Oberleitungen über eine Länge von sechs Kilometern massiv beschädigt ist und nun neu gebaut werden muss.“

„Folgende Strecken des Fernverkehrs sind aktuell in beiden Richtungen gesperrt und nicht befahrbar:

  • Hannover – Berlin
  • Hamburg – Berlin
  • Hannover – Hamburg
  • Berlin – Dresden
  • Leer (Ostfriesland) – Oldenburg – Bremen
  • Bremen – Hannover
  • Osnabrück – Hamburg
  • Hannover – Magdeburg -Berlin
  • Hamburg – Kiel
  • Hamburg – Westerland (Sylt)

Der Großraum Hamburg ist weiterhin nicht erreichbar.

Aktuell fallen aus:

Züge der Linie 10 (Köln – Hamm – Hannover – Berlin) fallen zwischen Hannover und Berlin aus

Züge der Linie 11/12 (Basel SBB/München – Mannheim – Kassel-Wilhelmshöhe – Berlin) werden zwischen Fulda und Berlin umgeleitet, die Halte Kassel-Wilhelmshöhe, Göttingen, Hildesheim, Braunschweig und Wolfsburg fallen aus

Züge der Linie 20/22 (Basel SBB/Stuttgart – Mannheim – Kassel-Wilhelmshöhe – Hannover – Hamburg) fallen zwischen Kassel-Wilhelmshöhe und Hamburg aus

Züge der Linie 26 (Karlsruhe – Frankfurt/M – Gießen – Hannover – Hamburg) fallen zwischen Kassel-Wilhelmshöhe und Hamburg aus

Züge der Linie 27 (Prag – Dresden – Berlin – Hamburg) fallen zwischen Dresden und Hamburg aus

Züge der Linie 30 (Basel – Mannheim – Mainz – Köln – Bremen – Hamburg) fallen zwischen Dortmund Hbf und Hamburg aus

Züge der Linie 31 (Nürnberg – Frankfurt/M – Mainz – Köln – Bremen – Hamburg) fallen zwischen Dortmund Hbf und Hamburg aus

Züge der Linie 55 (Köln – Dortmund – Hannover – Magdeburg – Leipzig – Dresden) fallen zwischen Magdeburg und Köln aus

Züge der Linie 56 (Emden – Oldenburg – Hannover – Magdeburg – Leipzig – Dresden) fallen zwischen Magdeburg und Emden aus

Züge der Linie 77 (Amsterdam – Bad Bentheim – Hannover – Berlin) fallen zwischen Hannover und Berlin aus“

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Zwischen Hamburg und Hannover sollten ab dem frühen Abend wieder Züge fahren. Die Strecke von Berlin nach Leipzig war mit Einschränkungen wieder befahrbar.

Video: Sturm Xavier in Berlin-Lichtenberg

Störungen werden noch tagelang anhalten

Zugleich warnte die Bahn angesichts der massiven Schäden durch umgestürzte Bäume auf den Strecken vor anhaltenden Störungen im Betrieb auch in den kommenden Tagen.

„Die Auswirkungen des Sturms auf die Infrastruktur der Deutschen Bahn werden sich teilweise bis Anfang nächster Woche hinziehen“, erklärte das Unternehmen.

„Xavier“ war nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes mit Windgeschwindigkeiten von teilweise weit mehr als hundert Stundenkilometern und heftigen Regem über das norddeutsche Tiefland gezogen.

In einem breiten Streifen von Niedersachsen und Hamburg bis Brandenburg, Berlin und Sachsen richtete der Sturm schwere Verwüstungen an. Er entwurzelte Bäume, wirbelte Äste sowie Dachziegel durch die Luft und beschädigte Gebäude.

Video: Zahlreiche Bahnstrecken im Norden weiterhin unterbrochen

Berlin: 2.000 Unwettereinsätze

Bundesweit kamen sieben Menschen ums Leben. Die meisten wurden in Autos von Bäumen oder Ästen erschlagen. Allein in Berlin rückte die Feuerwehr nach eigenen Angaben binnen 17 Stunden zu 2000 Unwettereinsätzen aus, in Hamburg bis Freitagmittag mehr als 1400 Mal. In einigen Gebieten etwa in Brandenburg fiel der Strom aus.

Vielerorts saßen Bahnreisende auch in kleineren Orten fest und wurden von Einsatzkräften versorgt.

Die Bahn stellte für die Nacht unter anderem in Berlin, Köln, Hamburg und Leipzig sogenannte Hotelzüge bereit. Andernorts übernahmen Feuerwehren, das Technische Hilfswerk oder das Deutsche Rote Kreuz die Versorgung der Gestrandeten etwa in Turnhallen.

Flamingos im Berliner Zoo von Ästen erschlage

Auch der Straßenverkehr war durch umgestürzte Bäume und andere Hindernisse vielerorts stark eingeschränkt, es gab zahlreiche witterungsbedingte Unfälle mit Verletzten.

Im Berliner Zoo richtete der Sturm ebenfalls schwere Verwüstungen an. Dort wurden 18 Flamingos von herunterfallenden Ästen erschlagen. Nach Angaben des Tierparks hatten Mitarbeiter noch versucht, die Tiere in den Stall zu bringen, was diese aber verweigerten.

Video: Sturm Xavier in Berlin – am Tag danach

Regionalverkehr in Niedersachsen rollt wieder an

In Hamburg oder Berlin musste außerdem auch der Flugverkehr eingestellt werden, S-Bahnen und Busse fuhren nicht mehr. Der Regionalverkehr in Niedersachsen, der am Donnerstag komplett eingestellt worden war, kam am Freitag aber allmählich wieder in Gang.

Die S-Bahn im Raum Hannover lief eingeschränkt, es gab aber weiter Ausfälle im gesamten Regionalverkehrsnetz.

Bei der S-Bahn in Berlin gab es am Freitag noch erhebliche Beeinträchtigungen, in Hamburg dagegen verkehrten die S-Bahnen wieder weitestgehend normal. Bundesweit waren laut Bahn hunderte Mitarbeiter mit 20 Reparaturzügen „im Dauereinsatz“, um umgestürzte Bäume von den Strecken zu räumen und Oberleitungen zu reparieren.

In Berlin dankte die Bundesregierung den tausenden Helfern für ihren Einsatz und sprach den Angehörigen der Toten ihr Mitgefühl aus. „Natürlich denken wir in diesen Stunden an die sieben Menschen, die auf tragische Weise im Orkan ihr leben verloren haben“, sagte Vizeregierungssprecherin Ulrike Demmer. (afp/ks)